Die gute Nachricht der Lausitzkonferenz zum Thema „Mythos oder Realität – Fachkräftemangel in der Lausitz?“: Noch hat der Fachkräftemangel die Region zwischen Lübben und Zittau nur im Gesundheitswesen und in der Altenpflege erreicht.

Die schlechte Nachricht: Stichhaltige Strategien, um Fachkräfte in der Lausitz zu halten und damit meist kleineren Betrieben langfristig zu helfen, hat die Jahrestagung des Deutschen Gewerkschaftsbundes nicht liefern können. Vielmehr hat sie altbekannte Forderungen erneuert, die auf einen großen Teil der ostdeutschen Länder zutreffen: höhere Löhne, Tarifbindung auch in kleinen Betrieben, eine bessere verkehrstechnische und schulische Infrastruktur sowie verstärkte Aus- und Weiterbildung innerhalb der Betriebe.

Ein Fazit der Lausitzkonferenz: In erster Linie bleibt das Thema ein Problem der Wirtschaft. „Fachkräftesicherung ist ein Betriebsthema“, sagt Dr. Alexandra Bläsche vom Brandenburger Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie. In Brandenburg setzt sich die Landesregierung seit sechs Jahren intensiv mit dem Thema auseinander, betont Alexandra Bläsche. Sie habe dafür eine Fachkräftestrategie erstellt. Zudem gebe es sechs Regionalbüros im Land, die zum Thema Berufsfachkräftesicherung beraten. Jedoch könne Brandenburg lediglich moderieren und manche Flanke finanzieren, sagt sie.

Auch der sächsische Vertreter, Ministerialdirigent Alexander zu Hohenlohe aus dem Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, hofft darauf, dass sich die Unternehmen selbst weiter positiv entwickeln. „Wir brauchen eine selbsttragende Wirtschaft“, sagt er. Regionale Netzwerke sollen gestärkt werden, Projekte verfestigt – wie das der Wirtschaftsinitiative Lausitz (Wil). Die Wil möchte vor allem Klein- und Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten in der Region Hilfe bei der Planung und Koordinierung von Aus- und Weiterbildungen geben. Sie machen nach Wil-Angaben 91 Prozent aller Firmen in der Lausitz aus. „Viele Klein- und Mittelständler haben gar keine Zeit, sich um Weiterbildung oder die Frage nach einer Unternehmensnachfolge zu kümmern“, so Wil-Vertreter Hans-Christian Marxen, der in der Geschäftsführung der BASF Schwarzheide arbeitet. Zudem will sich die Initiative als Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Bildung und Forschung etablieren.

Eine Schwäche der Lausitzkonferenz: Hans-Christian Marxen war der einzige Wirtschaftsvertreter in der Runde – und zudem in keine Diskussionsrunde eingebunden. Der angekündigte Horst Freimann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus, hat laut DGB kurzfristig wegen eines Termins passen müssen. So plänkelte die Diskussion, auch aufgrund geringer lausitzspezifischer Daten – teilweise mit Allgemeinplätzen wie „Wenn wir nicht an einem Strang ziehen, wird es nicht funktionieren“ oder „Wir müssen endogene Potenziale stärken“ vor sich hin.

Ein Ergebnis der Lausitzkonferenz: Auf Fachkräfte aus den Nachbarländern sollte die Region nicht hoffen: „Die Idee, dass Zuwanderung unsere Probleme lösen kann, können wir uns abschminken“, sagt BASF-Mann Hans-Christian Marxen. Das unterstreicht auch Shirin Khabiri-Bohr, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Bautzen. Zwar würden seit dem Start der Arbeitnehmerfreizügigkeit auch Polen und Tschechen um Stellen nachfragen. Allerdings seien es weniger als angenommen. Zudem würden sie vermehrt nach Helferstellen fragen. Diese Stellen kann der deutsche Arbeitsmarkt jedoch noch selbst besetzen, sagt sie.