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Finanzamt am Unterhalt beteiligen

Sammeln: Belege für Ausbildungskosten sind bares Geld.
Sammeln: Belege für Ausbildungskosten sind bares Geld. FOTO: Fotolia/PhotoSG
Cottbus. Mit Ausgaben für Ausbildung, Unterhalt oder Spenden lassen sich leicht Steuern sparen. Denn der Sonderausgaben-Pauschbetrag in Höhe von 36 Euro für Alleinstehende bzw. 72 Euro für Verheiratete ist schnell überschritten. Barbara Brandstetter

Sonderausgaben wie Kirchensteuer, Ausbildungs- oder Unterhaltskosten tragen Steuerzahler auf Seite 2 des Steuerhauptformulars in die Zeilen 36 bis 56 ein.

Unterhalt: Wer Unterhalt an seinen Ex-Partner zahlt, kann das Finanzamt an bis zu 13 805 Euro beteiligen (Zeilen 40-41). Dies ist allerdings nur dann möglich, wenn der ehemalige Partner bereit ist, die Zahlungen als "Sonstige Einkünfte" zu versteuern. Zudem muss die Anlage U ausgefüllt werden. Doch auch wenn sich der Ex-Partner wenig kooperativ zeigt, kann das Finanzamt an den Unterhaltszahlungen beteiligt werden. In diesem Fall können Steuerzahler diese bis zu 8652 Euro als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung verrechnen.

Ausbildungskosten: Für Laien mag es keine Rolle spielen, ob sie von einer Aus- oder einer Fortbildung sprechen. Im Steuerrecht wird allerdings klar differenziert. Die Aufwendungen für ein erstes Studium oder eine erste Ausbildung außerhalb eines Ausbildungsdienst-Verhältnisses können Steuerzahler bis zur Höhe von 6000 Euro als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Sonderausgaben können allerdings nur in dem Jahr verrechnet werden, in dem sie anfallen. "Daher verpufft die mögliche Steuerersparnis in vielen Fällen, da Studierende oft über keine oder allenfalls geringe Einkünfte verfügen", sagt Peter Pomian von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe in Cottbus. Was unter einer Erstausbildung zu verstehen ist, haben die Finanzämter klar definiert. Dabei handelt es sich um Bildungsmaßnahmen, die sich mindestens über zwölf Monate Vollzeit erstrecken und mit einer Prüfung abgeschlossen werden.

Alle Bildungsmaßnahmen, die Steuerzahler danach absolvieren, fallen in die Rubrik der Fortbildungen. In diesen Fällen können die Ausgaben in voller Höhe als Werbungskosten verrechnet werden. "Allerdings muss ein Zusammenhang zwischen der Bildungsmaßnahme und künftigen Einnahmen bestehen", sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Der Vorteil von Werbungskosten: Sie werden durch einen Verlustvortrag auch dann später steuerlich berücksichtigt, wenn im Jahr des Aufwands keine Einkünfte vorliegen.

Nun muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden, ob es rechtens ist, dass Ausgaben für eine erste Ausbildung oder ein erstes Studium lediglich bis zur Höhe von 6000 Euro als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden dürfen (u. a. 2 BvL 23/14). "Steuerzahler in einem Erststudium oder in einer ersten Ausbildung sollten daher die Ausgaben steuerlich geltend machen", rät Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Sofern keine ausreichend hohen Einkünfte vorliegen, kreuzen Steuerzahler auf dem Hauptformular das Feld "Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs" an und legen mit Hinweis auf die anhängigen Verfahren Einspruch gegen den Steuerbescheid ein. Sie können dann Verluste von Jahr zu Jahr weitertragen und im ersten Berufsjahr mit der dann zu zahlenden Steuer verrechnen.

Wer in den vergangenen Jahren keine Steuererklärung gemacht hat, kann dies noch für die letzten sieben Jahre rückwirkend nachholen. Abrechnen können Steuerzahler etwa Fahrten zu Lerngruppen, zur Hochschule, Ausgaben für Lehrmaterialien, Prüfungen, Computer oder eine doppelte Haushaltsführung.

Spenden: Das Finanzamt akzeptiert Spenden bis zur Höhe von 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte. Wer spendabler ist, kann den restlichen Betrag auch noch ein Jahr später mit dem Finanzamt verrechnen. Besonders kulant zeigt sich der Fiskus bei Spenden für Flüchtlinge. Wer zwischen dem 1. August 2015 und dem 31. Dezember 2016 für Flüchtlinge gespendet hat, muss dem Finanzamt lediglich den Kontoauszug vorlegen.

"Die sogenannte vereinfachte Spendenbescheinigung gilt unabhängig von der Höhe des gespendeten Betrags", sagt Honsa Ehmke von der Ehmke & Ehmke Treuhand Niederlausitz GmbH.

In anderen Fällen verlangt der Staat für Spenden ab 200 Euro zusätzlich eine Spendenbescheinigung.