ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:24 Uhr

IHK-Studie
Schlechte Laune mit vollen Büchern

 Expansion
Expansion FOTO: LR
Cottbus. Die IHK Cottbus hat eine Studie zur Zufriedenheit ihrer Unternehmen mit dem Wirtschaftsstandort Südbrandenburg vorgelegt. Feierlaune sieht anders aus. Von Jan Siegel

Die Stimmung ist mies. Zu diesem Schluss muss kommen, wer sich die jüngste Umfrage der Industrie- und Handelskammer Cottbus zur „Standort-Zufriedenheit“ der Unternehmen oberflächlich anschaut. In ihren Antworten präsentieren sich die Firmen einigermaßen „nörgelnd und übellaunig“. Dabei dürfte sich die Aussagekraft der am Dienstag präsentierten Studie, die im Auftrag der IHK von der Dima-Marktforschung aus Mannheim erstellt worden ist, stark in Grenzen halten.

Von den rund 34 000 Mitgliedsunternehmen im Kammerbezirk zwischen Spremberg (Spree-Neiße) und Schönefeld (Dahme-Spreewald) hatten sich etwa 450 an der Online-Umfrage beteiligt. Das ist nach den Erfahrungen anderer Umfragen nicht unbedingt ein schlechter Wert, allerdings weit entfernt von einer wirklich repräsentativen Aussagekraft. Insofern bildet die Untersuchung wohl aber schon ein allgemeines Stimmungsbild in der Brandenburger Unternehmerschaft ab.

Die Studie wurde Ende des Jahres 2018 erhoben. Es ist nach 2013 die zweite Untersuchung dieser Art in Südbrandenburg. Und eine ihrer Hauptzielrichtungen dürfte sein, den politischen Druck aus der Wirtschaft im Wahljahr 2019 auf die Kommunal- und Landespolitiker zu forcieren. An der richtigen Stelle platziert, helfen die Umfrageergebnisse sicher, bei den Parteien die eine oder andere Wahlkampf-Zusage herauszukitzeln.

Ungeachtet der Tatsache, dass in vielen Branchen die wirtschaftlichen Kennzahlen in den vergangenen Jahren stets nach oben zeigten, ist die Zufriedenheit der Unternehmerschaft mit den Standort-Rahmenbedingungen im Süden Brandenburgs teilweise signifikant zurückgegangen. Ihre Gesamtzufriedenheit mit dem Wirtschaftsstandort Südbrandenburg bewerten die Unternehmer im IHK-Kammerbezirk aktuell mit Gesamtnote 3,2. Im Jahr 2013 lag die Note noch bei 2,9. Besonders verschlechtert hat sich die Note im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, wo sie von einer Bewertung 2,8 (2013) auf 3,3 gefallen ist.

Abgefragt wurden in der Untersuchung an die 30 unterschiedliche Standortfaktoren. Das Spektrum dabei reicht von Standortkosten, wozu Steuern, Abgaben und auch Energiepreise gehören, über die Lage zur Verkehrsinfrastruktur bis hin zur Arbeitskräftesituation. Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften in Südbrandenburg liegt nach Einschätzung der Firmen absolut im „roten Bereich“. Immer mehr Betriebe stoßen trotz guter und sehr guter Auftragslage an personelle Grenzen und müssen Aufträge verschieben oder gar ablehnen. „Die Unzufriedenheit unserer Unternehmen ist besonders groß bei der Verfügbarkeit von qualifizierten Facharbeitern und auch Auszubildenden“, sagt Maik Bethke, der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer bei der Präsentation der aktuellen Untersuchung. Cottbus als Lebensmittelpunkt und Wirtschaftsstandort müsse attraktiver werden. Die Region brauche nicht nur Tourismus, sondern auch Industrie. „Viele unserer Firmen fordern dringend die Verbesserung der Verkehrs- und der digitalen Infrastruktur“, sagte Bethke.

Wenn es um Steuern und Abgaben geht, ist die Unzufriedenheit von Unternehmen eher wenig überraschend. Allerdings ist sie auch nicht unbegründet. Viele Unternehmen setzen trotz teils erheblicher Kritik an den Rahmenbedingungen mittelfristig auf die Expansion ihrer Geschäftsfelder (siehe Grafik).

Ein wichtiger Kostenfaktor ist dabei die vom Land erhobene Grunderwerbsteuer. Die liegt in Brandenburg mit 6,5 Prozent vom Immobilienpreis im Ländervergleich am oberen Ende der deutschen Länderskala. Wer im Freistaat Sachsen ein Grundstück erwirbt, der muss nur 3,5 Prozent des Immobilienpreises als Grunderwerbsteuer an das Land abführen. Das ist gemeinsam mit Bayern das untere Ende der Skala.

 Zufrieden mit dem Wirtschaftsstandort? Maik Bethke (r.) stellt die IHK-Studie in Cottbus vor.
Zufrieden mit dem Wirtschaftsstandort? Maik Bethke (r.) stellt die IHK-Studie in Cottbus vor. FOTO: LR / Jan Siegel
 Zufrieden mit dem Wirtscjaftsstandort? Maik Bethke (r.) stellt die IHK-Studie in Cottbus vor.
Zufrieden mit dem Wirtscjaftsstandort? Maik Bethke (r.) stellt die IHK-Studie in Cottbus vor. FOTO: LR / Jan Siegel