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| 16:25 Uhr

Altersvorsorge
Die Probleme der Pensionskassen

Regelmäßige Auszahlung? Viele Pensionskassen in Deutschland stehen unter druck
Regelmäßige Auszahlung? Viele Pensionskassen in Deutschland stehen unter druck FOTO: dpa-tmn / Silvia Marks
Berlin. Die Pensionskassen kämpfen genauso wie die Lebensversicherungen mit den anhaltenden Minizinsen. Die Finanzaufsicht Bafin hat etwa ein Drittel der 137 Pensionskassen unter verschärfte Beobachtung gestellt, weil sie Probleme sieht, ob diese ihre Zusagen für die Altersversorgung einhalten können. Von Dieter Keller

„Ohne zusätzliches Kapital von außen werden einige Pensionskassen nicht mehr ihre vollen Leistungen erbringen können“, warnte der zuständige Bafin-Direktor Frank Grund. Diese Kassen begleite die Bafin besonders intensiv und dränge sie, bei ihren Trägern oder Aktionären rechtzeitig Unterstützung einzufordern.

Eine Pensionskasse ist eine der fünf Möglichkeiten für die betriebliche Altersvorsorge. Derzeit haben etwa 4,8 Millionen Arbeitnehmer eine Anwartschaft bei einer solchen Kasse, an die Unternehmen ihre Zusagen für eine zusätzliche Altersversorgung ausgelagert haben. Die wichtigsten Alternativen sind die Direktzusage, die der Arbeitgeber selbst abgibt, und die Direktversicherung, bei der er eine Lebensversicherung für seinen Mitarbeiter abschließt. Weniger bedeutend sind Unterstützungskassen und Pensionsfonds.

Rechtlich gibt es zwei Möglichkeiten, die Pensionskassen zu organisieren: Rund 120 haben als betriebliche Pensionskassen die Rechtsform eines Vereins, etwa 20 werden von Lebensversicherungsunternehmen getragen.

Die Pensionskassen arbeiten ähnlich wie Lebensversicherer: Sie legen das Kapital der Arbeitnehmer an, laut Bafin aktuell etwa 164 Milliarden Euro. Dabei müssen sie noch striktere Regeln einhalten, was ihre Möglichkeiten beschränkt, höhere Renditen als bei Staats- und Firmenanleihen zu erzielen.

Im Alter der Versicherten zahlen sie lebenslang eine monatliche Rente. Das funktioniert nur, wenn ihre Kapitalanlagen genug Zinsen abwerfen. Gelingt ihnen das nicht, obwohl der Arbeitgeber entsprechende Zusagen gemacht hat, müssen sie bei ihm oder bei ihren Aktionären zusätzliches Kapital einfordern. Diese sind bei den Vereinen im Prinzip auch verpflichtet, Geld nachzuschießen. Das kann für die Unternehmen zu einer großen Bürde werden. Noch schwieriger wird es, wenn es diese nicht mehr gibt, weil sie in Insolvenz gegangen sind.

„Intensive Gespräche“ führt die Bafin mit 45 Pensionskassen, berichtete das Bundesfinanzministerium in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen. Bei ihnen hätten 2,8 Millionen Arbeitnehmer Versorgungsansprüche. Rund 300 000 beziehen bereits Rente. Zehn Kassen mit 130 000 Versicherten gelten als besonders gefährdet. Namen wollte das Ministerium aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht nennen.

Die als Verein organisierten Pensionskassen können im Notfall Leistungen senken und Beiträge anheben. Anders läuft es bei den Töchtern von Lebensversicherern: Sie müssen alle Leistungen selbst garantieren und eine zusätzliche Reserve aufbauen, damit sie ihre Verpflichtungen auch bei niedrigen Zinsen einhalten können. Außerdem sind sie Mitglied in einem gesetzlichen Sicherungsfonds, der bei einer Insolvenz einspringt.

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz hat ab diesem Jahr die Möglichkeit geschaffen, Betriebsrenten ohne Garantien und Haftung des Arbeitgebers zuzusagen. Das soll mehr Firmen dazu bringen, so für ihre Beschäftigten vorzusorgen.