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| 02:33 Uhr

Eiskalte Geschäfte selbst im Winter

Ralf Schulze ist der Chef des Unternehmens IceGuerilla.de GmbH & Co KG in Beeskow.
Ralf Schulze ist der Chef des Unternehmens IceGuerilla.de GmbH & Co KG in Beeskow. FOTO: dpa
Beeskow. Am Anfang war das alte Kino, dann das eigene Eis für die Beeskower Cineasten. Über den Online-Handel wird es inzwischen deutschlandweit vertrieben – und findet selbst im Winter Absatz. Jetzt will die "Ice Guerilla" mit einer eigenen Eisfabrik deutlich größere Waffelhörnchen backen. Jeanette Bederke

Ralf Schulze ist in seiner Heimatstadt Beeskow eine kleine Berühmtheit. Wobei "klein" angesichts der hünenhaften Gestalt des ehemaligen Berufssoldaten reichlich untertrieben scheint. Vor Jahren hängte der Familienvater seinen krisensicheren Beamtenjob an den Nagel, um das von der Schließung bedrohte Kino in der Kleinstadt zu retten. Damit nicht genug, begann er, mit einem Kumpel zusammen selbstgemachtes Eis für sein Lichtspieltheater "Schukurama" herzustellen. Mit "Deutschlands bestes Vanilleeis" machte die von Schulze gegründete "Ice Guerilla" kurze Zeit später bundesweit Schlagzeilen.

"Unser Vanilleeis ist noch immer die beliebteste unserer 24 Sorten - gefolgt von normaler oder weißer Schokolade sowie Käsekuchen", verrät der gelernte KfZ-Mechaniker, der das leckere Gefrorene gemeinsam mit sechs Mitarbeitern in einer kleinen Manufaktur in der Küche des Kino-Gebäudes herstellt und inzwischen über einen Online-Handel deutschlandweit vertreibt.

Die 500-Milliliter-Becher kommen in eine mit Trockeneis gekühlte Versandkiste, und ab geht die Fracht an den Besteller. Der Service ist nicht billig, für einen Becher handgemachtes Eis berechnet die Firma 7,99 Euro. Zudem müssen vier Becher bestellt werden, damit sich der Transport in der Spezialkiste lohnt, plus vier Euro Versandkosten.

Das Geschäft läuft selbst im aktuellen Frost-Winter so gut, dass die Kapazitätsgrenzen längst erreicht sind und etwas Größeres her muss - eine Eisfabrik mit zunächst 36 Mitarbeitern im Drei-Schicht-System. Mehrere Millionen Euro will Schulze mit Hilfe von Banken und Fördermitteln investieren. Spätestens im Sommer soll im Beeskower Gewerbegebiet der Grundstein gelegt werden.

"Für Beeskow wäre das der Hauptgewinn", sagt der städtische Kämmerer Steffen Schulze, "vor allem weil Arbeitsplätze in der Produktion hier rar sind." Die Stadtverwaltung Beeskow glaube an den Unternehmer Schulze, bekräftigt der Kämmerer. Deshalb habe die Stadt auch unkompliziert das rund 26 000 Quadratmeter große Gewerbegelände für die Fabrik zur Verfügung gestellt.

Der Kämmerer verweist auch darauf, dass die Gewerbesteuer in der Stadt seit 15 Jahren nicht angehoben wurde. Er weiß, dass sein Namensvetter - Unternehmer Schulze - mehrere Angebote anderer Kommunen hatte, sich bei ihnen zu besonders günstigen Konditionen anzusiedeln. Doch der bodenständige Kinoretter ließ sich nicht verlocken.

"Wenn sich keiner mehr im ländlichen Raum fernab der Großstädte engagiert, kannst du diese Regionen abschreiben. Wir brauchen regionale Unternehmer, die für den Standort kämpfen und können nicht alle unser Heil im Tourismus suchen", sagt der Vater zweier Söhne. Auf die Idee einer ganzen Eisfabrik brachten Schulze Nachfragen von Supermarktketten.

Leckereien der "Ice Guerilla" wird es aber künftig nicht beim Discounter geben, sondern bei Franchise-Unternehmen, bekräftigt der Unternehmer. Er fühlt sich von der Brandenburger Bürgschaftsbank und der Landesinvestitionsbank (ILB) gut beraten.

Die 2009 gegründete "Ice Guerilla" ist für Olav Wilms, ILB-Bereichsleiter Eigenkapital und Gründung, ein "Paradebeispiel" dafür, wie aus einer kleinen Gründungsidee ein mittelständisches Unternehmen werden kann. "Solche Beispiele sind für Brandenburg sehr wichtig. Wir sind deshalb nicht nur Geldgeber, sondern vor allem Berater und auch Sparringspartner für Existenzgründer", betont er.

4,5 Tonnen Speiseeis sollen täglich in der neuen Fabrik produziert werden. Die Herstellung werde nicht komplett automatisiert, sagt Autodidakt Schulze. "Der richtige Mix wird per Hand gemacht. Und ein gutes Eis mit zartem Schmelz braucht Zeit", betont der 43-Jährige. Die verstreiche, während die Milch mit dem Bindemittel und Zucker zu einer homogenen Masse verarbeitet werde. "Unter ständigem Rühren sind das bei uns 24 Stunden."