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| 18:16 Uhr

Verkehrspolitik
Lausitz stellt die Weichen für die Zukunft

 Um das Potenzial der Schienen in der Lausitz auszureizen, muss kräftig in die Infrastruktur investiert werden.
Um das Potenzial der Schienen in der Lausitz auszureizen, muss kräftig in die Infrastruktur investiert werden. FOTO: STR Tank-Container-Reinigung Gmb / Nico Michael
Cottbus. Bei gleich zwei hochkarätig besetzten Terminen geht es in dieser Woche um die Zukunft der Eisenbahn in der Lausitz. Es muss viel getan werden. Von Jan Siegel

Strukturwandel ist ohne leistungsstarken Schienenverkehr in der Lausitz nicht denkbar. Das machen zwei Termine in dieser Woche einmal mehr deutlich. Am Dienstag hatte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG unter der Überschrift „Die Schiene bringt’s!“ zu einer Verkehrskonferenz in Cottbus eingeladen. Am Mittwoch trifft sich Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in der Lausitzmetropole mit dem Infrastrukturvorstand der Bahn, Ronald Pofalla.

Schwerpunkte bei dem Spitzentreffen sind Bahnprojekte, die für die Lausitz längst überfällig sind und auch die Neuausrichtung und Stärkung der Bahn-Instandhaltung in Cottbus. Das Instandhaltungswerk hatte seit Jahren immer wieder auf wackeligen Beinen gestanden. Da waren wichtige Aufträge weggebrochen und die Zukunftsperspektiven zu oft nur vage beschrieben.

In dieser Woche werden viele Ideen, Konzepte und Absichtserklärungen in Cottbus zu hören sein. Man muss kein Hellseher sein, um vorher zu sagen, dass die Bedeutung der guten, alten Eisenbahn mit Blick auf einen klimafreundlicheren, CO2-ärmeren Verkehr enorm wachsen wird. In dieser Woche werden wichtige Weichen gestellt, ob die Lausitz von diesem Trend profitieren kann.

Personenverkehr

Die Lausitz gehört nach wie vor zu den Gebieten in Deutschland, in denen nahezu kein Fernverkehr der Deutschen Bahn und ihrer Konkurrenten stattfindet. Abgesehen von einer täglichen IC-Verbindung sind es ausschließlich relativ langsame Regionalzüge, die bisher die Anbindung der Region sicherstellen. Dabei erschweren allein zwei Engpässe die Anbindung an die boomende Hauptstadtregion signifikant. Das sind aus Richtung Cottbus ein eingleisiger Abschnitt nach Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) und ein fehlendes Ausweichgleis im Bahnhof Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald).

Die Verbindungen in die prosperierenden Wirtschaftsräume Dresden und Leipzig sind als leistungsfähige Schnellverbindungen bisher aufgrund ihres aktuellen Zustandes nicht nutzbar. Fahrzeiten von zwei Stunden und mehr sind die Regel. Gleichzeitig sind die Verbindungen nach Görlitz und Forst mit der Anbindung ins Nachbarland Polen bis heute nicht elektrifiziert.

Wer die günstigen Wohn- und Lebensbedingungen sowie reichlich vorhandenen Industrie- und Entwicklungsflächen in der Lausitz auch für die Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen ausbauen und erschließen will, braucht für die Zukunft vor allem schnelle und attraktive Schienenverbindungen. Dabei gelten Fahrzeiten von maximal einer Stunde in die Metropolregionen als erstrebenswert.

Güterverkehr

Die Bedeutung der Bahn wird mit Blick auf den Güterverkehr der Zukunft massiv wachsen. Batteriebetriebene Schwerlaster sind unrealistisch. Die Eisenbahn ist bisher das einzige leistungsstarke Transportmittel, dass große Güter- und Warenströme CO2-arm auch über weite Strecken zuverlässig und schnell transportieren kann. In diesem Zusammenhang ist der Betrieb von Elektro-Loks aber nur ein Aspekt. Gleichzeitig bietet die Schiene mit Fahrdraht hocheffiziente Möglichkeiten, sogar beim Abbremsen die Bewegungsenergie wieder als Elektroenergie ins Netz zurückzugeben.

Inzwischen geht es beim Bahnausbau für die Zukunft aber nicht mehr nur um die großen internationalen Ferntrassen. Massiv wachsen wird nach Ansicht von „Eisenbahn“-Professor Hans-Christoph Thiel von der BTU Cottbus–Senftenberg die Nachfrage nach mehr Anschluss- und Übergabemöglichkeiten zwischen Straße und Schiene.

Einzelne Großterminals allein reichten dabei nicht. „Wer es ernst meint mit einer Neuausrichtung der Logistik, braucht in Zukunft an den Strecken auch viel mehr kleine Terminals, die mit durchdachter Technik die Verbindung zwischen Straße und Schiene schaffen“, sagt Thiel. Sein Lehrstuhl hat schon vor Jahren das Modell einer sogenannten Smart-Cargo-Station entwickelt. Das sind trassenbegleitende Umladestationen für den kombinierten Verkehr (Straße-Schiene) ohne großen Flächenbedarf. Derartige Stationen könnten nach Auffassung des Cottbuser Wissenschaftlers an vorhandenen Strecken ohne aufwendige Genehmigungsverfahren relativ einfach installiert werden. So werde eine neue Art der Anbindung in der Fläche geschafft.