Viele Motive sind bekannt: Ein verschwitzter Wanderer sehnt sich nach einem Bier, ein kleiner weiß-blauer Hinweis auf Denkmälern, so manches ovale Schild an deutschen Vertretungen im Ausland. Schilder wie diese, auch Hausnummern und Wegweiser, stammen aus der Emailliermanufaktur zu Angermünde GmbH (Uckermark). Das Emaillieren hat in Angermünde Tradition. Vor 130 Jahren gründeten ein Apotheker und ein Kaufmann das erste Emaillierwerk.

Zu DDR-Zeiten fertigten rund 200 Mitarbeiter vor allem Schüsseln in sämtlichen Größen, Sani tärgeschirr wie Nierenschalen und Nachttöpfe, erinnert sich Designerin Silvia Hahn. "Viele Waren gingen auch in den Export." Die Produkte waren zumeist weiß, oft mit blauem Rand. Die Schüsseln zierte zeitweise ein immer noch bekanntes Klatschmohn-Kornblumen-Dekor. "Das findet sich auch heute noch in so manchem Haushalt." Beständigkeit des Materials und Farbbrillanz seien besondere Eigenschaften von Emaille, sagt Silvia Hahn, die seit ihrer Lehre in der Fabrik tätig ist.

Auch Spremberg ist Kunde

Nach der Wende suchte sich das Werk mit der Schilderproduktion eine Nische und wechselte mehrfach Namen und Besitzer, wie Geschäftsführerin Christina Erdner erzählt. "Das Fernostgeschäft hat den Markt kaputt gemacht." Die Firma schrumpfte auf acht Mitarbeiter. Sie setzten bisher erfolgreich auf ihre Stammkundschaft, die ein stabiles, aber auch teureres Emailleschild einem aus Plastik oder Blech vorzieht. Neben Kommunen wie Angermünde und Spremberg (Spree-Neiße), achten auch Saalfeld (Thüringen) und die Bayern-Metropole München auf diese Tradition.

Aus dem Münchner Baureferat heißt es auf Anfrage, mit der Qualität aus Angermünde sei man bisher "sehr zufrieden". Der Umfang des Auftrags umfasse mehrere Hundert Schilder im Jahr. Der Städte- und Gemeindebund Brandenburg verweist auf Kommunen mit historischen Stadtkernen, die Straßenzüge, Plätze und Denkmale mit solchen Schildern aufwerten. "Vor einem historischen Hintergrund muss das nicht ein 0-8-15-Schild sein", sagt dessen Geschäftsführer Karl-Heinz Böttcher. Auch wenn die Kassen der Kommunen klamm seien, sollten die paar Euro da sein, um das Bild abzurunden.

Kein Lehrberuf

Das Emaillieren ist eine alte Technik - und bei jungen Leuten oft nicht bekannt. "Sie verwechseln das mit E-Mail. Deshalb sind wir zur alten Schreibweise zurückgekehrt, von Email zu Emaille", sagt Christina Erdner und erläutert das Verfahren. Geschmolzenes farbiges Glas wird auf Metall aufgebracht. "Unsere Stahlbleche kommen von Arcelor-Mittal Eisenhüttenstadt und werden hier individuell zugeschnitten." Emaillierer ist kein Lehrberuf. Fachkenntnisse erlangen die Mitarbeiter über Lehrgänge. "Das Wichtigste ist das Wollen", ist die Chefin überzeugt.

Der Deutsche Email Verband engagiert sich für Nachwuchs in der Branche. Waren die Kurse vor etwa zehn Jahren nicht so gut besucht, so gebe es derzeit keine Nachwuchssorgen, berichtet ein Sprecher. Fortbildungen und Schulungen seien wichtig, gerade weil es sich nicht um einen anerkannten Ausbildungsberuf handele. Dem Verband gehören rund 80 Mitgliedsfirmen an, davon etwa 60 aus Deutschland. Firmen, die Schilder und Plakate machen, gebe es nicht allzu viele. "Früher war die Werbung dauerhaft, heute kurzlebiger", begründet der Sprecher die Abkehr vom langlebigeren Emaille.

Eine kleine Ausstellung im Betrieb zeigt, was die Angermünder schon alles herstellten. Schilder für die Störtebeker-Festspiele an der Ostsee, das Bosch-Betriebssportfest, den Golfclub Mülheim an der Ruhr und den Deutschen Chorverband. "Wir produzieren auch Schilder, die an den deutschen Botschaften und Konsulaten prangen", sagt Christina Erdner. Ziffernblätter für alte Kirchen und gelb-schwarze Pegellatten für Flüsse ergänzen das Sortiment. Private Aufträge, wie Familien- und Vereinswappen, erreichen die Uckermärker zumeist aus Baden-Württemberg und Bayern, wo Traditionen großgeschrieben werden.