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| 10:04 Uhr

Berlin
Ex-VW-Chef Winterkorn in den USA angeklagt

Berlin. Wenn es nach den Dankbarkeitsbekundungen ginge, müsste Matthias Müller eigentlich noch im Amt sein. Eine "herausragende Leistung" bescheinigte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch dem geschassten Volkswagen-Chef. Und auch Müllers Nachfolger Herbert Diess wollte angesichts von gut 230 Milliarden Euro Umsatz und 13,8 Milliarden Euro Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr nicht meckern: "Ich übernehme das Unternehmen in einem guten Zustand." Florian Rinke

Der Dieselskandal ist noch lange nicht vorbei, nun erreicht er Spitzenmanager von Volkswagen. Ein Bundesgericht im US-Bundesstaat Michigan klagt den ehemaligen Volkswagen-Chef Martin Winterkorn an. Winterkorn soll den Abgas-Betrug bewusst verschleiert haben. Die Anklagen lauten auf Betrug gegen die USA sowie Verstöße gegen das Gesetz zur Luftreinhaltung. Das berichten die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, dass Winterkorn derzeit nicht inhaftiert sei. Volkswagen wollte sich nicht dazu äußern. Winterkorn war kurz nach Bekanntwerden des Dieselskandals 2015 zurückgetreten und hatte das Amt an Matthias Müller übergeben.

Der musste inzwischen auch gehen, doch wenn es nach den Dankbarkeitsbekundungen auf der Hauptversammlung ginge, müsste Müller eigentlich noch im Amt sein. Eine "herausragende Leistung" bescheinigte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch dem Nachfolger von Winterkorn. Und auch Müllers Nachfolger Herbert Diess wollte angesichts von gut 230 Milliarden Euro Umsatz und 13,8 Milliarden Euro Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr nicht meckern: "Ich übernehme das Unternehmen in einem guten Zustand."

Dass dennoch erstmals Diess statt Müller auf der Bühne bei der Hauptversammlung des VW-Konzerns in Berlin stand, hatte dann auch weniger mit den Zahlen zu tun als mit dem Reformprozess. Vielen Mächtigen im Konzern ging es angeblich zu langsam voran, Müller wurde hinter vorgehaltener Hand Entscheidungsschwäche vorgeworfen.

Diess drückt hingegen verbal aufs Tempo: "Die entscheidenden Jahre unserer Transformation kommen erst noch." Der Konzern müsse schneller werden, mehr Schnellboot als Tanker. Ausgliederungen von Unternehmensteilen wie der Motorradmarke Ducati oder dem Getriebehersteller Renk schloss Diess explizit nicht aus. Sie seien ebenso denkbar wie Erweiterungen. Gleichzeitig mahnte er einen Kulturwandel an. Volkswagen müsse "ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden", sagte Diess.