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| 01:03 Uhr

Dresden hängt München ab

Am Halbleiter-Standort Deutschland trennt sich derzeit die Spreu vom Weizen. Vor zwei Wochen eröffnete der US-Chipspezialist AMD sein zweites Werk in Dresden. Die Amerikaner denken zudem schon über eine dritte Fertigungsstätte in der sächsischen Hauptstadt nach. Von Axel Höpner


Tristesse herrscht dagegen in München. Europas größter Chipkonzern Infineon will das Werk an seinem Stammsitz an der Isar in gut einem Jahr komplett schließen. Wegen eines Streiks ruht die Produktion derzeit weit gehend. Zwar gingen IG Metall und Infineon gestern aufeinander zu, an der Schließung des Werks wird sich aber nichts ändern.
Die AMD-Investition in Dresden, aber auch das benachbarte hochmoderne Infineon-Werk Dresden zeigen, dass Hightech-Produktion in Deutschland durchaus noch möglich ist. In den neuen Bundesländern kommen oft etwas niedrigere Tarife, flexiblere Arbeitszeiten und Investitionsförderungen zum Tragen.
Die große Diskrepanz zwischen dem blühenden Standort Dresden und den Problemen in München liegt nach Einschätzung von Infineon-Manager Reinhard Ploss aber nicht primär an den Standortbedingungen. Auch bei einem Lohnverzicht oder längeren Arbeitszeiten hätte das Werk in München nach seiner Einschätzung keine Zukunft gehabt. "Wenn die Lohnkosten substanziell billiger gewesen wären, hätte uns das vielleicht nur ein Jahr mehr gebracht."

Ingenieure gefragt
Einig sind sich Infineon und AMD, dass Produktion in Deutschland nur auf höchstem technologischem Niveau möglich ist. "Ich habe lieber einen gut ausgebildeten Ingenieur als zehn Lohnempfänger", sagt ein Manager. Auch AMD-Chef Hector Ruiz betonte, die Lohnkosten machten in der Chip-Industrie ohnehin nur etwa zehn Prozent aus. Viel wichtiger sei ihm neben aktuellster Technologie bei der Standortwahl das Know-how der Mitarbeiter gewesen. Und in dieser Hinsicht hat sich Dresden zu einem international hoch anerkannten Standort entwickelt.

Sächsische Trümpfe
AMD betreibt dort auch ein Entwicklungszentrum, Infineon will eines errichten. Zudem arbeiten beide Konzerne in einem gemeinsamen Maskenhaus zusammen, jüngst wurde ein Zentrum für Nanotechnologie gegründet. Insgesamt sind in Dresden und Umgebung 760 Unternehmen in der Mi-kroelektronik sowie der Informations- und Kommunikationstechnik angesiedelt. Hier sind auch viele hoch qualifizierte Mitarbeiter zu finden.
Der kleine Standort München hat da den Anschluss verpasst. Hier ist bei Infineon der Anteil der Lohnempfänger ungewöhnlich hoch. In dem Werk in München-Perlach werden auf veralteten Anlagen Logik-Chips produziert, die ebenfalls nicht mehr neuester Stand der Technik sind.