"Immer wieder ist derzeit von Krise die Rede. Ich rede nicht davon", betont Heinz-Wilhelm Müller, der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Cottbus. Zwar sei mit Blick auf den Bund, wo die Arbeitslosenquote im Oktober 2012 genau wie im Vorjahr bei 6,5 Prozent lag, eine Stagnation erkennbar. "Südbrandenburg konnte hingegen binnen Jahresfrist einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit verzeichnen. Von Krise kann also überhaupt keine Rede sein. Und aus meiner Sicht kriegen wir auch keine", erklärt Müller. Die Quote sei seit dem Oktober 2011 um immerhin 0,6 Prozentpunkte gesunken. "Allerdings hat die Region gegenüber Bund und Land auch noch einiges nachzuholen", räumt der Cottbuser Arbeitsagenturchef ein. Dieser Nachholbedarf sei einer der Gründe dafür, dass der Trend am Arbeitsmarkt in der Lausitz besser ausfalle als im Bund. Hinzu komme die negative demografische Entwicklung in der Region sowie die schlechtere Vernetzung der Unternehmen. "Dieser strukturelle Nachteil wird hier zum Vorteil. Eine kleinteilige Wirtschaft wird weniger schnell in den Strudel einer konjunkturellen Krise hineingezogen", erklärt er.

Mehr junge Leute in Arbeit

Zufrieden ist Heinz-Wilhelm Müller damit, dass der positive Trend am Arbeitsmarkt sich auf alle Zielgruppen auswirkt: "Vor allem bei den 15- bis unter 20-Jährigen hat es in den vergangenen Monaten eine deutliche Verbesserung gegeben. Die Quote ist seit August 2012 von 8,0 auf 5,6 Prozent gesunken." Auch die Quote der ausländischen Arbeitsuchenden sei rückläufig, sie bleibe mit 14,6 Prozent aber die höchste aller Zielgruppen.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings. Beim Blick auf die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sieht der Leiter der Agentur für Arbeit Cottbus Anzeichen für eine konjunkturelle Eintrübung: "Waren es im August und September 2012 noch um die 1200 offene Stellen, so kommen wir im Oktober nicht einmal auf 900. Im Vergleich zum Oktober 2011 ist die Zahl um 358 zurückgegangen. Unsere Arbeitgeber sind vorsichtig geworden. Sie warten ab und greifen bei Bedarf eher auf Zeitarbeitskräfte zurück." Derzeit liege im Agenturbezirk Cottbus der Anteil der Zeitarbeit bei 21 Prozent. "Mancherorts im Westen liegt er bei bis zu 60 Prozent. Der Anteil in unserer Region ist im letzten Jahr konstant geblieben. Das ist ein wichtiger Indikator dafür, dass die Arbeitgeber vorsichtig bleiben. Der Anteil der Zeitarbeit kann aber schnell sinken, wenn klar wird, dass die Krise an der Lausitz vorbeigeht", sagt Müller. Positiv bewertet der Cottbuser Agenturchef außerdem, dass in Südbrandenburg die Anträge auf Kurzarbeit anders als im Bund nicht zunehmen, sondern im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger geworden sind.

Shirin Khabiri-Bohr, die Leiterin der Agentur für Arbeit Bautzen, sieht die Situation in ihrem Agenturbezirk ähnlich wie die in Südbrandenburg: "Der ostsächsische Arbeitsmarkt zeigt sich etwas weniger aufnahmefähig als vor einem Jahr. Von Krisenstimmung kann trotzdem keine Rede sein, das zeigt die konstant hohe Zahl der Stellenmeldungen."

Weniger Erwerbslose

Diese Einschätzung gründet sie auf die aktuellen Zahlen der Bautzener Arbeitsagentur. "Der Oktober zeigt sich auf dem Arbeitsmarkt von seiner freundlichen Seite. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl der Arbeitslosen noch einmal leicht in den beiden Rechtskreisen", sagt die Bautzener Agenturchefin. "Insbesondere die unter 25-Jährigen profitieren durch den Beginn von Ausbildung", erläutert sie. Wie im Agenturbezirk Cottbus haben auch in Ostsachsen die Jüngeren am Arbeitsmarkt die besten Chancen. Die Quote der unter 25-Jährigen lag im Oktober 2012 bei 7,7 Prozent, im September noch bei 8,6 Prozent. Betrachtet man die unter 20-Jährigen, so lag deren Arbeitslosenquote im Oktober 2012 bei 4,2 Prozent, im Vormonat bei 5,1 Prozent. Trauriger Spitzenreiter der Statistik sind auch im Agenturbezirk Bautzen die arbeitsuchenden Ausländer mit einer aktuellen Quote von 23,1 Prozent.

Dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Bautzen sind im Oktober 823 sozialversicherungspflichtige Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt gemeldet worden. Genauso viele wie im Vormonat. Im Vergleich zum Oktober des Jahres 2011 waren es allerdings 115 Stellen weniger. Mit 234 gemeldeten Stellen im Oktober sorgte die Leiharbeit für den zahlenmäßig größten Stellenzugang. Im Vormonat hatte die Bautzener Arbeitsagentur sogar 265 Leiharbeitsangebote verzeichnet.

Rückläufig ist wie im Agenturbezirk Cottbus die Kurzarbeit. Die aktuelle Statistik der Bautzener Agentur verzeichnet derzeit 890 Fälle von Kurzarbeit. Im Juni des Jahres 2011 waren es noch 1066 Fälle.