Ganz am Anfang spricht Horst-Ulrich Sack von einer Vision. Dererst Mitte November nach Bad Muskau gekommene neueNiederlassungsleiter des Schaltgerätewerkes möchte den„altehrwürdigen Industriestandort“ neu beleben. Denn wo zuDDR-Zeiten viele hundert Menschen produzierten, arbeiten jetztgerade einmal 46. Die Zahl der Betriebsangehörigen wird sich aufabsehbare Zeit auch nicht wesentlich verändern - da macht sichder neue Chef nichts vor. Aber er denkt daran, andere, das Profilergänzende Unternehmen auf das Gelände zu bringen. Derzeit wirddas Hauptgebäude saniert, im Sommer ziehen die NiederschlesischenBehindertenwerkstätten von Weißwasser hierher um, immerhin einAnfang.

US-Gruppe kauft Moeller-Konzern
SGM selbst steht auch vor einem neuen Anfang. Der 79-jährigePatriarch der Moeller-Gruppe, Gert Moeller, soll nachfamilieninternem Streit keinen aus seiner Sicht geeignetenNachfolger für die Konzernspitze gefunden haben. Das meldeten vorwenigen Tagen die Nachrichtenagenturen. Mit der amerikanischenCVC (Citigroup Venture Capital Equity Partners) hat er deshalbbereits eine Grundsatzvereinbarung getroffen. CVC soll den infinanzielle Turbulenzen gekommenen Bonner Elektronikkonzernübernehmen, der nach Medienberichten seit drei Jahren rote Zahlenschreibt. Die Moeller-Gruppe selbst erklärte, mit dem Verkaufwerde „ein wichtiger Schritt zur Sicherung des Unternehmens inder Zukunft getan“ .
Noch ist unklar, was die Risikokapital-Gesellschaft CVC mit deneinzelnen Sparten des Moeller-Konzerns für Pläne hat. Für dieMuskauer (SGM) ist es auf jeden Fall gut, dass sie in denvergangenen Jahren eine erfolgreiche Entwicklung genommen habenund - wie Sack betont - schwarze Zahlen schreiben. Betroffen alsTeil des Moeller-Konzerns ist auch das Werk in Uebigau beiHerzberg, das luftisolierte Schaltanlagen herstellt. SGM lieferteinen großen Teil seiner Schalter nach Uebigau, einen weiterenTeil nach Krefeld, wo Moeller gasisolierte Schaltanlagen baut.Etliche Schalter gehen aber von Bad Muskau aus auch direkt anKunden in aller Welt. Besonders gut entwickelt hat sich imvergangenen Jahr der Export nach Polen.

Leichter und wartungsärmer
Horst-Ulrich Sack rechnet fest damit, dass die Schaltergeschichtein der Neißestadt noch lange nicht zu Ende ist. Das wäre auchwichtig für die Region, denn rund 20 Firmen aus Brandenburg undSachsen beliefern den Betrieb in Bad Muskau. Gerade hat das Werkfür einen neuen Schaltanlagentyp der Moeller-Gruppe einverbessertes „Herzstück“ herausgebracht. Dieser neueVakuum-Leistungsschalter sei leichter als sein Vorgänger, vorallem aber noch wartungsärmer, betont Sack. Konkrete Zahlen willer derzeit noch nicht nennen.
Nicht nur das Produkt ist neu, auch seine Fertigung wurderationeller gestaltet. So besteht der Grundrahmen ausoberflächenvergütetem Material und muss nicht mehr lackiertwerden. Er enthält weniger zu verschraubende Teile. Der gesamteAntriebstrakt für das Betätigen der Schaltermechanik wird nunzugeliefert. SGM schafft sich mit der Rationalisierung Spielraumfür Produktionserhöhungen, vor allem aber wachsen dieMöglichkeiten, noch schneller und flexibler auf Kundenwünschereagieren zu können.
Die Hauptkonkurrenten auf dem Schaltanlagen-Markt sind großeKonzerne: Siemens, Alstom, ABB. Der Cottbuser Horst-Ulrich Sackkommt von ABB. Hier und beim DDR-VorläuferAutomatisierungsanlagenbau war er 25 Jahre tätig, zuletzt alsLeiter des Kompetenz-Centers Schaltanlagen in Cottbus. Nun hatSack seine persönliche Schaltergeschichte mit der von SGMverknüpft. Am 30. April geht bei Möller das Geschäftsjahr 2002/03zu Ende. Bis dahin, so hofft Sack, wird er wissen, wie dieseSchaltergeschichte weitergeht.

Hintergrund Das SGM-Profil
In Bad Muskau werden jährlich rund 5500 Lasttrennschalter und 1200 Leistungsschalter für den Mittelspannungsbereich (sechs Kilovolt bis 36 Kilovolt) hergestellt. Im Unterschied zu Lasttrennschaltern verfügen Leistungsschalter über eine umfassende elektrische Schutz- und Sicherheitsausstattung.
Der Schaltvorgang selbst wird über Kontakte in einer Vakuumkammer vollzogen. Das Vakuum verhindert das Entstehen eines Lichtbogens und das Verbrennen der Kontakte.
Die Schaltermechanik eines Leistungsschalters wird elektrisch oder manuell betätigt.
Geschaltet werden zum Beispiel Transformatoren, elektrische Maschinen oder Netzabzweigungen.