Seit 1899 wird in Schönborn Glas produziert, zuerst Kolben für Öllampen, zu DDR-Zeiten war das Bleikristall der Exportschlager - bis der Betrieb nach der Wende, weil kein Absatz mehr war, geschlossen werden musste. Doch der Ofen blieb nicht lange kalt. Seit 2001 produziert die Sovitec-Gruppe wieder im Schönborner Glaswerk und stellt Glasperlen her, die insbesondere beim Straßenbau, aber auch für den Inhalt von Feuerlöschern und für das Abstrahlen von Autoteilen verwendet werden.

Der Marktführer in Europa und die Nummer 2 weltweit hat Werke in Belgien, Frankreich, Spanien, Argentinien und das in Schönborn als dem einzigen Standort in Deutschland. Er liefert jährlich etwa 85 000 Tonnen Glasperlen in 66 Länder auf allen Kontinenten. Sovitec produziert seit mehr als 60 Jahren Glasperlen und ist das älteste Unternehmen in der Branche.

"Das Besondere bei uns in Schönborn: Während die anderen Werke vor allem Recyclingglas verwenden, schmelzen wir das Glas selbst", sagt Thomas Pilkenroth, seit 2010 Niederlassungsleiter in Schönborn, wo 19 der insgesamt 170 Beschäftigten der Sovitec-Gruppe tätig sind. An 365 Tagen im Jahr werden rund um die Uhr täglich etwa 18 Tonnen dieser Perlen hergestellt, die einen Durchmesser von nur 0,6 bis 1,8 Millimetern haben. So ist der Schmelzofen seit sieben Jahren nahezu ununterbrochen in Betrieb. Dabei entsteht ein Gasverbrauch, der dem von 2500 Haushalten im Jahr entspricht.

"Qualitätsperlen sollen vor allem zwei Eigenschaften besitzen", sagt Thomas Pilkenroth, "sie müssen möglichst exakt rund sein, damit der Lichtstrahl des Autos gebrochen wird und zum Fahrer zurückkommt. Auch dürfen Laugen und Säuren keine Risse in den Perlen verursachen."

Dass Glas in der Hauptsache aus Sand, Kalk, Feldspat und Soda besteht, ist Allgemeinwissen. Nach welcher Rezeptur man aber die Topqualität bei den Perlen hinbekommt, bleibt in Schönborn ein Geheimnis. Die Glasperlen werden zusammen mit der weißen Farbe so auf die Fahrbahn gespritzt, dass bei Abrieb durch die Autoräder immer wieder neue Perlen zum Vorschein kommen und damit eine lange Haltbarkeit gesichert ist, erklärt der 44-Jährige.

"Mit unserer jetzigen Produktion haben wir in Schönborn mit dem einen Schmelzofen annähernd unsere Kapazitätsgrenze erreicht", betont Orm Verberne, der Hauptgeschäftsführer der Sovitec-Gruppe, im RUNDSCHAU-Gespräch. "Wir beraten gegenwärtig in der Zentrale in Belgien eine Marktanalyse und werden dann entscheiden, ob wir in Schönborn einen größeren Ofen oder eine zweite Anlage errichten. Beides ist mit erheblichen, auch baulichen Investitionen verbunden", kündigt Verberne an.

Glasperlen aus Schönborn werden an den Autobahnen und Straßen der Region verwendet. "Auch in unserer Schadewitzer Straße enthalten Farbmarkierungen Glasperlen aus unserem Werk", verweist Daniel Mende, der Bürgermeister von Schönborn. Er gehörte dieser Tage zu den zahlreichen Besuchern, die einen Blick in das Innenleben des Sovitec-Werkes werfen konnten. Erstmals in seiner Geschichte hatte das Unternehmen etwa 60 Kunden und Partner, wie den Landesbetrieb Straßenwesen, zu einem Workshop eingeladen. Hier wurde demonstriert, wo und wie die Glasperlen entstehen und wie sie letztlich auf den Straßenbelag kommen.