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| 06:32 Uhr

Wirtschaft
Envia-Tel setzt auf Glasfaserkabel

Glasfaserkabel laufen an einem Verteilerpunkt zusammen. Envia-Tel investiert in den Ausbau und Datacenter.
Glasfaserkabel laufen an einem Verteilerpunkt zusammen. Envia-Tel investiert in den Ausbau und Datacenter. FOTO: dpa / Daniel Reinhardt
Kolkwitz/Markkleeberg. Lausitzer Gewerbetreibende sollen schneller ans Hochgeschwindigkeits-Datennetz angeschlossen werden. Dafür will das Unternehmen Envia-Tel investieren. Wo genau, das bleibt noch geheim. Von Bodo Baumert

Es ist ein enormer Markt, der derzeit rund um den Ausbau der Datennetze betrieben wird. Deutschland will endlich aufholen, was schnelles Internet betrifft. Ein Unternehmen, das sich dieser Aufgabe verschrieben hat, ist Envia-Tel. Rund 100 Millionen Euro will der ostdeutsche Telekommunikationsdienstleister, mit finanzieller Unterstützung des Mutterkonzerns EnviaM, in den kommenden vier Jahren investieren. Geschäftsführer Stephan Drescher spricht von einer  „zweiten Glasfaser-Ausbauwelle in Mitteldeutschland“.

Das Unternehmen plant bis 2023 rund 350 Projekte zum Ausbau des Glasfasernetzes. Ein Schwerpunkt soll die Lausitz sein, wie am Mittwoch in einer Videopressekonferenz zu erfahren war. 35 große Baumaßnahmen befinden sich den Angaben zufolge schon in der Genehmigungsphase.

Zunehmend solle es darum gehen, nicht nur Gewerbegebiete, sondern auch sogenannte Cluster zu erschließen. Drescher nennt als Beispiel Ärztezentren in Kleinstädten, in deren Umfeld weitere Gewerbetreibende erschlossen werden können.

Envia-Tel geht dabei zunehmend in Risiko. Früher habe man zunächst Kunden akquiriert. Wenn genügend in einem Gewerbegebiet zusammengekommen waren, habe man mit dem Bau der Glasfaserleitung und der Anschlüsse begonnen. Mittlerweile geht das Unternehmen in Vorleistung, baut und ist so in der Lage, weitaus schneller Gewerbekunden ans schnelle Datennetz zu bekommen.

Vor 2014 habe man etwa sechs Projekte im Jahr angeschoben, mittlerweile seien es 60, ab dem kommenden Jahr noch mehr, erläutert Drescher. „Die Glasfaser ist der Schlüssel für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Keine andere Technologie bietet heute symmetrische Bandbreiten im Gigabitbereich. Deshalb treiben wir den Glasfaserausbau weiter voran und bieten mit Glasfaser-Direktanschlüssen Übertragungsgeschwindigkeiten bis zehn Gigabit pro Sekunde“, erläutert der Geschäftsführer weiter.

Das Geschäft hat allerdings einen Haken. Der gesamte Ausbau hängt am Tiefbau, der bis zu 80 Prozent der Kosten verschlingt.  80 bis 90 Euro zahlt Envia-Tel im Schnitt für einen Meter Glasfaser-Strecke. Mittlerweile gehe es auf die 100 Euro zu. Grund ist die enorme Nachfrage am Markt, der laut  Drescher bisher bereits rund zwei Milliarden Euro ausmachte. Nun kämen durch den angeschobenen Ausbau in Deutschland weitere drei Milliarden Euro hinzu, ohne dass es mehr spezialisierte Unternehmen gebe, die entsprechend bauen können.

Umkämpft ist auch das Geschäft von Envia-Tel selbst. Zwar seien etwa 90 Prozent Deutschlands nach wie vor nicht mit Glasfaser erschlossen. Dennoch erlebe man, dass Konkurrenten genau dort eigene Netze bauen, wo Envia-Tel bereits Leitungen im Boden habe.

Deshalb hält sich das Unternehmen derzeit auch sehr bedeckt mit konkreten Informationen, wo man als Nächstes ausbauen werde. Welche Lausitzer Gewerbegebiete 2019 ans schnelle Glasfasernetz kommen? Darüber werde man informieren, sobald alle Genehmigungen vorliegen und der Bau begonnen habe, so Drescher.

Ein weiteres Standbein hat Envia-Tel mit dem Anschluss von Mobilfunkmasten an das Glasfasernetz. Auch dort sei der Bedarf groß, sagt Geschäftsführer Drescher. Vor allem mit der Aufrüstung auf den Standard 5G werde es nötig, erheblich mehr Masten ans schnelle Glasfasernetz zu bringen. Envia-Tel ist in diesem Bereich mit anderen Mittelständlern im Netzwerk organisiert, um Aufträge großer Kunden bearbeiten zu können.

Auch das Datacenter in Leipzig soll erheblich ausgebaut werden. Spätestens Anfang 2020 soll es mit verdoppelter Fläche arbeiten. Man konzentriere das Geschäft auf wenige, stark wachsende Bereiche, sagt Drescher. Entsprechend geht er davon aus, den Umsatz im laufenden Jahr auf über 50 Millionen Euro steigern zu können.

Die Zahl der Mitarbeiter an den Standorten Markkleeberg, Chemnitz, Cottbus, Halle und Taucha liegt derzeit bei 170. Weitere 15 sollen mit der jetzt startenden zweiten Ausbauwelle fürs Glasfasernetz hinzukommen. Der  stetige Zugang junger Kollegen habe die Arbeitsatmosphäre im Unternehmen positiv beeinflusst, sagt Drescher. Der Fachkräftemangel setze allerdings Grenzen, die auch Envia-Tel zu spüren bekommt.

Ein weiterer begrenzender Faktor seien die politischen Rahmenbedingungen. Drescher weist auf umfängliche Genehmigungsverfahren hin, die Tiefbau-Arbeiten zu einer langwierigen Angelegenheit machen. Zentrale Ansprechpartner in den Kommunen wären nötig. Zudem sollte bei Ausschreibungen Rücksicht auf den Mittelstand genommen werden. „Einen ganzen Landkreis – solche Lose können wir nicht stemmen“, gibt Drescher zu bedenken.