Organtransporte, Reparaturen oder eilige Kurier- und Geschäftsflüge bestimmen die Flüge. "Dazu kommen Verkehrshinweise oder Waldbrandüberwachung", sagt Volker Thomalla, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Aerokurier".
Eine Statistik des Luftfahrtbundesamtes zeigt die Dimension der Luftfahrt unterhalb großer Verkehrsmaschinen. In Deutschland sind 620 Flugzeuge mit einem Startgewicht von über 20 Tonnen registriert, aber rund 7000 ein- und zweimotorige Reiseflugzeuge mit Platz für zwei bis 15 Personen. Je nach Ausstattung sind diese 200 bis 900 Stundenkilometer schnell. Für Starts und Landungen solcher Propellerflugzeuge und Jets reichen 500 bis 1500 Meter lange Startbahnen aus. Zum Vergleich: Pisten an großen Verkehrsflughäfen sind 2000 bis 4000 Meter lang.

Praktische Vorteile
"In den Vereinigten Staaten schafft Allgemeine Luftfahrt einen Jahresumsatz von rund 100 Milliarden Dollar und etwa eine Million Arbeitsplätze", sagt Klaus-Jürgen Schwahn, Geschäftsführer des Flugplatzes Schönhagen bei Berlin. "In ganz Europa sind es vielleicht zehn Prozent davon." Schwahn kennt die Branchenentwicklung aus eigener Erfahrung. Seit rund 15 Jahren koordiniert er Kooperationsprojekte mit amerikanischen Flugschulen und Flughäfen.
Den Alltag in der Allgemeinen Luftfahrt zeigen Flugplätze wie Schönhagen oder Uetersen bei Hamburg: Abfertigungsgebäude sind praktisch und nicht protzig überdimensioniert. Vom Parkplatz zum Flugzeug dauert es maximal fünf Minuten. "Wir fliegen zum Beispiel auf die Nordseeinseln, aber auch bis nach Osteuropa", beschreibt Marion Schoppenhauer, Büroleiterin beim Luftfahrtunternehmen "Air Hamburg". Die Firma betreibt rund 15 ein- und zweimotorige Maschinen, außerdem gehört eine Flugschule dazu. "Viele Schüler kommen mit dem Ziel, später von A nach B zu wollen und sehen das ganze nicht ausschließlich als Freizeitvergnügen", sagt Schoppenhauer.
Hauptvorteil ist die große Auswahl an Flugplätzen. Sie sind in Regionen mit schlecht ausgebautem Straßen- oder Schienennetz oft erste Brückenköpfe für Investoren. An der Infrastruktur beteiligt sich die Allgemeine Luftfahrt. Unterstützung wie für manchen Billigflieger gibt es nicht. An kleinen Flugplätzen sind Landegebühren von fünf bis 15 Euro für einmotorige Maschinen fällig, abhängig von Lärmbelastung und Gewicht. "Viele kleine Flugplätze werden zudem ehrenamtlich von Vereinen betrieben", beschreibt Thomalla.
Sicherheitsstandards sind vergleichbar mit dem Niveau bei großen Flugzeugen. So müssen Piloten kleiner Maschinen sich auch auf größeren Flughäfen zurechtfinden, Anflugverfahren und Luftraumstruktur kennen.

Starke Lobby in den USA
In den Vereinigten Staaten hat Allgemeine Luftfahrt eine Lobby wie in Deutschland der Automobilsektor und entsprechende politische Unterstützung. In Europa kämpfen Firmen und Flugplätze oft gegen Vorbehalte. "Wir sind kein Hobby von irgendwelchen Spinnern, sondern ein eigenständiger Verkehrsträger", sagt Schwahn. Nach Angaben der Flugplatzgesellschaft Schönhagen beträgt dort das Gesamtsteueraufkommen inzwischen rund zwei Millionen Euro jährlich. Etwa 130 Arbeitsplätze bietet Schönhagen, Tendenz steigend. Das sind zum Beispiel mittelständische Wartungs- und Entwicklungsbetriebe, Luftfahrtunternehmen für Hubschrauber- und Reiseflüge sowie die Generalvertretung eines Flugzeugherstellers in Deutschland.
Ehrgeizige Projekte an manchen Regionalflughäfen sieht Schwahn skeptisch: "Für Fracht braucht man Knotenpunkte. Da reichen nicht fünf Unternehmen in der Region, die mal ein Paket verschicken." Bei kleineren Flugplätzen sieht er eine klare Wachstumsgrenze, abhängig von der Flugzeuggröße. "Ab 14 Tonnen Startgewicht steigt der Aufwand für Technik und Sicherheit drastisch an", beschreibt Schwahn die Vorschriften. Das rechne sich nur bei entsprechendem Passagieraufkommen.