Und seit Freitag ist klar: Der langgeplante und dreimal abgeblasene Börsengang des Chemieunternehmens soll nun unter seiner Stiftungsführung endlich gelingen.

Beide Eigentümer hätten einen Teil ihrer Aktien an institutionelle Investoren verkauft, ließen sie am Freitag überraschend die Öffentlichkeit wissen. Der frühere Bundeswirtschaftsminister, der zwischen 2003 und 2008 Vorstandsvorsitzender der RAG AG (später Evonik) war, zeigt sich betont zurückhaltend. Es sei mit der Abgabe der Anteile ein gutes Ergebnis für die Stiftung erzielt und das Tor zur Börsennotierung weiter aufgestoßen worden. Wie viel die Eigentümer bei der Privatplatzierung einlösten, wurde nicht gesagt. In der Branche wurde spekuliert, dass es sich um eine gute halbe Milliarde Euro handeln könnte.

Damit jetzt bei den weiteren Schritten zum anvisierten Börsengang nichts anbrennt, streben die Eigentümer eine "kleine Lösung" an. Evonik-Anteile von bis zu zehn Prozent sollen dabei zunächst platziert werden. Durch das reduzierte Angebot wollen sie sicherstellen, dass ein ordentlicher Preis erzielt werden kann.

Mitte vergangenen Jahres hatten Stiftung (75 Prozent) und CVC (25 Prozent) mit Evonik noch hochfliegende Börsenpläne verknüpft. Ein Anteil von 30 Prozent der Aktien sollte platziert werden. Und in der Branche wurde spekuliert, das Unternehmen werde schnell in den Leitindex Dax aufsteigen. Doch die Stimmung an den Kapitalmärkten sprach dagegen. Statt Evonik stieg der Konkurrent und Chemiespezialist Lanxess in die erste Börsenliga auf.

Bei den Essenern machte sich Ernüchterung breit: Das Umfeld an den Kapitalmärkten war nicht so, wie sich die Eigentümer das vorgestellt hatten. Es zeichnete sich ab, dass Evonik in den Augen der Investoren von damals deutlich weniger wert war als die erhofften 15 Milliarden Euro. Heute soll dieser offiziell nie bestätigte Wert aber schon wieder in Reichweite liegen.

D er Konzern, der weltweit 33 000 Menschen beschäftigt, erzielte zuletzt einen Umsatz von 14,5 Milliarden Euro (2011). Für die RAG-Stiftung als größtem Anteilseigner ist nur ein Börsengang akzeptabel, mit dem ein ordentlicher Zufluss von Finanzmitteln verbunden ist. Als Stiftungsvorsitzender ist Müller nämlich nicht nur für die bis 2018 gestreckten Zechenstilllegungen in Deutschland verantwortlich. Er muss auch dafür sorgen, dass ein Kapitalstock aufgebaut wird, mit dem dauerhaft die Folgekosten des Steinkohlebergbaus finanziert werden könne n.