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| 01:27 Uhr

Ein erster Atlas der innovativen Lausitzer

Cottbus. Es war Zeit für diesen Nachweis. Aus dem Bauch heraus war jedem in der Lausitzer Wirtschaft einigermaßen Bewandertem klar, dass in der Region viel Potenzial steckt. Eine Studie der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus im Auftrag der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus belegt das jetzt Schwarz auf Weiß. Von Beate Möschl

“Wir wollten wissen, wie es um die Innovationsfähigkeit unserer Unternehmen tatsächlich steht und welche Hilfen sie brauchen. Dass wir nach den makroökonomischen Kriterien der großen Wirtschaftsforschungsinstitute immer wieder durchs Raster fallen, ist ja nicht gleichbedeutend damit, dass sich in der Lausitz nichts tut. Im Gegenteil„, sagt Dorit Köhler, Leiterin des Geschäftsbereiches Innovation und Umwelt, Regionale Wirtschaftsförderung bei der IHK Cottbus. Deshalb habe die Kammer die Studie Innovationspotenziale in der Region Lausitz-Spreewald in Auftrag gegeben. Den Zuschlag erhalten hat der Lehrstuhl Marketing und Innovationsmanagement der BTU. Der hat das Potenzial, unterstützt von den Kammern, regionalen Wirtschaftsfördergesellschaften, den Technologietransferstellen der Hochschulen und der studentischen Unternehmensberatung Jalta consultants, akribisch analysiert.

1003 innovative Firmen

Etwa 40 000 Unternehmen aus Industrie und Handwerk waren auszulesen. “Wir haben uns auf Kapitalgesellschaften, also GmbHs und Aktiengesellschaften, beschränkt, und dabei auf die nach Aussagen der Wirtschaftsförderer und der Kammern klar erkennbar technologieorientierten und innovativen Unternehmen konzen triert„, schildert Prof. Dr. Daniel Baier, Inhaber des BTU-Lehrstuhls Marketing und Innovationsmanagement. So habe sich die Zahl der detaillierter zu untersuchenden Unternehmen auf 5347 reduziert. “Davon ist jedes fünfte ein innovatives Unternehmen. Das sind erstaunlich viele„, sagt Baier, der die Ergebnisse der Studie am heutigen Mittwoch vor den rund 150 Mitgliedern des Regionalforums der Energieregion Lausitz präsentieren wird.

Die Studie zeichnet ein klares Bild der typischen Lausitzer Innovation: “Die meisten Unternehmen werden für ihre Kunden innovativ. Die reine Produktion innovativer Sachgüter ist wenig verbreitet. Häufiger ist eine Kombination aus Produktentwicklung maßgeschneidert für den Kunden und dazugehöriger Dienstleistung„, berichtet Baier. Auch das Angebot der Hochschulen in Cottbus, Senftenberg und Wildau werde “erfreulich oft„ genutzt.

Fördermittel zu unbekannt

Dass ein Teil der Unternehmen immer noch den Weg zur Hochschule scheue, ist der Studie zufolge überwiegend auf fehlende Informationen etwa über Fördermittel geschuldet. “Hier müssen wir immer wieder in die Offensive gehen und informieren. Die Unternehmen gehen nicht von sich aus auf die Hochschulen zu„, sagt Baier. BTU und IHK werden am 9. Juni auf dem Campus in Cottbus einen Hochschultag zum Thema Wissenstransfer und Forschungskooperation veranstalten, wie Köhler sagt. Die Ansiedlung weiterer außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, etwa des diskutierten Forschungsinstituts zur nachhaltigen Ressourcennutzung in Cottbus, würde das Innovations- und Kooperationsklima beleben, ist Baier überzeugt. “In der Lausitz sind im Unterschied zum Potsdamer Raum außeruniversitäre Forschungseinrichtungen rar.„

Kompetenzfelder zu klein

Im Ergebnis der Studie geht die HK mit bei der Überlegung des Potsdamer Wirtschaftsministeriums, die Branchenkompetenzfelder “Energiewirtschaft/Energietechnologie„ und “Mineralöl/Biokraftstoffe„ sowie “Medien/Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT)„ und “Geoinformationswirtschaft„ zusammenzulegen. “Wir haben beobachtet, dass selbst fünf Jahre nach Festlegung der 16 Branchenkompetenzfelder viele Betriebe immer noch Schwierigkeiten haben, sich zuzuordnen„, so Köhler.

In der Region besetzte Themen wie Umwelt und Gesundheitswirtschaft sind nur wenig berücksichtigt in den bislang definierten Kompetenzfeldern, beobachtet Köhler zudem. “Aus Sicht der vorliegenden Studie wäre die Bildung eines Branchenkompetenzfeldes Energie/Umwelt und eines Kompetenzfeldes Ernährungswirtschaft/Gesundheit/Tourismus zu diskutieren„, regt sie an und sagt: “Alternativ könnte auch über die Bildung von regionalspezifischen Zukunftsfeldern für die Energieregion Lausitz-Spreewald nachgedacht werden.„