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| 01:02 Uhr

Filter aus der Kokosnuss

Die Carbonit GmbH aus Salzwedel in Sachsen-Anhalt hat es geschafft: Ein renommierter deutscher Anbieter von Mineralwasser nutzt ihre Filtertechnik mittlerweile ebenso wie internationale Pharmafirmen, Labore und Produzenten von Lebensmitteln. Ein Kunde in Russland filtert damit sogar die Fuselöle aus dem Wodka. Von Sabine Fuchs

"Es gibt kaum einen Bereich, in dem unsere Technik nicht zum Einsatz kommt", sagt Geschäftsführer Peter Westerbarkey. Die Produkte, die nach einem innovativen Verfahren gefertigt werden, seien weltweit gefragt. Dafür wurde Carbonit mehrfach ausgezeichnet, unter anderen mit dem Innovationspreis des Landes Sachsen-Anhalt.

Jährliche Umsatzsteigerung
Mit einer Hand voll Mitarbeitern war Westerbarkey 1997 angetreten. In den Gebäuden einer ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft begann er mit der Herstellung von Aktiv-Kohle-Filtern, die Flüssigkeiten chemiefrei unerwünschte Schadstoffe wie Schwermetalle, Arzneimittelrückstände, Pestizide oder Bakterien entziehen. Grundstoff der Filter ist die Schale der Kokosnuss. Ähnlich einem Holzmeiler wird sie unter Luftabdeckung verkohlt und erreicht als schwarzes Pulver in Säcken den altmärkischen Betrieb. Sein Unternehmen beziehe diesen Stoff hauptsächlich aus Indonesien, da dieser einen besonders hohen Reinheitsgrad besitze, sagt Westerbarkey.
In Salzwedel wird das Pulver zunächst gerüttelt und mit den entsprechenden Filtermischungen in Formen verteilt. Dann wird es bei hoher Temperatur in Öfen gebacken. Ausgehärtet und geschnitten gelangt es in Patronen, die je nach Verwendungszweck unterschiedlich groß sind.
Etwa 200 000 Patronen verlassen jährlich das Werk. Die Tendenz sei steigend, sagt der Geschäftsführer. In den zurückliegenden Jahren habe Carbonit den Umsatz jeweils um 30 bis 40 Prozent steigern können. Das Unternehmen schreibe schwarze Zahlen. Die Mitarbeiterzahl stieg auf etwa 100.
Immer größeres Interesse fänden die Filter in privaten Haushalten, weil sie sowohl die Leistung als auch die Le-benserwartung von Haushaltsgeräten erhöhen können. Ein großer deutscher Armaturenhersteller habe sich bereits für die Carbonit-Filter interessiert und biete Wasserhähne an, aus denen gefiltertes und ungefiltertes Wasser entnommen werden kann.

Hilfe für Krisengebiete
Auch in Krisenfässern kommen Filter aus der Altmark zum Einsatz. Es handelt sich dabei um Aufbereitungsanlagen, die in Entwicklungsländern verwendet werden können, wie Westerbarkey erklärt. Sie seien leicht transportabel und könnten in Katastrophengebieten auch aus einem Hubschrauber abgeworfen werden. Mehrere Hilfsorganisationen testen die Krisenfässer derzeit.