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Eco Trains und Future Busse

Ein komplett autonom fahrender Elektrobus des französischen Herstellers Navya vom Typ „Arma“ fährt am 10.05.2016 über das Wegesystem im Park der Gärten von Bad Zwischenahn (Niedersachsen). Hier passiert das Fahrzeug gerade zwei Parkbesucher. Bei Hindernissen stoppt das über Sensoren und GPS gesteuerte Auto sofort. Die laut Hersteller bisher einzigen völlig fahrerlos funktionierenden Busse werden zur Zeit in Deutschland präsentiert. Die Kleinbusse ohne Lenkrad fahren bereits in Frankreich. Foto: Ingo Wagner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ |
Ein komplett autonom fahrender Elektrobus des französischen Herstellers Navya vom Typ „Arma“ fährt am 10.05.2016 über das Wegesystem im Park der Gärten von Bad Zwischenahn (Niedersachsen). Hier passiert das Fahrzeug gerade zwei Parkbesucher. Bei Hindernissen stoppt das über Sensoren und GPS gesteuerte Auto sofort. Die laut Hersteller bisher einzigen völlig fahrerlos funktionierenden Busse werden zur Zeit in Deutschland präsentiert. Die Kleinbusse ohne Lenkrad fahren bereits in Frankreich. Foto: Ingo Wagner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | FOTO: Ingo Wagner (dpa)
Dresden. Autonome Kleinbusse können den Nahverkehr auf dem Land viel günstiger machen. Doch besser funktioniert das Fahren ohne Fahrer auf der Schiene. Sachsen ist vorn dabei. Christine Keilholz / ckz1

Beim Schienenverkehr sind die Voraussetzungen für automatisiertes Fahren wesentlich besser. Züge halten die Spur von allein und sind damit "prädestiniert für die Automatisierung", sagt Ulrich Maschek vom Institut für Bahnsysteme und öffentlichen Verkehr der Technischen Universität Dresden.

Züge, die weitgehend ohne Fahrer auskommen, sind längst Realität. Automatisierte Metrozüge fahren in Nürnberg, Paris oder Lausanne. In London bereits seit den 80er-Jahren. Im Nahverkehr entsteht der Innovationsdruck schon allein wegen der hohen Personalkosten. Das aber sei nur ein Nebenaspekt, betonten Experten wie Maschek: "Es geht gar nicht darum, den Lohn der Personen einzusparen, denn das kommt durch den Aufwand an Automatisierung wieder dazu", sagt er. "Es geht darum, dass automatisiertes Fahren flexibler einsetzbar ist."

Die Idee: Züge ohne Fahrer können schnell dort eingesetzt werden, wo sie gebraucht werden. Und dann, wenn man sie braucht. Sie sind nicht an einen Personalplan gebunden. Wenn es denn so weit ist. "Man kann durchaus realistisch sagen, in zehn bis 20 Jahren können wir bei der Eisenbahn das automatisierte Fahren haben", sagt Maschek.

Ausprobiert wird das in Sachsen gerade bei der Erzgebirgsbahn, die dabei ist, Dieselfahrzeuge mit klimafreundlicher Hybridtechnik auszustatten. In weniger als zwei Jahren will das Unternehmen mit dem "Eco Train" einen klimafreundlichen Hybridtriebwagen auf die Schiene bringen. Der Zug hat ein intelligentes Energiemanagementsystem, das mit dem Fahrerassistenzsystem verbunden ist. Am Ecotrain-Projekt sind neben der Deutschen Bahn die TU Dresden, die TU Chemnitz sowie das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme in Dresden beteiligt.

Auch auf deutschen Straßen soll automatisiertes Fahren bald möglich sein. Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, um das Straßenverkehrsgesetz entsprechend zu ändern. Kritischer Punkt ist dabei die Haftung. Es gilt: Auch beim Einsatz des Computers bleibt die letzte Verantwortung grundsätzlich beim Menschen.

Damit wird der Weg frei für die vielen kleinen selbstfahrenden Busse, mit denen viele Verkehrsträger bereits experimentieren. Darunter Shuttle-Busse, die sich völlig eigenständig fortbewegen. Die Palette reicht vom teilautomatisierten Fahren, bei dem der Fahrer das System dauerhaft überwacht und jederzeit einspringen kann, bis hin zum fahrerlosen - also autonomen - Fahren, bei dem der Mensch nur noch Passagier ist.

Der sogenannte "Future Bus" von Mercedes fährt mithilfe von Sensoren zumindest teilweise autonom. In den Städten sollen autonome Kleinbusse günstiger fahren als Taxis oder Teilautos. Auf dem Land könnten sie kurze Fahrten auf Zuruf per Handy anbieten. Denn gerade dort mangelt es an Angeboten, weil schlichtweg zu wenige Leute mitfahren. Die Automatisierung könnte den Nahverkehr deshalb nicht nur flexibler machen, sondern auch dafür sorgen, dass Linien rentabel werden, die nur schwach ausgelastet sind.