Wie viele Job-Portale hier zu Lande verfügbar sind, lässt sich kaum ermitteln. Die Internet-Publikation "Tomorrow Online" gab einmal mehr als 400 an, die Werbeagentur24Jobportale listet im Netz nach strengeren Maßstäben rund 100 auf. Das Gros der Portale ist regional oder auf Berufsgruppen begrenzt. Bei den meisten, zumindest bei allen großen außer dem Portal der Arbeitsagentur, zahlen die Arbeitgeber, wenn sie im Bewerberpool recherchieren wollen. Das macht die im September gestartete Cottbuser Personalagent Deutschland GbR anders.

Bei ihr zahlen die Arbeit Suchenden. Wenn diese für die halbjährige Aufnahme in den Bewerberpool mit 20 Euro zur Kasse gebeten werden, klingt das zunächst vor allem für Arbeitslose wenig lukrativ. Dennoch könnte gerade das finanzielle Engagement für sie günstig zu Buche schlagen: Wer zahlt, der bemüht sich ganz besonders. Das jedenfalls glauben nach Auffassung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus etliche Arbeitgeber.

Dan Hoffmann, bei der IHK unter anderem für Starthilfe, Unternehmensförderung und Dienstleistungen zuständig, sagt: "Der Preis von 20 Euro ist gering, stellt aber dennoch eine Hürde dar. Gerade das sehe ich positiv. Denn wer bereit ist, für eine Leistung zu bezahlen, überlegt sich vorher, ob er sie wirklich braucht. Die Unternehmer können deshalb davon ausgehen, dass die Bewerber in personalagent.de wirkliches Interesse an einem Job haben und sich nicht mal bloß probehalber in ein Job-Portal einstellen. Sie zeigen: Ich will etwas bewegen und zahle dafür auch. Allerdings müssen die Personalverantwortlichen das Angebot auch kennen und nutzen, um die Börse zum Erfolg zu führen."

Auch Rainer Lorenz, Schulleiter des Kaufmännischen Oberstufenzentrums in Cottbus, teilt diese Auffassung. In seiner Einrichtung wurden schon viele Schüler mit dem Portal vertraut gemacht, um ihre Bewerbungschancen zu erhöhen. Lorenz berichtet: "Jährlich beenden bei uns 800 Lehrlinge in kaufmännischen und verwaltenden Berufen ihre Ausbildung. Davon wird höchstens ein Drittel von den Unternehmen übernommen. Mit dem Job-Portal personalagent.de haben wir deshalb eine Zusammenarbeit begonnen. Wir bieten den Mitarbeitern des Portals die Möglichkeit, die Auszubildenden über die neue Bewerbungschance zu informieren. Die von ihnen an uns herangetragene Philosophie, 20 Euro in die Bewerbung zu investieren, erscheint mir sinnvoll."

Wer Arbeit bietet soll nicht zahlen Weil Arbeit knapp ist, sollen nicht auch noch diejenigen dafür bezahlen, die Arbeit anbieten, sagt Alexander Brämigk, Geschäftsführer der Senftenberger Softwarefirma Level9, die das personalagent-Programm entwickelte. Damit hält es das neue Lausitzer Portal exakt so wie das größte deutsche: arbeitsagentur.de.

Aber anders als die Online-Offerte der Arbeitsagentur kann sich ein privates Portal nicht über den Staatshaushalt finanzieren. Deshalb muss es natürlich auch Einnahmen geben.

Ein Jahr lang arbeitete Level9 – die Firma ist vor allem durch ihr Bundesligaarchiv auf CD-ROM bekannt – an der Software für eine neue Job-Datenbank. Weit über 2000 Arbeitslose haben nach Angaben der Betreiber seit dem Erscheinen von personalagent Mitte September ihre Bewerbungen in dieses Portal gestellt. Monster und stepstone, die inzwischen fusionierten, aber noch eigenständige Portale im Netz haben, werben mit zusammen 19 000.

Brämigk ist Unternehmer und denkt folglich auch wie ein Unternehmer. Stelle eine Firma ein Job-Angebot beispielsweise ins Portal der Arbeitsagentur, so gingen meistens dutzende oder gar hunderte Bewerbungen ein, die gesichtet und beurteilt werden müssen, sagt er. "Das kostet Zeit und Geld." Über 90 Prozent der Bewerber, die sich auf diese Weise meldeten, kämen erfahrungsgemäß nicht infrage.

Das bestätigt auch der Cottbuser Mitinhaber des Freizeitgeschäfts Waikiki, Jens Fiedler. Er holte sich über das neue Portal schnell und kostenlos genau die Verkäuferin, die in seinen Laden passt. Es ist Susanne Schickram, die seit April arbeitslos war und jetzt "sehr zufrieden" ist, wie sie der RUNDSCHAU sagt.

Beim personalagent-Portal können Arbeitgeber kostenlos den Bewerberpool durchchecken und nur diejenigen anrufen, die sie in eine engere Wahl ziehen. Sie bleiben dabei im Hintergrund, müssen nicht öffentlich kundtun, dass sie eine bestimmte Position besetzen oder gar neu besetzen wollen.

Bewerber gestalten Portal-Auftritt Das Programm ermöglicht es Arbeit Suchenden, ihren Portal-Auftritt nach Belieben zu gestalten: grafisch, mit Bildern, Tabellen, farblich. Damit geben die Bewerber schon einiges von ihrer Persönlichkeit preis. Sie können dabei unter ihrem Namen auftreten oder unter einer Chiffre. Für die 20 Euro halbjährlich dürfen sie zudem bis zu zehn unterschiedliche Bewerbungen ins Netz stellen.

Der Cottbuser Arbeitsvermittler Andreas Schätzel betont, dass die Suche von Firmen in dem neuen Portal binnen weniger Minuten erfolgreich sein kann. Dies sei vor allem für Zeitarbeitsfirmen von Bedeutung, die oft von Freitag bis Montag einen geeigneten Spezialisten finden müssen. Beim Portal der Arbeitsagentur funktioniere dies nicht, weil der Bewerber-Kontakt nur über den Arbeitsvermittler läuft. Und der genießt, natürlich zu Recht, sein Wochenende.
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Hintergrund: Nach Cottbus jetzt Berlin und weitere Städte

Betreiber des neuen Portals ist die Cottbuser Personalagent Deutschland GbR, die mit dem Senftenberger Software-Entwickler Level9 kooperiert. Sie baut derzeit ein bundesweites Netz von Regionalberatern auf, die Firmen und Arbeit Suchende von den Vorteilen des Portals überzeugen und bei der Nutzung Hilfestellung geben sollen.

personalagent.de offeriert kein direktes Job-Angebot, in dem Arbeit Suchende stöbern können. Das Portal besteht vielmehr aus Bewerber-Präsentationen. Job-Angebote kommen zustande, indem sich Arbeitgeber aus den Präsentationen geeignete Leute auswählen und mit diesen individuell Kontakt aufnehmen.
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