Zu DDR-Zeiten versorgte das Petrochemische Kombinat (PCK) Schwedt einen Großteil der Republik nebst dem damals eingemauerten West-Berlin. Heute verkaufen die Gesellschafter Shell, BP, Rosneft, Total und Agip jährlich 6,5 Millionen Tonnen Benzin- und Diesel-Kraftstoff made in Schwedt. Rein rechnerisch fahren damit 2,2 Millionen Autos in Berlin und Brandenburg mit Sprit aus dem PCK Schwedt - also 90 Prozent aller Autos. Bemerkenswert: Trotz aller gegenseitigen Sanktionen spielt Russland beim PCK eine immer größere Rolle: BP und Total wollen, wenn die Kartellbehörden zustimmen, ihre Anteile an Rosneft abgeben. Der russische Ölkonzern, mehrheitlich in Staatsbesitz, könnte somit bald 54,17 Prozent am PCK halten.

PCK ist mit 1200 Mitarbeitern, zusätzlich bis zu 500 Dienstleistern sowie einem Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro das größte Unternehmen in der Uckermark. Jährlich vergibt die Raffinerie Aufträge von mehr als 50 Millionen Euro an Firmen in der Region. 2014 waren es sogar 75 Millionen Euro. Im kommenden Jahr ist wie alle drei Jahre ein Großstillstand zur Ertüchtigung und Revision von Anlagen geplant, der rund 90 Millionen Euro kosten soll.

Mit knapp zwölf Millionen Tonnen Erdölverarbeitung im Jahr zählt PCK zu den größten Raffinerien in Deutschland. Derzeit gibt es noch zwölf. Der Mineralölmarkt hat deutliche Überkapazitäten und ist hart umkämpft. Dennoch ist Geschäftsführer Jos van Winsen zuversichtlich, dass PCK auch in 30 Jahren zu den fünf bis sechs Raffinerien gehört, die im Wettbewerb bestehen. "PCK ist eine Spitzenraffinerie. Wir belegen in internationalen Vergleichen führende Plätze in den Parametern Kosten, Investitionsrückfluss und Anlagenzuverlässigkeit." Allein beim Großstillstand 2013 haben die Gesellschafter insgesamt 110 Millionen Euro zur Optimierung und Energieeffizienz von Prozessen und Anlagen investiert, zusätzlich zu den Revisions- und Reparaturkosten von 50 Millionen Euro.

Die Schwedter Raffinerie ist allerdings auch deutlich größer als andere. Als die DDR-Regierung 1958 den Aufbau des Werkes beschloss, standen Personal, Energie und Bauland scheinbar unbegrenzt zur Verfügung, 16 Quadratkilometer Wald wurden damals gerodet, kilometerlange Leitungen verbinden die weitläufigen Anlagen. Bis weit über 8000 Mitarbeiter beschäftigte das Kombinat bis in die letzten DDR-Tage. 0Der Industriebetrieb nimmt eine Fläche von zirka 750 Hektar ein und ist damit in etwa so groß wie die ehemals 50 000-Einwohnerstadt Schwedt. Im Vergleich dazu kommt die 1997 neu errichtete Total-Raffinerie in Leuna mit nur 320 Hektar Betriebsfläche aus.

Das größte Potenzial für den wirtschaftlichen Erfolg der Schwedter Raffinerie sieht Geschäftsführer Jos van Winsen in der engagierten und kompetenten Mitarbeiterschaft. Die meisten der Investitionsprojekte zur Verbesserung der Anlagen werden im Hause PCK selbst entwickelt und vor den Gesellschaftern erfolgreich verteidigt. Keine andere Raffinerie schafft den vorgeschriebenen Tüv-Stillstand der Anlagen in so kurzem Zeitraum wie PCK.

Gerade einmal 30 Tage waren die Anlagen 2013 für Revision, Reparaturen und Prüfungen abgestellt, vergleichbar große Raffinerien brauchen bis zu 20 Tage länger. Derzeit bereitet sich die Raffinerie auf einen der größten Generationswechsel in der Belegschaft vor. Jährlich werden 50 bis 80 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Dafür bildet PCK seit Jahren deutlich über dem Eigenbedarf aus und ist an Kitas und Schulen aktiv in der Nachwuchsförderung. 89 Auszubildende lernen zurzeit in der PCK Berufe wie Chemikant, Laborant oder Industriemechaniker. 48 angehende Ingenieure werden vom PCK beim Studium von Verfahrenstechnik, Maschinenbau oder Chemietechnik gefördert. Die PCK unterstützt naturwissenschaftliche Bildung von Kindern bereits im Kita-Alter mit Labortagen, später mit Chemie-Arbeitsgemeinschaften und Wettbewerben. Am Gymnasium startet PCK eine Reihe von naturwissenschaftlichen Bürgervorlesungen und vergibt jährlich den Exzellenzpreis für Bestabiturienten.