Immerhin: Das Pfand beträgt fortan einheitlich 25 Cent. Ob aber das neue, bundesweite Rücknahme-System funktioniert, muss die Praxis zeigen. Dass die Umwelt profitiert, bestreiten Kritiker nun noch vehementer als beim alten Pfand. Derzeit lässt sich nur so viel sagen: Die Kosten der Reform wird wohl der Verbraucher tragen.
Um bis zu zehn Cent würden sich Getränke in Einwegverpackungen verteuern, sagt Holger Wenzel vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) voraus. Denn der Handel müsse rund 1,5 Milliarden Euro in Rücknahme-Automaten investieren. Deren Betrieb verursache zudem laufende Kosten in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr. Ganz anders rechnet die Bundesregierung: Selbst bei Umlage aller Zusatzkosten würden sich die Getränkepreise nur um weniger als einen Cent erhöhen, heißt es beim Umweltministerium in Berlin.

Vorwand für Preiserhöhung
Aus Sicht von Verbraucherschützern nutzt der Handel das ungeliebte Pfand als Vorwand, um vorgesehene Preisrunden durchzusetzen: "Dann ist es natürlich gut, wenn man behaupten kann, daran ist nur das böse Dosenpfand schuld", sagt Carel Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Er verweist auf Schätzungen, wonach die Verbraucher bis zu 1,4 Milliarden Euro nicht eingelösten Pfands dem Einzelhandel geschenkt hätten: "Die Kassen müssten also gut gefüllt sein."
Einig sind sich Einzelhändler und Verbraucherschützer immerhin darüber, dass die Neuregelung des Pfands den Kunden gewisse Erleichterungen bringt. So können Einwegverpackungen künftig in allen Geschäften ab 200 Quadratmetern Verkaufsfläche zurückgegeben werden, wenn die betreffende Verpackungsart dort ebenfalls verkauft wird. Die Insellösungen, mit denen sich vor allem die Discounter bislang den Getränkemüll aus anderen Quellen vom Hals gehalten haben, sind damit hinfällig.
Fortan soll ein ausgeklügeltes Rücknahmesystem, das die Deutsche Pfandsystem GmbH (DPG) mit der Getränkeindustrie und dem Handel aufgebaut hat, die bundesweite Verrechnung der Pfandbeträge regeln. Doch bislang zögern viele Einzelhändler, die teuren Automaten anzuschaffen, berichtet HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr: Erst ein geschätztes Drittel sei damit ausgerüstet; die Übrigen wollten die Verpackungen vorerst weiter per Hand sortieren. "Die Händler warten vorerst ab, wie sich die Kunden verhalten", sagt Pellengahr.

Aldi nimmt Lidl-Flaschen zurück
Allein die Discounter, die schon seit Einführung des Dosenpfands 2003 fast ausschließlich auf Einwegglas und Pet-Flaschen setzen und inzwischen für knapp die Hälfte des deutschen Getränkemarkts stehen, haben die Geräte schon flächendeckend am Start. So können nun bei Aldi gekaufte Bierflaschen auch bei Lidl zurückgegeben werden und umgekehrt. Mit leeren Getränkedosen werden die Kunden dorthin allerdings vergeblich kommen: Beide Unternehmen haben angekündigt, diese Verpackungsart komplett aus dem Sortiment zu verbannen.
Dass es wegen des vereinfachten Pfandes dennoch eine Renaissance der Dose geben wird, hofft die Industrie - nicht zuletzt mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft. So verweist der Chef des Getränkedosenherstellers Ball Packaging Europe, John Hayes, auf "Sondereditionen" mit Fußballmotiven, die Getränkehersteller wie Coca-Cola und der Bierbrauer Radeberger anbieten.