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| 01:23 Uhr

Euro rollt im Kosovo und in Montenegro

Im Adriastaat Montenegro wird ebenso wie in der abtrünnigen südserbischen Provinz Kosovo über ein Datum für den Beitritt zur Europäischen Union (EU) nur spekuliert. Doch ist der Euro in den beiden Nachbarregionen seit Langem offizielle Währung, obwohl praktisch kein einziges der Maastrichtkriterien wie niedrige Inflation und Staatsverschuldung erfüllt wird. Von Thomas Brey

Die EU-Finanzminister haben in dieser Woche Montenegro an den Pranger gestellt: Das Balkanland verstoße mit der einseitigen "Euroisierung" gegen den EU-Vertrag. Die Behörden des Landes reagierten auf diese überraschende Kritik ebenso überraschend gelassen. "Die Aufgabe des Euro als offizielles Zahlungsmittel kommt nicht in Frage", ließ Montenegros Zentralbankchef Ljubisa Krgovic keinen Zweifel. Das sei "absolut unmöglich". Schließlich habe der 2002 einseitig eingeführte Euro "zur Stabilität und zur Wiederherstellung des Vertrauens in das Bankensystem beigetragen". Auch Vizeregierungschefin Gordana Djurovic sah in der Rüge der EU-Finanzminister "kein Problem".

1999 die D-Mark eingeführt
Montenegro hatte 1999 mit nie öffentlich eingeräumter Hilfe Deutschlands die D-Mark eingeführt. Das war eine klare politische Entscheidung, weil damit der kleine Staat gegen den übermächtigen "Bruder" Serbien und seinen Autokraten Slobodan Milosevic gestärkt werden sollte. Als der Euro das Licht der Welt erblickte, wurde die D-Mark zu seinen Gunsten aufgegeben. Intern soll Frankreich damals wie heute gegen diese Ausweitung der Euro-Zone in Entwicklungsländern Front gemacht haben. Mit der jüngsten Kritik der EU-Finanzminister habe man Paris entgegenkommen wollen, wird gemutmaßt.
Montenegro kauft wie auch das von den Vereinten Nationen verwaltete Kosovo bei westeuropäischen Geschäftsbanken den Euro gegen andere Fremdwährungen, erläutern Bankenkreise in Frankfurt am Main. Dass "80 Prozent des Hartgeldes deutsche Symbole tragen", lässt auf den genaueren Einkaufsort schließen. "Wir können nichts dagegen tun", sagen Euro-Banker. Zwar bekämen die Länder durch die einseitige Einführung des Euro ein stabiles Zahlungsmittel, verzichteten aber auf jeden Einfluss in der Geldpolitik.

EU-Schelte ohne Rechtswirkung
Die jüngste Kritik der EU-Finanzminister habe "keinerlei Rechtswirkung" wird der Wirtschaftsanalytiker Predrag Drecun in der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica zitiert. Denn "ohne die stillschweigende Zustimmung der EU wäre die Euro-Währung nicht eingeführt worden", begründet er seinen Standpunkt. Die Schelte "ist mehr eine Ermahnung für die neuen EU-Mitglieder, nicht etwas Ähnliches wie Montenegro zu machen", vermutet der Experte und empfiehlt, sie schlicht zu übergehen. Eine grundsätzliche Änderung der montenegrinischen Wirtschaftspolitik steht jedenfalls nicht zur Debatte. Trotz der Vorhaltungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), die öffentlichen Haushalte gäben zu viel aus und heizten damit die Inflation an, will die Regierung an ihren ehrgeizigen Investitionen festhalten. "Ohne Rücksicht auf die Risik en" werde "in Autobahnen, Wasserkraftwerke, die Wasserversorgung und Abfallbeseitigung" investiert, sagte der stellvertretende Regierungschef Vujica Lazovic.