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| 10:44 Uhr

Berlin
Facebook will nun Partner vermitteln

Berlin. Mit dem Datenskandal im Nacken setzt Facebook auf neue Produkte und kündigt eine Partnervermittlung an. Doch Whatsapp-Chef Jan Koum wirft hin. Daniel Fiene

Mit dem Datenskandal im Nacken setzt das größte soziale Netzwerk der Welt auf neue Produkte und kündigt eine Partnervermittlung an.

Mark Zuckerberg hat ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Das zeigte er auch auf seiner Entwicklerkonferenz F8 im kalifornischen San José. Der Datenskandal rund um Cambridge Analytica ist noch nicht vorbei, da kündigt der Facebook-Gründer ein neues Produkt an, das wie kaum ein anderes das Vertrauen der Nutzer benötigt: eine Plattform für Onlinedating. "Die Funktion soll echte, langfristige Beziehungen ermöglichen und nicht nur für One-Night-Stands da sein", erklärte Zuckerberg. Die neue Funktion soll innerhalb der normalen App erreichbar sein, aber vom normalen Profil des Nutzers getrennt bleiben. Aktiviert der Nutzer sein Dating-Profil, werden Vorname, Profilfoto und andere ausgewählte Informationen angezeigt.

Facebook versucht Nutzer über gemeinsam besuchte Veranstaltungen oder Gruppen zusammenzubringen. Wie bei der Dating-App Tinder können Mitglieder sich Interesse signalisieren und einen Chat starten. "Ihre normalen Facebook-Freunde können das Dating-Profil aber nicht sehen, und man bekommt auch nur Menschen vorgeschlagen, mit denen man nicht befreundet ist", stellte Zuckerberg klar. Einen Startpunkt für die Kontaktbörse nannte er noch nicht.

Die Anlegern reagierten: Die Aktie der Match Group, dem Konzern hinter den populären Dating-Apps Tinder und Ok Cupid, gab kurzfristig um 22 Prozent nach. Dessen Geschäftsführerin Mandy Gindberg erklärte in Anspielung auf den Datenskandal: "Wir fühlen uns geschmeichelt, dass Facebook in unserer Branche mitmischen möchte. Uns überrascht aber der gewählte Zeitpunkt, wenn man bedenkt in welchem Umfang persönliche und sensible Daten zu diesem Geschäftsgebiet dazugehören."

Das Thema Datensicherheit war auch auf der F8 ein großes Thema. Zuckerberg versuchte, aus der Defensive zu kommen. Er warnte die 5000 Entwickler Nutzerdaten zu missbrauchen, man wolle energisch dagegen vorgehen. Gleichzeitig kündigte er die Entwicklung eines Bereichs zur "Clear History" (englisch für "Verlauf bereinigen") an. Ähnlich wie Internet-Nutzer den Verlauf löschen können, sollen die Facebook-Nutzer künftig auch vom Netzwerk gesammelte Daten wie "Gefällt mir"-Klicks entfernen können. Allerdings werde es noch Monate brauchen, bis die Funktion umgesetzt würde. Darüber hinaus kündigte Facebook für die USA den Verkaufsstart einer günstigen Virtual-Reality-Datenbrille "Oculus Go" für rund 200 Dollar und ein neues übersichtlicheres Design für den eigenen Facebook Messenger an.

Überschattet wird die Konferenz von einem Abgang: Whatsapp-Gründer Jan Koum kündigte an, das Unternehmen zu verlassen. 2014 hatte Facebook den populären Nachrichten-Dienst übernommen und bislang recht eigenständig gelassen. Für Koum war die Privatsphäre der Nutzer wichtig: Unter seiner Federführung fing WhatsApp an, Nachrichten komplett zu verschlüsseln. Nur Sender und Empfänger kennen die Inhalte, nicht einmal Whatsapp hat Zugriff. Laut "Washington Post" ist es zwischen Koum und Facebook zu Streit gekommen. Koum will nicht, dass das Geschäftsmodell von Whatsapp auf der Vermarktung der Nutzerdaten basiert, stattdessen sollen Firmen künftig dafür bezahlen, dass sie Kunden auf Whatsapp erreichen können. Für Whatsapp-Nutzer ist Koums Abgang kein gutes Signal: Womöglich wird Facebook nun stärker auf ihre Daten zugreifen. Auch fehlt mit Koum ein Verfechter der Werbefreiheit.

Zwar kündigte Facebook in dieser Woche noch einmal an, neue Funktionen für das Tochter-Unternehmen entwickeln zu wollen, blieb aber vage. Konkret angekündigt wurden nur bunte Sticker und Gruppen-Video-Telefonie. Bis zu vier Nutzer sollen sich künftig zusammenschalten können.