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| 02:51 Uhr

Die Lausitz hofft auf einen kupfernen Aufschwung

Polkowice. Am Ende der Reise geht es steil bergab. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) besucht am Freitag ein Bergwerk des polnischen Bergbaukonzerns KGHM im niederschlesischen Polkowice. Lars Rischke / dapd

Erst zeigt ein Sicherheitsbeauftragter, wie der Sauerstoff-Selbstretter bedient wird.

Noch eine Unterschrift unter eine Einverständniserklärung, dann geht es in die Umkleidekabine. Mit seinem Tross - den Helm auf dem Kopf und den Selbstretter umgeschnallt - fährt Tillich schließlich in einem Förderkorb hinunter in den Schacht OZ GBS. Dorthin, wo in rund 1000 Meter Tiefe bei Temperaturen um die 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit rund um die Uhr Kupfer abgebaut wird.

KGHM ist nach eigenen Angaben der größte Silberförderer und einer der größten Kupferförderer weltweit. Der polnische Konzern erwirtschaftet Milliardenumsätze. Auch in der Lausitz will der Bergbauriese eines Tages Erz fördern. Noch ist das Zukunftsmusik, wie Konzernchef Herbert Wirth einräumt.

Rund 18 000 Mitarbeiter beschäftigt KGHM - in Niederschlesien spielt das Unternehmen die zentrale wirtschaftliche Rolle. "Wenn es KGHM gut geht, geht es Niederschlesien gut", sagt der Woiewode Marek Skorupa. Die Hoffnung auf deutscher Seite ist groß, dass es nun möglichst schnell auch dort losgeht mit dem Abbau. Immerhin würden nach Darstellung von KGHM-Chef Wirth einige Tausend Arbeitsplätze entstehen. Hinzu kämen neben den direkten noch viele weitere Stellen bei Dienstleistern. An den Vorarbeiten sind jetzt schon Geologen aus Freiberg beteiligt.

"Ein Bergwerk in der Lausitz wäre ein Segen", sagt Tillich. Er spricht von großen Chancen für eine strukturschwache Region, in der Arbeit rar ist. Er macht aber auch deutlich, dass er eigentlich bei seinem Besuch ganz gerne einen konkreten Starttermin gehört hätte. Noch aber sprechen alle im Konjunktiv. Denn hundertprozentig sicher ist nichts.

Zwar haben erste Probebohrungen gezeigt, dass Kupfer und Silber vorhanden sind. Längst gibt es eine KGHM-Niederlassung in Weißwasser (Landkreis Görlitz) und den Segen des Sächsischen Oberbergamtes. Doch viele weitere Bohrungen und Untersuchungen müssen erst noch zeigen, ob wirklich so viel Erz in erreichbaren Schichten und entsprechender Zusammensetzung im Boden steckt, dass sich ein Bergwerk lohnt. Allein die Erkundungen könnten noch bis zu 15 Jahren dauern und bis zu 100 Millionen Euro kosten, sagt Wirth. Bis zu einer Milliarde Euro müsse ausgeben, wer eines fernen Tages Erz fördern und damit Geld verdienen wolle.

Vorkommen gibt es auch in Brandenburg, wo aber mit KSL Kupferschiefer Lausitz ein anderes Unternehmen in den Startlöchern steht. Über eine mögliche Kooperation will KGHM erst reden, wenn klar ist, "was wir in Weißwasser haben". Der Besuch im Schacht ist die letzte Etappe von Tillichs Polen-Reise.