"Kann man die so essen oder sind die giftig?", fragt eine Besucherin am Rande der Aronia-Ernteeröffnung auf dem Biohof Schöneiche in Steinreich. Pflücken und Probieren waren am gestrigen Mittwoch durchaus erwünscht. Heinz-Peter Frehn, der am Ortsrand neben Gurken, Sanddorn, Johannis- und Stachelbeeren auf einer Fläche von 120 Fußballfeldern Aronia anbaut, stellt den Beweis an: Der Obstbauer pflückt eine Handvoll der violetten, kleinen Beeren und nascht.

Etwa einhundert Besucher, darunter Vertreter aus Politik und Wirtschaft, waren seiner Einladung zum Ernteauftakt gefolgt. "Mit einer solchen Resonanz habe ich nicht gerechnet", bekennt Heinz-Peter Frehn. Umringt von einer Schar interessierter Hobbygärtner gibt der Landwirt Auskunft zum Aronia-Anbau. Die sogenannte Apfelbeere läge vor allem bei gesundheitsbewussten Menschen im Trend, informiert Aronia-Experte Michael Grönitz. Der Obstbauer aus Coswig bewirtschaftet in Sachsen ebenfalls eine Aronia-Plantage und unterstützte den Biohof Schöneiche, als dort 2012 die ersten Sträucher gesetzt wurden. Im dritten Jahr tragen sie nun reichlich Beeren.

Außergewöhnliche Ernte

Zwar gilt die angebaute Sorte Aronia Nero Superberry als robust - doch gerade in diesem Sommer sei die Ernte auf vielen Plantagen mäßig ausgefallen, berichtet Jörg Holzmüller, Geschäftsführer des deutschen Marktführers Aronia Original Naturprodukte GmbH aus Dresden. Wegen der anhaltenden Trockenheit seien viele Beeren nicht ausgereift oder vertrocknet. Als Kooperationspartner und Exklusiv-Abnehmer der Steinreicher Ernte zeigt sich Holzmüller jedoch zufrieden: "Es ist eine mustergültige Anlage. Die Beeren sind außergewöhnlich und in ihrer Qualität einmalig in Deutschland."

Dazu Beigetragen hätten neben optimierten Pflanz- und Reihenabständen, Zwischenpflanzungen mit Klee und ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem.

"Aufgrund der Temperaturen haben die Beeren viel Zucker aufgebaut", erläutert Holzmüller. Mit durchschnittlich 70 Öchsle eher sauer, seien die Beeren in diesem Jahr mit 100 Öchsle angenehm süß. Im Vergleich zu 2014 werde sich der Ertrag voraussichtlich auf 50 bis 60 Tonnen verfünffachen.

Noch muss man sich zum Pflücken der kniehohen Sträucher bücken. Ausgewachsen kann Aronia eine Höhe von bis zu 2,50 Meter erreichen. "Im Endstadium rechnen wir mit einem Ertrag von bis zu 400 Tonnen pro Ernte", blickt Jörg Holzmüller positiv in die Zukunft.

Steigende Nachfrage

Nicht nur in Deutschland, gerade auch in Asien erfährt Aronia einen Boom, so Holzmüller. Gepresst und verarbeitet in Sachsen werden die Steinreicher Beeren unter anderem als Direktsaft und Brotaufstrich mittlerweile in 28 Länder exportiert.

Obstbauer Heinz-Peter Frehn schwört seit Jahren auf Aronia-Saft. Dem der sinkenden Nachfrage nach Spreewälder Gurken geschuldeten Anbau von Beeren habe er bisher nicht bereut. Dank zwei modifizierter Erntemaschinen wird die Plantage in zehn Tagen abgeerntet sein. Doch nicht vollständig. Ein Wermutstropfen bleibt: Bis zu fünfzig Prozent der Ernte bei den zweijährigen und rund zwanzig Prozent bei den dreijährigen Sträuchern kann maschinell nicht abgeerntet werden. "Zum Pflücken von Hand bräuchten wir hundert Mann, das ist angesichts der Mindestlohn-Problematik unwirtschaftlich", bedauert Frehn.

In der Sendung "Zuhause in Berlin & Brandenburg" zeigt der Rbb am Montag, 31. August, um 18.30 Uhr einen Beitrag über die Aronia-Plantage des Biohofs Schöneiche.

Zum Thema Aronia:

Die Apfelbeeren (Aronia) sind eine Pflanzengattung der Rosengewächse und stammen ursprünglich aus dem östlichen Nordamerika. Aronia gilt aufgrund des hohen Gehalts an Flavonoid und Folsäure sowie den Vitaminen C und K zu den Heilpflanzen. Die vielseitig einsetzbaren Aroniabeeren lassen sich in Desserts, Gebäck, Eiscremes und Marmelade aber auch in Salaten und Likör verarbeiten.

Rezepte gibt es unter:
http://www.aronia-rezepte.com/