Das 111 Jahre alte Dresdner Unternehmen – in der DDR Serienmöbelhersteller und Kernbetrieb eines Möbelkombinats – hat sich seit der Privatisierung 1992 als exklusiver Innenausstatter von Appartements, Ladengeschäften und Chefetagen, aber auch von öffentlichen Bauten wie dem Sächsischen Landtag profiliert. Seit zehn Jahren werden auch Luxusjachten exklusiv ausgestattet.

Die 1889 vom Tischler Karl Schmidt gegründeten Werkstätten Hellerau gehörten einst zu den Vorreitern bei Entwicklung und industrieller Produktion von formschönen und bezahlbaren Möbeln. Diese Tradition werde fortgesetzt, betont Straub, auch wenn das Unternehmen heute ausschließlich Unikate herstelle und nicht mehr für den Massenmarkt produziere. Als Markenzeichen der Deutschen Werkstätten nennt er „perfekte handwerkliche Ausführung, ingenieurtechnische Expertise und ein Gefühl für Ästhetik“.

Tradition und Moderne

Als Fritz Straub vor 17 Jahren die Geschäftsführung übernahm, war die Firma „eine große Schreinerei“, wie der 66-Jährige es nennt. In dem Betrieb gab es zwar viele Tischler, die ihr Handwerk beherrschten, doch das Unternehmen hatte „nichts Besonderes“. Unter der Leitung von Straub begann die Rückbesinnung auf die ursprünglichen Tugenden der Werkstätten – mit Erfolg. Im Jahr 2008 lag der Umsatz bei 35 Millionen Euro, 14 Millionen mehr als im Vorjahr.

Die Deutschen Werkstätten Hellerau gehören heute zu den renommierten Raumausstattern in Europa. Sie beschäftigen 200 Mitarbeiter. Und die nehmen sich nicht nur teurer Jachten an, für die exklusive Möbel und akkurat an die Schiffsform angepasste Ausstattungsgegenstände gefertigt werden.

Die Hellerauer Konstrukteure entwerfen auch Einrichtungen für noble Appartements in Moskau oder Vorstandsetagen deutscher Konzerne. Einbauschränke und Empfangstresen, Wandverkleidungen und Treppenteile werden an computergestützten Präzisionsmaschinen vorgefertigt. Derzeit stapeln sich in den Regalen auch Borde und Schrankteile, die einmal in ein Hotel in Bonn eingebaut werden sollen. Verwendet werden Furniere, die in einem speziell temperierten Raum lagern und von Hölzern wie Akazie und Kirsche, aber auch dem seltenen Ebenholz Makassar stammen. Die edlen Materialien und die aufwendige Handarbeit dienen Unikaten für eine kleine Gruppe von Kunden, deren Konten gut gefüllt sein müssen: „Wir sind nicht günstig“, heißt es denn auch in Hellerau

Steine, Glas und Metall

Klaus-Peter Arnold, einstiger Direktor des Dresdner Kunstgewerbemuseums und Autor eines Standardwerkes über die Hellerauer Werkstätten, sieht den heutigen Betrieb fest in der Tradition verwurzelt. Schon Werkstätten-Gründer Schmidt habe „allergrößten Wert auf Qualität, Materialgerechtigkeit und eigene, moderne Entwürfe gelegt“, sagt er. Zudem hätten sich die Werkstätten auch damals nicht nur um Möbel, sondern auch um die Einrichtung „von Tapeten über Teppiche bis zu Lampen“ gekümmert sowie komplette Holzhäuser entwickelt. „Man wollte das Gesamtkunstwerk“, sagt Arnold und verweist darauf, dass selbst der Ausbau von Schiffen auch vor 100 Jahren zum Programm der Werkstätten gehörte.

Einzigartigkeit ist Ziel

Zu den Prinzipien gehörte auch, Vorreiter beim Einsatz neuer Materialien und Produktionstechniken zu sein – ein Grundsatz, der für die Werkstätten heute eine wichtige Rolle spielt. „Schmidt würde heute ähnlich entscheiden“, ist Straub überzeugt, in dessen Unternehmen zwar nach wie vor zuerst Holz zum Zuge kommt, aber auch Stein, Glas und Metalle eingesetzt werden. Dabei sollen Formsprache und Verarbeitung künftig so perfektioniert werden, dass die Produkte der Werkstätten wieder auf den ersten Blick erkennbar sind, wünscht sich der Unternehmer: „Die Leute sollen sagen: Kein Wunder, so etwas kann nur aus Hellerau kommen.“ ddp/B.M.