"Eine Flexibilisierung mit Augenmaß als Ergänzung und Vertiefung auf dem Sockel des Flächentarifvertrags ist ein Erfolg versprechendes Modell", sagte gestern der Hamburger Professor für Industrie- und Betriebssoziologie, Jürgen Prott. Die nordrhein-westfälischen Tarifparteien hatten vereinbart, die endgültige Entscheidung über Einmalzahlungen den Unternehmen und Betriebsräten zu überlassen.
"Ich halte das für eine mutige tarifpolitische Variante, mutig vor allem aus dem Blickwinkel der IG Metall." In der Vergangenheit habe sich die Gewerkschaft stets gegen größere Abweichungen vom Flächentarifvertrag gewehrt, erläuterte Prott. "Das Risiko besteht, dass die Arbeitgeber die Vereinbarung als Einstieg in eine weitere Flexibilisierung sehen." Das sei jedoch nicht im Interesse der Arbeitnehmer, so Prott.
Nach Einschätzung der IG-Metall-Spitze wird der Pilotabschluss von den Belegschaften positiv bewertet. Gewerkschafts-Vize Bertold Huber wies gestern Vorwürfe zurück, dass der Pilotabschluss in Nordrhein-Westfalen zu hoch sei und zu einem Stellenabbau führen werde. "In den Jahren, wo wir schwächere Tarifabschlüsse hatten, sind Arbeitsplätze en masse abgebaut worden von denjenigen, die das jetzt kritisieren", sagte der Gewerkschafter. Kritik übte dagegen der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Dessen Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse sagte: "Ich fürchte, der Abschluss wird auf Dauer Jobs kosten - insbesondere in den einfachen Bereichen."
Die Tarifparteien hatten sich in Düsseldorf auf eine Lohnerhöhung von drei Prozent ab dem ersten Juni verständigt. Der Kompromiss sieht zudem für März bis Mai Einmalzahlungen in Höhe von 310 Euro vor, die flexibel ausgestaltet sind.
Die Spitzen des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall und der IG Metall wollen nun in allen Tarifbezirken die Übernahme des Abschlusses für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche empfehlen.
(dpa/AFP/pk)