ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:32 Uhr

Die Kraft der Studenten

An der Hochschule Lausitz in Senftenberg optimieren die Studenten Xiaofei Jiang (l.) und Sergej Eichwald einen Polyurethan-Vorreiniger für Bandanlagen. Im Hintergrund die Chefin der Roggosener Firma IFT, Annemarie Christiansen, und Prof. Dr. Thomas Meißner. Foto: Rasche
An der Hochschule Lausitz in Senftenberg optimieren die Studenten Xiaofei Jiang (l.) und Sergej Eichwald einen Polyurethan-Vorreiniger für Bandanlagen. Im Hintergrund die Chefin der Roggosener Firma IFT, Annemarie Christiansen, und Prof. Dr. Thomas Meißner. Foto: Rasche FOTO: Rasche
Roggosen. Selbst für eine kleine Lausitzer Firma kann die Welt nicht groß genug sein. Die Industrie- und Fördertechnik GmbH (IFT) aus Roggosen (Spree-Neiße) ist mit ihren Produkten auf allen Kontinenten zu Hause. Geholfen hat dabei auch schon manch in- und ausländischer Student. Von Rolf Bartonek

Kann ein kleines Unternehmen die Kraft aufbringen, die Ausbildung von Studenten zu unterstützen? Wo die meisten Geschäftsführer solcher Firmen abwehrend die Hände heben aus Sorge vor nicht verkraftbarer zusätzlicher Belastung, greift die IFT-Chefin Annemarie Christiansen aus voller Überzeugung zu. Sie meint es auch völlig ernst, wenn sie die Zahl ihrer Mitarbeiter mit 15 angibt, obwohl sie in Wirklichkeit nur acht fest Angestellte hat. Seit acht Jahren stockt das Unternehmen, das vor allem Bandabstreifer zur Reinigung von Förderbändern herstellt, sein Potenzial durch Studenten der Senftenberger Hochschule Lausitz und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus auf.

Dabei geht es Christiansen nicht um billige Arbeitskräfte, sondern um ein gegenseitiges Geben und Nehmen. „Wir trainieren den Studenten anwendungsbereites Wissen an, saugen dafür ihre theoretischen Kenntnisse auf und lassen diese in unsere Produkte einfließen.“ Wenn es um Diplom-, Master- oder Bachelorarbeiten geht, ist IFT für die technischen Fachbereiche der Senftenberger Hochschule schon lange zu einer guten Adresse geworden. Seit dem Beginn der Zusammenarbeit 2001 haben bereits 24 Studenten, betreut von Professoren, an Entwicklungsthemen in der Firma mitgewirkt.

In einigen Fällen reicht die Kooperation auch über technische Weiterentwicklungen hinaus. Ohne den Studenten Xiaofei Jiang, die Studentin Ying Wang sowie die frühere Absolventin der Hochschule Lausitz, Chen Lu, wäre zum Beispiel im November 2008 eine Teilnahme von IFT an der Baumaschinen-Messe in Schanghai undenkbar gewesen. „Die Diplomthemen für Jiang und Wang waren gleich mit ausgerichtet auf die Markterschließung im asiatischen Raum und die Messe in Schanghai“, erzählt Christiansen. Der deutsche Markt sei auf Dauer zu klein, fügt sie hinzu.

In der chinesischen Industriemetropole war IFT der einzige Aussteller aus Brandenburg. Und hat dort gelernt, was der asiatische Markt braucht. Während in Europa vielfach teure Hartmetall-Abstreifer zum Einsatz kommen, um Förderbänder nach dem Transportgutabwurf von anhaftenden Materialresten zu reinigen, sind es in China hauptsächlich billige Produkte aus Kunststoff. Sie erreichen laut Christiansen nur etwa 40 bis 50 Prozent der Lebensdauer (Standzeit) der aus gehärteten Stählen bestehenden Abstreifer.

Für Asiens Markt

Die Roggosener sind nun dabei, speziell für den asiatischen Markt preiswerte Abstreifer aus hochwertigeren Kunststoffen zu entwickeln, die es immerhin auf rund 80 Prozent der Standzeit ihrer metallischen „Kollegen“ bringen sollen. Auch Gurtzentriereinrichtungen, die das Band sicher auf den Rollen halten und zu den Spezialitäten von IFT gehören, seien in Asien weitgehend unbekannt, sagt Christiansen. Die Hochschule und IFT haben im Ergebnis ihrer Kooperation ein Patent für die Neuentwicklung solcher Bandtechnik erhalten.

Derzeit liefert IFT seine Produkte ins Ausland hauptsächlich als Zulieferungen an große Anlagenhersteller. Nach China gingen zum Beispiel Bandreiniger an die Schweizer Marti Tunnelbau AG, die in Jingping an der Errichtung eines Wasserkraftwerkes beteiligt ist. Aber auch der Magdeburger Förderanlagenbauer FAM und Takraf (Lauchhammer/Leipzig) sind Auftraggeber. In Deutschland zählen unter anderem die Mitteldeutsche Braunkohle AG (Mibrag), Zement-, Glas- und Kraftwerke sowie die Recycling- und die Baustoffbranche zu den Kunden. So werden die Bänder von 70 Asphaltmischanlagen verschiedener Betreiber mit IFT-Reinigern fit gehalten.

Neu ist ein Band-Projekt beim Bau einer Aluminiumhütte in Kasachstan. Es kam zustande, weil der dort geborene Student Sergej Eichwald die IFT-Dokumentationen ins Russische übersetzte. „Dadurch sind Anlagenhersteller auf uns aufmerksam geworden“, berichtet Christiansen. Sie freut sich auch, dass ein chilenischer Kupferminenbetreiber die IFT-Bandreiniger testet und bislang besser beurteilt als Konkurrenzprodukte. Da sei nun wahrscheinlich mit Aufträgen zu rechnen.

Partner in der Lausitz

Ohne regionale Partner wie den Vetschauer Industrieservice VIS, den Peitzer Metallbauer Zubiks, den Teilefertiger CNC Hille aus Harnischdorf bei Cottbus oder den Finsterwalder Oberflächenspezialisten Galfa könnte die kleine Roggosener Firma ihr Geschäft gar nicht stemmen. „Wir setzen auf Betriebe, von denen wir wissen, dass sie Qualität liefern und für die Zusagen eine hohe Verbindlichkeit haben“, sagt Christiansen. „Und es ist doch auch gut, wenn die Arbeit in der Region bleibt.“