50 Jahre nach seiner Erfindung kommen auch Verbraucher in den alten Bundesländern zunehmend auf den Geschmack des Knusperbrotes aus Thüringen.
1956 verließen die ersten Knusperscheiben die Backöfen in dem zehn Jahre zuvor gegründeten Apoldaer Unternehmen, das seit 1992 eine 100-prozentige Tochter der Handels-GmbH WHG in Wei ßenfels (Sachsen-Anhalt) ist. Einer Legende nach benannte der Filinchen-Erfinder, der Bäcker und Konditor Oskar Kompa, die Kreation nach seiner Jugendfreundin. In der DDR avancierte das Diätbrot rasch zur Mangelware, die in Lebensmittelgeschäften im Nu ausverkauft war. Heute gibt es ein Dutzend Filinchen-Sorten, die in kaum einem Supermarktregal der neuen Bundesländer fehlen.
In Westdeutschland bringen es die Knusperscheiben in ihrem Produktsegment nach Unternehmensangaben inzwischen auf einen Marktanteil von bis zu 15 Prozent. Im Ausland ist die Schweiz bislang wichtigster Abnehmer. Gutena profitiere vom anhaltenden Gesundheits- und Fitnesstrend, sagt Geschäftsführer Michael Heinemann. "Der schlägt sich auch in der Ernährung nieder." Im April komme deshalb auch ein Bio-Filinchen auf den Markt. Zudem habe sich die Bündelung des Vertriebs bei der Weißenfelser Mutterfirma ausgezahlt. Die WHG vermarktet die Produkte ihrer Töchter Gutena Apolda und Neukircher Zwieback GmbH (Sachsen) gemeinsam.
Etwa 1100 Tonnen Filinchen backen die 40 Gutena-Beschäftigten jährlich, fast das ganze Jahr über in drei Schichten. Den Jahresumsatz beziffert Heinemann auf rund acht Millionen Euro. 16 Millionen Euro wurden seit der Wende in den Betrieb investiert. Größter Brocken war 1998 ein kompletter Neubau mit Produktionshalle und Bürotrakt. Weitere Investitionen sind bereits vorbereitet: In Kürze geht eine neue Energie sparende Backstrecke in Betrieb. "Eine Reaktion auf die Entwicklung auf dem Gasmarkt", sagt Heinemann. Gas habe sich für das Unternehmen im Vorjahr um 15 Prozent verteuert. Mittelfristig soll eine weitere Produktionshalle folgen.
Die Gutena Nahrungsmittel GmbH Apolda ist einer von mehr als 80 Backwarenherstellern in Thüringen. 2004 erwirtschafteten die rund 7100 Beschäftigten dieser Branche einen Umsatz von knapp 558 Millionen Euro, geht aus dem aktuellen Agrarbericht des Thüringer Landwirtschaftsministeriums hervor. Die Ernährungsindustrie war 2004 mit 2,9 Milliarden Euro der umsatzstärkste Industriezweig in Thüringen. Sie lag damit noch vor dem Fahrzeugbau.