Ein gutes Viertel aller Brandenburger Unternehmen rechnet damit, im laufenden Jahr Stellen abbauen zu müssen. Nur elf Prozent der Betriebe gehen dagegen davon aus, 2013 neues Personal einzustellen. Das geht aus dem aktuellen Konjunkturindex hervor, den die Industrie- und Handelskammern (IHKs) in Berlin und Brandenburg am Montag in Berlin der Öffentlichkeit vorstellten. Dafür wurden 1468 Unternehmer und Geschäftsführer in Berlin und Brandenburg zu ihren Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage befragt.

"Die Berlin-Brandenburger Wirtschaft schlägt sich angesichts der europäischen Wirtschaftskrise sehr gut", so der Hauptgeschäftsführer der Berliner IHK, Jan Eder. Zwar sei der Konjunkturklimaindex der Industrie- und Handelskammern im Vergleich zum Vorjahr um fünf Punkte zurückgegangen, die Wirtschaft befinde sich damit aber immer noch auf dem durchschnittlichen Niveau der vergangenen Jahre. Verglichen mit England oder Spanien lebe man in der Region auf einer "Insel der Glücklichen".

In der Region Berlin-Brandenburg sprechen nur elf Prozent der Unternehmer von einer schlechten Geschäftslage. 46 Prozent bezeichnen sie als befriedigend, 43 Prozent als gut.

Im Bereich der Industrie- und Handelskammer Cottbus sind die Unternehmer mit ihren Einschätzungen allerdings zurückhaltender: nur 38 Prozent reden von einer guten Geschäftslage - aber auch nur neun Prozent von einer schlechten. Die große Mehrheit, 53 Prozent der Befragten, ist mit der Situation zufrieden.

Optimistischer als im Herbst 2012 sind die Stimmen aus der Wirtschaft etwa bei den Exportaussichten für das laufende Jahr. "Die Unternehmen rechnen mit steigenden Geschäften und wachsenden Exporten", sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, Wolfgang Krüger. Das gegenwärtig eher verhaltene Wachstum werde sich in den nächsten Monaten weiter beschleunigen.

Verhaltener als in den Vorjahren entwickeln sich auch die Investitionsabsichten der Unternehmen. Im Bereich der Cottbuser IHK planen 52 Prozent der Unternehmen lediglich gleichbleibende Investitionen, bei 34 Prozent werden die Investitionen sogar sinken oder es werden gar keine neuen Betriebsmittel mehr angeschafft. Nur in 14 Prozent der Firmen soll mehr Geld ins Unternehmen fließen als bisher.

Vor Journalisten warnte Krüger auch vor den Folgen der demografischen Entwicklung in Teilen Brandenburgs. Wenn etwa der Landkreis Elbe-Elster bis zum Jahr 2030 rund 23 Prozent seiner Bevölkerung verliert, werde das dramatische Folgen für die Infrastruktur haben. "Wir müssen aufpassen, dass sich der ländliche Raum nicht faktisch zurückentwickelt."

Erstmals verzeichnete die Befragung ferner einen Rückgang des Interesses an einer möglichen Länderfusion. Obwohl 83 Prozent der Firmen in Berlin und Brandenburg über wirtschaftliche Beziehungen zu Unternehmen im jeweils anderen Bundesland verfügen, hat sich mit 49 Prozent erstmals weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen für eine Länderfusion ausgesprochen. Im Jahr 2012 waren es noch 53 Prozent, 2011 sogar 58 Prozent.

In der vergangenen Woche, als die Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestags, Petra Merkel (SPD) eine neue Debatte über die Länderfusion von Berlin und Brandenburg angestoßen hatte, hatte Brandenburgs Fraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen, Axel Vogel, die Forderungen der Wirtschaft nach einer Fusion noch als Argument ins Feld geführt.

"Das sind die Auswirkungen eines mangelhaften Gestaltungswillens in der Berliner und Brandenburger Politik zur Länderehe", sagte der Hauptgeschäftsführer der Potsdamer IHK, René Kohl.