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Ein patentierter Fahrrad-Lademeister

Darius Hajiani und Claudia Langowsky präsentieren einen prall gefüllten Einkaufsbeutel und eine Tasche am "Hangload"-System.
Darius Hajiani und Claudia Langowsky präsentieren einen prall gefüllten Einkaufsbeutel und eine Tasche am "Hangload"-System. FOTO: rbt1
Berlin. Gepäckträger, Körbe, Taschen, Boxen – es gibt schon etliche Lösungen für den Gütertransport per Fahrrad. In wenigen Monaten kommt mit "Hangload" ein neues patentiertes System hinzu. Es wurde bekannt durch den Innovationspreis-Wettbewerb von Berlin und Brandenburg. Am 29. und 30. März wird es auf der Veloberlin öffentlich vorgestellt. Rolf Bartonek / rbt1

Deutschland ist ein Fahrradland. Seine Ende des Jahres 2013 registrierten 80,8 Millionen Einwohner besitzen rund 71 Millionen Fahrräder, 80 Prozent der Haushalte besitzen laut Statistischem Bundesamt mindestens eines davon.

Als gute Packesel taugen sie bislang nur unzureichend. Das jedenfalls meint Darius Hajiani, ein leidenschaftlicher Radfahrer. Einmal hat sich der in London aufgewachsene Sohn eines Iraners und einer Engländerin über sein Lieblingsgefährt richtig geärgert. Das war schon in Berlin, wohin er seiner hier 2002 geborenen Tochter folgte. Ein Einkauf im Supermarkt geriet ihm viel zu groß, er konnte die schweren Beutel nicht sicher am Fahrrad verstauen und musste es den weiten Weg nach Hause schieben.

Selbst ein Korb, eine Box oder Fahrrad-Taschen, hätte er sie denn besessen, wären für die sperrige Last zu klein gewesen. Hajiani liebt solche Frachtträger auch nicht besonders. Die Waren müssen in sie immer erst umgeladen werden, die Taschen können nicht permanent am Rad verbleiben, ein Korb sieht alles andere als schick aus. Es muss sich doch eine einfache Möglichkeit schaffen lassen, dachte er, prall gefüllte Einkaufsbeutel so am Rad einzuhängen, dass sie ein schwankungsfreies Fahren gestatten, den Speichen fernbleiben und auch beim Treten der Pedale nicht stören. Er besorgte sich Pappkisten aus dem Supermarkt und fing an, sie zuzuschneiden und zu falten, um die richtige Form für einen Frachtträger herauszufinden. "Ich war völlig frustriert", erzählt er. "Es klappte und klappte nicht, aber dann fand ich doch die Lösung." Er baute eine Version aus einem mit Stoff bespannten Metallrahmen. Im Dezember 2007 wurde sein "Hangload", seine Vorrichtung für hängende Ladung, patentiert.

Damit hatte er aber noch nicht viel gewonnen, denn vom Patent zur Herstellung und Vermarktung ist es meist ein weiter Weg. Hajiani verbesserte sein Produkt weiter und beteiligte sich 2013 am Innovationspreis-Wettbewerb der Länder Brandenburg und Berlin. Er erhielt keinen der vier Preise, doch er schaffte es unter 135 Bewerbern immerhin in den Endausscheid und wurde zur Auszeichnungsveranstaltung eingeladen.

Hier nahm die "Hangload"-Geschichte eine entscheidende Wende. Denn Hajiani kam an diesem Abend im Dezember mit der Ingenieurin und Professorin Claudia Langowsky ins Gespräch, die über viele Kontakte und große Erfahrungen auch im Marketing verfügt. 2012 wurde diese Frau, die früher unter anderem für Siemens und Industrieverbände arbeitete, an der Fachhochschule in Brandenburg/Havel auf eine von der Deutschen Bahn und der Bahnindustrie finanzierte Stiftungsprofessur berufen.

Langowsky erkannte das Potenzial der Erfindung, deren bespannte Metallbügel am Gepäckträger beginnen und sich ähnlich einem Sattel durch Abstandshalter von oben nach unten schräg vom Hinterrad wegspreizen, sodass die Fracht weder mit den Speichen noch den Pedalen in Berührung kommt.

Zum Einhängen der Beutel und Taschen besitzt "Hangload" oben am Gepäckträger zwei Holzknebel (toggles). "Körbe fassen maximal einen mittelgroßen Einkaufsbeutel, auch Taschen sind wegen der Nähe zu den Pedalen vergleichsweise klein", sagt Hajiani. "Wir können selbst große Beutel einfach einhängen." "20 bis 30 Kilogramm Gewicht sind locker drin", ergänzt Lan gowsky, "das hängt auch von der Stabilität der Konstruktion des jeweiligen Fahrrades ab." Beide sind eine Partnerschaft eingegangen und derzeit dabei, zur Vermarktung eine Firma zu gründen. Außerdem sind die Gespräche mit möglichen Herstellern in Brandenburg/Havel oder Berlin weit gediehen. Spätestens im Sommer soll "Hangload" auf dem Markt sein und etwa 30 Euro kosten.

Auf der Veloberlin Ende März wollen Hajiari und Langowsky eine Crowdfunding-Kampagne starten. Hinter diesem aus dem Amerikanischen stammenden Begriff verbirgt sich ein Finanzierungs- und Marketingmechanismus. Interessenten zahlen via Internet einen kleinen Geldbetrag und erhalten dafür einige Monate später ein fertiges Produkt. Bei Firmengründern, die ein neues Erzeugnis herausbringen wollen, sei diese Kreditierungsmethode stark im Kommen, versichert Langowsky. Verbreitung und Finanzierung einer Neuentwicklung würden miteinander verbunden.

Das sei besonders wichtig, "weil wir in einem Land, das sehr gut in den Hochtechnologien ist, eine einfache Technik machen wollen und mit den Produktionskosten hier zurechtkommen müssen". Denn die Gründer denken bei der geplanten Fertigung nicht an ein Niedriglohnland, sie setzen auf einen flexiblen deutschen Mittelständler. Ende August, wenn mit der Eurobike in Friedrichshafen am Bodensee eine der weltgrößten Fahrrad-Messen um die 40 000 Besucher und 1900 Journalisten anlockt, soll "Hangload" jedenfalls schon aus den Startlöchern heraus sein und sich auch international einen Namen machen.

www.hangload.com