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Milliardendeal geplant
Eon will Innogy von RWE übernehmen

Unternehmenszentrale von Innogy in Essen (Archiv).
Unternehmenszentrale von Innogy in Essen (Archiv). FOTO: dpa, bt tba
In der deutschen Energiewirtschaft bahnt sich eine spektakuläre Milliardenübernahme an: Eon will die RWE-Ökostromtochter Innogy übernehmen und dafür andere Geschäfte an den Konzern aus Essen abgeben. Allerdings sind noch einige Hürden zu überwinden.

Beide Unternehmen haben nach eigenen Angaben eine grundsätzliche Einigung erzielt, wie sie in der vergangenen Nach mitteilten. Demnach gibt RWE seinen Innogy-Anteil komplett an Eon ab und erhält im Tausch "Geschäftsaktivitäten und Beteiligungen" des Essener Konzerns. RWE hält 76,8 Prozent an Innogy. Die Konzerntochter hat derzeit einen Marktwert von rund 19 Milliarden Euro.

"Bindende Verträge" seien aber noch nicht abgeschlossen worden, teilten beide Unternehmen weiter mit. Die zuständigen Gremien der Konzerne müssten dem Deal noch zustimmen, genauso wie die Kartellbehörden. Der Verkauf dürfte vor erheblichen Hürden bei den Regulierungsbehörden stehen, da sich die Geschäfte der Unternehmen überschneiden. Aufseiten der Arbeitnehmer dürften Fragen nach der Beschäftigungssicherung im Mittelpunkt stehen.

Die kommunalen RWE-Gesellschafter hatten darauf skeptisch reagiert. Auch jetzt schreibt die Nachrichtenagentur Reuters, dass die Städte dem geplanten Deal mit Eon skeptisch gegenüber stünden und die Mehrheit an Innogy behalten wollten.

Übernahmeangebot an Innogy-Minderheitsaktionäre geplant

Die Geschäftsmodelle von Eon und Innogy gleichen sich. Beide betreiben Strom- und Gasnetze, Ökostrom sowie das Vertriebsgeschäft von Strom und Gas. Der Innogy-Deal solle "im Rahmen eines weitreichenden Tauschs von Geschäftsaktivitäten und Beteiligungen erfolgen", schreiben beide Unternehmen in der Mitteilung. Demnach ist folgendes geplant:

Eon bekommt die 76,8 Prozent, die RWE an Innogy hält.

Im Gegenzug erhält RWE eine Beteiligung an Eon von 16,67 Prozent. Die Aktien sollen von Eon im Rahmen einer 20-prozentigen Sachkapitalerhöhung ausgegeben werden.

Zudem solle RWE den weitgehenden Teil von Eons Erneuerbare-Energien-Geschäfts erhalten sowie das gesamte Erneuerbare-Energien-Geschäft von Innogy und das Innogy-Gasspeichergeschäft und den Anteil am österreichischen Versorger Kelag.

Auch solle RWE die von der Eon-Tochter PreussenElektra gehaltenen Minderheitsbeteiligungen an den von RWE betriebenen Kernkraftwerken Emsland und Gundremmingen erhalten.

Der Deal sieht außerdem eine Barzahlung von RWE an Eon in Höhe von 1,5 Milliarden Euro vor.

Eon wolle den Innogy-Minderheitsaktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot in bar von 40 Euro je Aktie vorlegen. Ziel sei eine volle Integration von Innogy in den Eon-Konzern.

Eon und RWE legen in der kommenden Woche ihre Bilanzen vor. Beide Konzerne haben durch die Rückzahlung der zu Unrecht erhobenen Brennelementesteuer Milliarden in der Kasse. Während Eon nach neuen Anlagemöglichkeiten sucht, hat RWE-Chef Rolf Martin Schmitz angekündigt, das als Finanzbeteiligung betrachtete Innogy-Paket reduzieren zu wollen. In den vergangenen Monaten waren auch immer wieder ausländische Energiekonzerne wie der französischen Versorger Engie, der italienische Konkurrent Enel oder Iberdrola aus Spanien als Interessenten für Innogy gehandelt worden.

(wer)