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| 05:00 Uhr

Eurowings-Chef Thorsten Dirks
"Düsseldorf ist der wichtigste Standort unserer Europaflotte"

Düsseldorf. Heute startet ab Düsseldorf der Erstflug von Eurowings nach New York - Vorstandschef Dirks erklärt seine Strategie. Reinhard Kowalewsky

Am Samstag startet ab Düsseldorf der Erstflug von Eurowings nach New York. Im Interview erklärt Vorstandschef Thorsten Dirks seine Strategie.

Es gibt Hot-Dogs beim Treffen mit Thorsten Dirks am Flughafen Düsseldorf - denn der Eurowings-Chef will auch über eine neue Route Richtung USA reden.

Herr Dirks, am Samstag startet die Eurowings-Verbindung von Düsseldorf nach New York. Ist das eher Ersatz für die frühere Air-Berlin-Route oder Alternative für das vielleicht wegfallende Lufthansa-Angebot?

Thorsten Dirks Weder noch. Es ist ein eigenes und sehr smartes Eurowings-Angebot. Mit unserer neu entwickelten BIZ-Class, einer vollwertigen Business Class auf ausgewählten Langstreckenflügen, sprechen wir gezielt viele tausend Geschäftsreisende an - und zwar zu konkurrenzlos günstigen BIZ-Class-Preisen ab 799 Euro. Auch in den drei anderen Tarifklassen bieten wir nicht mehr nur in Europa, sondern auch auf Langstrecken das beste Preis-Leistungsverhältnis. Für unter 200 Euro kamen sie früher vielleicht nach Palma, aber nicht direkt in die USA oder in die Karibik.

Wie wichtig wird die Digitalisierung für Eurowings? Was ist Ihre Vision?

Dirks Eurowings ist in fünf Jahren keine klassische Airline mehr, sondern ein digitales Unternehmen mit angeschlossenen Flugbetrieben. An diesem Ziel arbeiten wir entschlossen, denn die Zukunft der Mobilität gehört Dienstleistern, die weit mehr anbieten können als nur günstige Flüge: Das beginnt bei der Inspiration für eine Reise und geht über digitale Service- und Buchungsprozesse, die Reisen konsequent vereinfachen. Hierfür investieren wir schon in der Startphase einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

Warum kann ich den gleichen Flug nach New York für 289 Euro als "Smart" bei Eurowings buchen und für 454 Euro als Economy bei Lufthansa? Kann ich dann auf andere Lufthansa-Flüge umbuchen?

Dirks Jede Airline der Lufthansa-Gruppe entscheidet selber, zu welchem Tarif sie Tickets anbietet. Lufthansa hat ein anderes Produkt als wir, was sich gegebenenfalls in unterschiedlichen Preisen widerspiegelt. Kunden haben so größere Auswahl auf einigen USA-Strecken, um zu entscheiden, welches Angebot sie mehr anspricht. Und in bestimmten Fällen kann man auf Lufthansa Flüge umbuchen - und umgekehrt auch auf Eurowings Flüge.

Bisher setzt Eurowings bei der Langstrecke fast nur auf Ferienziele inklusive Miami, aber bisherige Ziele ab Köln wie Las Vegas oder Seattle fehlen. Wird das Angebot ausgebaut?

Dirks Wir haben mit Brussels Airlines in nur fünf Monaten eine neue Langstreckenoperation ab Düsseldorf aufgebaut - eine Riesenleistung, die uns so schnell keiner nachmacht. Da wartet 2018 noch viel Arbeit auf uns. Nächstes Jahr planen wir, unser Netz weiter zu vergrößern. Zusätzliche Strecken in die USA wie in andere Länder kann ich mir vorstellen, wenn sich die Nachfrage gut entwickelt und die infrastrukturellen Rahmenbedingungen stimmen.

Reicht das Einzugsgebiet von Düsseldorf, um eine Flotte von rund sieben Langstreckenjets mit jeweils rund 310 Plätzen sowie 35 Kurzstreckenjets auszulasten?

Dirks Die Region um Düsseldorf hat inklusive Ruhrgebiet und Rheinland eines der größten Einzugsgebiete Europas: rund 18 Millionen Menschen. Darum haben wir hier unsere Langstrecke konzentriert und darum ist Düsseldorf auch der wichtigste Standort unserer Europaflotte. Ich bin überzeugt, dass unser stark wachsendes Netz und die attraktiven Angebote für eine gute Auslastung unserer Jets sorgen werden. Die Nachfrage nach Flugtickets im Markt ist hoch, und wir sehen unverändert, wie sehr die Kunden auf Angebote von Lowcost-Airlines fliegen.

Und Köln ist nun abgehängt?

Dirks Nein, denn wir wachsen mit Eurowings ja an allen Standorten, auch am Flughafen Köln/Bonn. Mit der Stationierung von drei weiteren Kurz- und Mittelstreckenjets auf dann insgesamt 19 Flugzeuge werden wir auch in Köln/Bonn unsere Pole Position ausbauen. Allein das für 2018 geplante Wachstum entspricht mehr als 600.000 zusätzlichen Passagieren pro Jahr für den Kölner Airport. Bereits im Winterflugplan haben wir zum Beispiel entschieden, die Frequenz zwischen Köln und Berlin/Tegel – eine der stärksten innerdeutschen Business-Strecken – im Sommer auf bis zu 95 Abflüge pro Woche zu erhöhen. Zurzeit stellen wir in allen Flugbetrieben und Bereichen neue Mitarbeiter für unseren Wachstumskurs ein. Das gilt auch für die Eurowings Verwaltung in Köln/Bonn, die ja alle Flugbetriebe der Eurowings Group kommerziell aus einer Hand steuert.

Eurowings hatte im Januar/ Februar am Airport die meisten Landungen nach 22 Uhr. Überfordert also das schnelle Wachstum ihre Airline?

Dirks Wir stemmen das mit Abstand größte Integrationsprojekt in der Geschichte des deutschen Luftverkehrs. Dieses Mammutprojekt haben wir in wenigen Monaten erfolgreich abgeschlossen. Nun arbeiten wir mit Hochdruck daran, bei den 77 Flugzeugen, die wir übernommen haben, die Kabine und die Flugzeuglackierung so schnell wie möglich auf den Eurowings-Standard umzustellen. Zusätzlich bekommen 2000 neue Crewmitglieder Eurowings-Uniformen. Trotz dieser Herausforderungen bleiben wir bei der Pünktlichkeit deutlich vor Wettbewerbern wie Ryanair oder Easyjet.

Droht Chaos in den Sommerferien?

Dirks Der Flugverkehr während der ersten großen Reisewelle über die Osterferien verlief in Düsseldorf fast reibungslos und mit einer Pünktlichkeitsquote von rund 90 Prozent. Diese Nagelprobe hat also funktioniert. Alles, was wir als Airline dafür tun können, um auch im Sommer pünktliche Flüge abzuwickeln, werden wir in die Waagschale werfen. Diesen Einsatz erwarten wir und unsere Kunden selbstverständlich auch von den Flughäfen, der Flugsicherung und allen anderen Dienstleistern, die dafür sorgen sollen, dass alles bestmöglich läuft.

Rechnen Sie weiterhin damit, dass rund 20 Prozent der Passagiere nach Übersee Umsteiger sein werden?

Dirks Aufgrund des großen Einzugsgebietes des Düsseldorfer Flughafens gehen wir davon aus, dass sehr viele Gäste direkt ab Düsseldorf fliegen werden. Selbstverständlich wird es auch Umsteigepassagiere auf unseren USA-Flügen geben. Deshalb haben wir Flüge von anderen deutschen und europäischen Flughäfen zeitlich so gelegt, dass sie durchaus als Zubringer für die Langstrecke in Frage kommen.

Im Mai kann man One-Way-New York für 240 Euro buchen. Reicht das, damit sich das Angebot lohnt?

Dirks Der Preis von 240 Euro ist für eine begrenzte Anzahl von Sitzen ein sinnvoller Teil unseres Angebots. Das Kontingent an sehr günstigen Preisen, in der Regel für Frühbucher, ist jedoch begrenzt. Die Zusammensetzung an Buchungen in den verschiedenen Beförderungsklassen beeinflusst die Wirtschaftlichkeit maßgeblich. Die Profitabilität eines Fluges hängt darüber hinaus von zahlreichen anderen Rahmenbedingungen ab - beispielsweise vom Flugzeug und seiner Kapazität von der Auslastung und den Preisen für Kerosin und Flughäfenentgelte.

Ist Ihr Erfolgsmodell, dass Sie weniger Gehalt zahlen als Air-Berlin und ihr LTU-Teil oder Lufthansa?

Dirks Unser Erfolgsmodell ist, günstige Preise mit einem sehr ansprechenden Service und einem zuverlässigen, sicheren Betrieb zu verbinden. Dafür zahlen wir sehr gute Gehälter und bieten Top-Arbeitsbedingungen. Deshalb ist der Run auf unsere Stellen so groß: Innerhalb weniger Monate konnten wir 3000 neue Mitarbeiter einstellen, in der Spitze bis 200 pro Woche. Es macht offenbar großen Spaß, für eine schnell wachsende Eurowings zu fliegen.

Wie viele Air-Berlin-Leute kamen?

Dirks Wir haben bei Eurowings mehr als 2000 früheren Air Berlinern eine neue Perspektive gegeben. Darunter sind zahlreiche ehemalige LTUler und Niki-Crews, die sich bei uns sehr wohl fühlen.

Ryanair baut das Angebot in Düsseldorf deutlich aus. Eine Gefahr?

Dirks Wettbewerb ist jederzeit willkommen, solange er fair ist und zum Beispiel irische Airlines nach den gleichen Spielregeln spielen wie deutsche. Wir sind da selbstbewusst, weil wir wissen: Eurowings hat das bessere Angebot und für Mitarbeiter das bessere Klima.

Lufthansa-Chef Spohr war skeptisch in Bezug auf die Kapazitätserweiterung in Düsseldorf um bis zu ein Drittel in Spitzenzeiten. Wie sehen Sie das als wichtigster Carrier vor Ort?

Dirks Für uns ist die operative Stabilität entscheidend. Da haben wir in 2017 gemeinsam mit dem Airport schon viel erreicht. Das war aber nur ein Teil des Weges. Wir wachsen weiter sehr schnell. Das muss alles gut bewältigt werden. Also ist es zu früh zu sagen, ob eine Kapazitätserweiterung sinnvoll und notwendig ist.

Wird Eurowings in Düsseldorf als wichtigstem Airport auch Passagiere hin zu anderen Airlines wie Cathay zuführen?

Dirks Vereinzelt machen wir das ja bereits. Grundsätzlich gilt: Wenn es für den Kunden gut ist und wirtschaftlich Sinn macht, arbeiten wir mit anderen Airlines in Bezug auf Zubringerflüge zusammen.

Wird Eurowings als Plattform auch noch Alitalia und andere angeschlagene Airlines aufnehmen?

Dirks Unabhängig davon, was wir als Nächstes planen: Unsere Plattform-Strategie ist in der laufenden Airline-Konsolidierung ein großer Vorteil. Dank dieses innovativen Geschäftsmodells kann Eurowings pan-europäisch Flugbetriebe aufnehmen und dann schnell und reibungslos integrieren. Das jüngste Beispiel ist die Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW): Wir haben diesen Flugbetrieb in Rekordzeit in unsere Operations integriert und an alle relevanten Schnittstellen der Eurowings Group angedockt. Parallel sind bereits alle Flugzeuge der LGW in Eurowings Farben umlackiert. Wir können bei Bedarf aber auch Flugzeuge kaufen, mit Crews bereedern und auf unseren Strecken einsetzen. Diese Flexibilität hat niemand sonst in Europa. Sie wird unsere Trumpfkarte im Wettbewerb mit anderen Low Cost Airlines im Markt sein.

Reinhard Kowalewsky führte das Gespräch.