Inflationsängste und die anhaltende Verunsicherung auf den Finanzmärkten drücken weiter auf die Kauflaune der Konsumenten. "Die Reduzierungen sind diesmal sehr zeitig und für die Branche eigentlich viel zu früh", berichtet Siegfried Jacobs vom Textileinzelhandelsverband. Dort, wo der Lagerdruck besonders hoch ist, gebe es schon Rabattaktionen. Diese beschränkten sich aber vielfach auf Übergangsware wie Frühjahrsjacken und dickere Baumwollpullis.

Das Wetter spielt mit
"Das viel zu kühle und nasse Frühjahr hat die Umsätze verhagelt, das müssen wir jetzt wieder reinholen", sagt Jacobs. Im März sei ein Umsatzminus von sieben Prozent, im April sogar von zwölf Prozent eingefahren worden. Der Mai hingegen lief mit einem Plus von zwölf Prozent sehr gut. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres belaufe sich das Umsatzminus allerdings auf drei Prozent. Wichtig sei nun das Wetter: Warm und trocken, aber nicht zu heiß, so wünschen es sich die Einzelhändler. Die Fußball-EM werde kaum zusätzlichen Umsatz bringen, außer für die Sportartikelgeschäfte. "Da hocken die meisten lieber vorm Fernseher zu Hause oder in den Kneipen und Biergärten", sagt Jacobs. Schon die Weltmeisterschaft vor zwei Jahren sei für die Branche eher unbefriedigend verlaufen.
Die schwedische Modekette H & M hat in ihren 318 Filialen schon in den vergangenen Wochen immer wieder vereinzelt reduziert. Richtig los gehe es aber erst in der zweiten Juniwoche, heißt es in der Deutschlandzentrale in Hamburg. "Wir wollen Platz schaffen für die neuen Herbsttrends", sagt Sprecher Hendrik Alpen. Die Aktionen hätten aber nichts mit der flauen Konsumstimmung zu tun. Gerade der Mai sei gut gelaufen.
Der zum Metrokonzern gehörende Kaufhof hat insbesondere bei Sommertextilien und Wäsche für Herren die Preise gesenkt. Karstadt setzt in seinen 99 Warenhäusern vereinzelt bei Damen- und Herrenmode sowie Heimtextilien und Reisekoffern den Rotstift an. "Wir wollen damit den Verkauf von Sommermode ankurbeln", sagt Sprecher Michael Scheibe. Preisnachlässe gebe es aber nur auf bestimmte Artikel. Auch Textilhändler Peek & Cloppenburg hat schon einen ersten "Sale"-Prospekt verteilt. Es gebe einige Reduzierungen, sagt eine Sprecherin. Die Mode- und Einrichtungskette Strauss-Innovation bietet starke Reduzierungen auf Bettwäsche, Sommerbetten und Kissen. C & A will Schlussverkaufsaktionen Ende Juni starten. Derzeit gebe es in den über 400 Filialen noch keine nennenswerten Rabatte.
Nach Einschätzung der Einzelhandelsverbände HDE und BAG handelt es sich bei den Preisreduzierungen noch nicht um einen vorgezogenen Sommerschlussverkauf. "Das ist keine Welle", betont BAG-Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels. Die schon vereinzelten Aktionen seien aber sicher auf die schlechten Rahmenbedingungen zurückzuführen. Der Mai sei nach ersten Prognosen zwar etwas besser gelaufen. "Da ist aber kein riesiger Sprung zu erwarten." Fraglich sei, ob das Mai-Ergebnis den schlechten März und April herausreißen wird.
Vor allem die hohen Spritpreise bremsten im Frühjahr die Kauflaune der Verbraucher. Im April sanken die Einzelhandelsumsätze nach den jüngsten Zahlen des statistischen Bundesamtes unter Berücksichtigung der Inflation um ein Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. In den ersten vier Monaten des Jahres setzte die Branche real 0,9 Prozent weniger um.

Inflation drückt Stimmung
Nach Einschätzung von Konsumforschern werden die ständig neuen Höchststände an den Zapfsäulen der Tankstellen und weiter drohende Preiserhöhungen auch in den kommenden Monaten die Verbraucherstimmung dämpfen und die positiven Tarifergebnisse überlagern. "Wir brauchen jetzt dringend politische Signale, die den Konsum wieder ankurbeln", betont HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr.