Gespannt sitzt ein Ehepaar in der hintersten Reihe. „Wir sindaus reiner Neugier hier. Meiner Mutter hat einmal eines derHäuser gehört. Sie hat es vor Jahren der Stadt geschenkt. Wirwollen nur mal sehen, für wie viel es weggeht“ , sagt die Frau.Ihren Namen will sie nicht nennen, das Objekt ebenfalls nicht.
Sie ist nicht die Einzige, die auf Diskretion Wert legt.Bieter-Namen werden nicht genannt. Das ist unüblich. Wer die imSaal Anwesenden nicht kennt und nicht mitbekommt, wer inAnwesenheit des amtierenden Notars in einem extra Raum dasZuschlagsprotokoll unterschreibt, erfährt nicht einmal zufällig,wer in Cottbus wieder um eine Immobilie reicher ist. Aber das istauch nicht das Ziel der Veranstaltung.

Den Markt entwickeln
Der Wahl-Cottbuser Udo Multhauf will Immobilien-Auktionen in derLausitz etablieren, „um den Markt mit zu entwickeln“ . Der istaus seiner Sicht nicht so schlecht, wie er gemacht wird. Die 2.Auktion mit zehn Objekten ist die zweite nach der Premiere imApril 2002. Damals waren 33 Objekte im Angebot. Drei gingenwährend der Versteigerung weg. - Ein Ergebnis, das damals in derMakler-Fachwelt der Region eher mitleidig belächelt wurde.Allerdings wurden innerhalb der Nachzuschlagsfrist nach der 1.Cottbuser Immobilien-Auktion weitere zwölf Objekt verkauft. Dieerzielten Preise lagen im Schnitt um zehn Prozent über denMindestgeboten. So ist das Interesse des Berufsstandes am Bemühendes Cottbuser Immobilien und Auktionshauses ungebrochen. DieMehrheit der etwa 55 Gäste der 2. Auktion entpuppt sich denn auchals Makler. „Wir sind aus rein beruflichem Interesse hier, wollenmal sehen, was der Markt hergibt“ , gibt einer für alle zuerkennen. Die Objekte beurteilen sie überwiegend als schwach,darunter eine Turnhalle. „Welcher Verein hat so viel Geld„“ 52000 Euro sind das Mindestgebot, 101 000 Euro der Verkehrswert.Einen Käufer findet sie nicht.
Filmreife Szenen, in denen sich Anwesende in hitzigenPreisgefechten immer wieder gegenseitig überbieten, gibt esnicht. Nur einmal einen zaghaften Ansatz, als Objekt Nummer vierunter den Hammer kommt. Für den sanierten und vermieteten Altbauan der Puschkinpromenade gab es bereits im Vorfeld sechs Bieter.- 10 000 Exemplare des Auktionskataloges waren in der Regionverteilt worden. Damit hatte jeder Interessent die Möglichkeit,Näheres über die Objekte zu erfahren und sein eigenesMindestgebot schriftlich beim Auktionator abzugeben. Der istverpflichtet, jedes Gebot sorgfältig zu registrieren.Unterscheiden sich die Angebote nicht in der Höhe, zählt immerdas zuerst eingegangene, ansonsten das höchste. Den Zuschlag hatdamit noch keiner automatisch in der Tasche. Entscheidend ist,was auf der Auktion passiert.
Für Objekt Nummer vier hat sich durch schriftliche Gebote imVorfeld der Einstiegspreis erhöht. „Es liegt bereits einschriftliches Mindestgebot über 355 000 Euro vor. Ein Bietersteigert am Telefon. Die Steigerungsrate beträgt 5000 Euro“ ,informiert Multhauf und fragt: „Bietet jemand 360 000 Euro““Stille im Saal.

Begehrtes Schnäppchen
Der Auktionator legt nach: „355 000 Euro zum Ersten. Bietetjemand 360 000„“ Eine Hand schnellt hoch. „360 000 hinten rechts.Bietet jemand 365 000““ Multhauf treibt zum nächsthöheren Gebot.Sein Blick geht nach links. Dort sitzt eine seinerMitarbeiterinnen. Sie hält den Kontakt zum Bieter am Telefon. Siehebt die Hand. „365 000 am Telefon“ , ruft Multhaus daraufhinund: „Bietet jemand 370 000 Euro?“ Nichts regt sich. Mit einem„365 000 zum Dritten, der Zuschlag ist erteilt für den Bieter amTelefon, Glückwunsch“ wechselt das Objekt schließlich denBesitzer. Das Ganze hat keine vier Minuten gedauert.
Nach 55 Minuten ist die gesamte Auktion beendet. Sieben Objektebleiben im Portfolio des Auktionshauses. Multhauf setzt nun aufdie Nachzuschlagsfrist. „Billiger wird es nicht“ , betont er.„Eine Auktion ist keine Zwangsversteigerung.“ Laut Gesetz habenInteressenten nach der Auktion noch zwei Monate Zeit, weitereGebote abzugeben. Nach Ende dieser Frist gehen die Objekte in dienächste Auktion ein oder werden von den Eigentümern selbstverkauft.
Das Cottbuser Ehepaar verlässt den Saal mit gemischten Gefühlen.Das ehemalige Haus der Mutter hat einen Käufer gefunden. Was demPaar bleibt sind die Erinnerungen an eine schöne Jugendzeit unddie Aussicht darauf, dass das Haus mit neuem Leben erfülltwird.

Hintergrund Immobilienauktion
Versteigert wurden zehn Objekte aus dem Besitz der Stadt Cottbus und kommunaler Unternehmen sowie aus Privatbesitz. Die Mindestgebote summierten sich auf 662 000 Euro. Erstanden wurden drei Wohnimmobilien für insgesamt 427 000 Euro.
Eine Immobilien-Auktion ist nicht zu vergleichen mit einer Zwangsversteigerung. Die im Katalog ausgewiesenen Mindestgebote sind das unterste Limit. Nach oben gibt es keine Grenze.
Immobilien aus kommunalem Besitz dürfen um bis zu 50 Prozent unter dem Verkehrswert angeboten werden, wenn sie in eine Auktion eingebracht werden.
Wer eine Immobilie in eine Auktion einbringen möchte, schließt mit dem Auktionshaus einen notariellen Einlieferungsvertrag. Dieser ist für beide Seiten bindend. Das heißt, der Einlieferer kann nicht mehr zurücktreten. Die Immobilie wird durch einen unabhängigen Gutachter bewertet. Der Verkäufer und der Auktionator können sich auf ein Mindestgebot einigen.
Wer eine Auktions-Immobilie er-steigert muss noch während der Auktion eine Bietungssicherheit in Höhe von zehn Prozent des Zuschlagspreises, mindestens jedoch 1500 Euro hinterlegen. Der Restkaufpreis ist innerhalb von vier Wochen nach Zuschlag auf ein Notaranderkonto zu überweisen. An das Auktionshaus ist zusätzlich eine Courtage (Provision) in Höhe von sechs bis zehn Prozent des Zuschlagspreises zu zahlen.
Die 3. Cottbuser Immobilienauktion soll im Sommer stattfinden und wird Objekte zur Versteigerung anbieten, die im Sanierungsgebiet der Cottbuser Innenstadt liegen und im Raum Peitz.