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EnviaM baut am "Internet der Energie"

Setzen auf E-Mobilität: die EnviaM -Vorstände Andreas Auerbach, Tim Hartmann und Ralf Hiltenkamp (v.l.).
Setzen auf E-Mobilität: die EnviaM -Vorstände Andreas Auerbach, Tim Hartmann und Ralf Hiltenkamp (v.l.). FOTO: dpa
Cottbus. Der Energieversorger verweist in der Jahresbilanz auf Herausforderungen der Digitalisierun der Energiewende und beim Ausbau der E-Mobilität. Christian Taubert

Die enviaM-Gruppe treibt die Energiewende in Ostdeutschland voran. Sie stellt dabei der Ausbau der digitalen und dezentralen Energieversorgung und der Elek tromobilität in den Mittelpunkt. Und das Unternehmen mit mehr als einer Million Kunden zwischen Chemnitz, Leipzig und Cottbus baut am "Internet der Energie."

Was darunter zu verstehen ist, erläutert der enviaM-Vorstandsvorsitzende Tim Hartmann am Dienstag anhand eines Vergleiches: Heute sei es möglich, über eine App auf dem Smartphone Reifendruck oder Ölstand am Auto zu kontrollieren. "Wir sind dabei, dass diese komfortable Art der Messung und Steuerung bald auch für Strom, Wärme und Verkehr möglich wird", sagt Hartmann bei der Präsentation der Jahresbilanz 2016 des Unternehmensverbundes in Leipzig und Cottbus.

Hartmann verdeutlicht, dass intelligente Messsysteme ein wichtiger Baustein für die Digitalisierung der Energieversorgung sind. Anders als ihre Vorgänger würden diese kommunizieren und Verbrauchsdaten vom Stromkunden an den zuständigen Netzbetreiber und Stromversorger übertragen können. "Intelligente Messsysteme helfen uns, Angebot und Nachfrage von Energie besser zu steuern", betont der Vorstandschef. Die Stromkunden könnten ihren Energieverbrauch einfacher kontrollieren. "Sie profitieren zudem von neuen Produkten und Dienstleistungen, die wir momentan entwickeln", so Hartmann. Die en viaM-Gruppe will voraussichtlich im Jahr 2018 mit dem Einbau der intelligenten Messsysteme beginnen.

Die Herausforderungen der Digitalisierung der Energiewende - Hartmann nennt sie "eine Revolution, die alles auf den Prüfstand stellt" - würden sich allein daraus ergeben, dass es neben Millionen Energieverbrauchern auch Millionen Erzeuger gebe. Deshalb setze enviaM auf leistungsstarke Partner.

Wertvolle Impulse verspricht sich der Unternehmensverbund vom 2016 geschlossenen Kooperationsvertrag mit der Kiwigrid GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Dresden gehört zu den Pionieren der Digitalisierung der Energiewirtschaft. Es führt zurzeit Europas größte Energieplattform. Dazu gehört auch, dass intelligente Ladestationen für Elektroautos angeboten werden. Das heißt: Der Strompreis richtet sich nach dem Angebot an erneuerbaren Energien zu Tages- und Nachtzeiten sowie der Schnelligkeit der Aufladung.

Auch deshalb sind die Dresdner ein interessanter Partner für die enviaM-Gruppe. Denn der Energiedienstleister will das Fahren mit Strom aus erneuerbaren Energien in Ostdeutschland populärer machen. Zunächst sollen bis Ende dieses Jahres 20 Prozent der enviaM-Poolfahrzeuge auf Elektrofahrzeuge umgerüstet und bis zu 30 neue Ladesäulen eingerichtet werden. Zudem sind bereits weitere 120 Ladesäulen im Rahmen des Förderprogramms der Bundesregierung zum Ausbau der Ladeinfrastruktur beantragt worden. Arbeitsdirektor Ralf Hiltenkamp wagt vor dem Hintergrund des 300-Millionen-Euro-Programms des Bundes zum Ausbau der Ladeinfrastruktur eine Prognose: "Ab 2030 wird jedes neu zugelassene Auto in Deutschland ein Elektroauto sein."

Die erneuerbaren Energien decken im Netzgebiet von enviaM inzwischen rein rechnerisch mehr als 85 Prozent des Stromverbrauchs ab. Mehr als 40 000 Anlagen sind inzwischen an das Stromnetz angeschlossen. Im Jahr 2016 wurde ein neuer Windpark in Kolkwitz (Spree-Neiße) in Betrieb genommen. Und der erste Solarpark der enviaM-Gruppe hat Anfang 2017 in Guben (Spree-Neiße) seine Produktion aufgenommen. "Für die Bürger haben wir 2017 die neue Internet-Plattform energie-partner.de eingerichtet, die eine Beteiligung deutlich vereinfacht", erklärt Andreas Auerbach, Vorstand Vertrieb.

Zum Thema:
Die Stromabgabe der Gruppe stieg 2016 auf 21 111 Gigawattstunden (2015: 19 596 GWh). Bei Gas gab es eine Steigerung auf 17 550 GWh (2015: 17 468 GWh). Die Umsatzerlöse bewegten sich mit 4,99 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (Gewinn) sank infolge dessen auf 227,9 Millionen Euro (2015: 299,3 Millionen). Die Mitarbeiterzahl stieg auf 3513 (2015: 3471) an. Mit der Ausbildungsquote von 9,1 Prozent liegt man deutlich über dem Branchendurchschnitt.