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| 19:01 Uhr

Konjunkturklima-Index
Strukturwandel braucht Innovation und mehr Export

 Konjunktur-Pressekonferenz der IHK-Hauptgeschäftsführer in Berlin und Brandenburg: Marcus Tolle (Cottbus), Jan Eder (Berlin), Gundolf Schülke (Ostbrandenburg), Mario Tobias (Potsdam, v.l.)
Konjunktur-Pressekonferenz der IHK-Hauptgeschäftsführer in Berlin und Brandenburg: Marcus Tolle (Cottbus), Jan Eder (Berlin), Gundolf Schülke (Ostbrandenburg), Mario Tobias (Potsdam, v.l.) FOTO: LR / Jan Siegel
Berlin. Im Außenhandel liegt enormes Potenzial auch für die wirtschaftliche Zukunft in der Lausitz. Von Jan Siegel

Der Dampf ist raus. Die Konjunktur kühlt sich in Berlin und Brandenburg ab, zumindest wenn man den Selbsteinschätzungen und Erwartungen der Unternehmer in der Metropolregion glauben darf. Klar, warum sollte die Wirtschaft in Brandenburg und Berlin auch ganz anders ticken als im Rest Europas und der Welt.

Zum zweiten Mal in Folge ist der gemeinsame Konjunkturklima-Index der beiden Länder gefallen. Er liegt jetzt bei 134 Punkten, im Herbst 2018 lag er bei 138 Punkten. Damit bewegen sich die Indikatoren zwar weiterhin im Bereich der Hochkonjunktur. In beiden Bundesländern beurteilen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen ihre Lage jedoch schlechter als in den Vorjahren. Deutlich skeptischer sind die Geschäftsaussichten. Viele Unternehmen erwarten, dass die Wachstumsdynamik in den kommenden Monaten weiter nachlassen wird.

Trotz rückläufiger Zahlen gaben sich die Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammern aus Cottbus, Frankfurt (Oder), Potsdam und Berlin bei ihrer jährlichen Konjunktur-Pressekonferenz zum Jahresanfang noch relativ gelassen.

„Das weiß doch jeder, dass auch der längste Aufschwung irgendwann endet“, sagte Jan Eder, der Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin. Tatsache sei eben, dass das Handels-Scharmützel zwischen den USA und China, die Ungewissheit über den Brexit und auch die nach wie vor bestehenden Handelssanktionen gegen Russland Wirkung auch in der Region zeigten.

Nur eine Branche fährt bisher in Berlin und Brandenburg scheinbar noch ungerührt Vollgas, und das sind die Baugewerke.

Trotz allem bewerten im Süden Brandenburgs aber noch mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Firmen in Industrie und Handel ihre Geschäftslage als „gut“ und die Erwartungen für die nächsten Monate als „gleichbleibend“ (73 Prozent).

Wenn es um Investitionen geht, wollen Berliner und Brandenburger Firmen auch in den kommenden Monaten in die Kasse greifen. Die Brandenburger wollen ihre Investitionszahlen gar moderat steigern. Allerdings geht es dabei oft um Ersatz- oder Erweiterungsinvestitionen. „Wünschenswert wäre allerdings, dass die Produktinnovationen als Investitionsmotiv an Bedeutung gewinnen“, sagt Gundolf Schülke, der Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg.

Traditionell eher unterentwickelt im Vergleich zu Gesamtdeutschland sind in Südbrandenburg die Exporte. Trotzdem haben sich die Exportumsätze im Jahr 2018 im Vergleich zum Jahr davor positiv entwickelt. Sie steigen in Berlin um 0,4 Prozent und in Brandenburg bei niedrigerem Ausgangsniveau um 8,8 Prozent. Doch die Kammern rechnen in den kommenden Monaten mit einer deutlich schwächeren Dynamik.

Aber gerade in einer künftig stärkeren Exportorientierung sieht der Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, Marcus Tolle, eine Zukunft für die Wirtschaft in der Lausitz. „Die Exportwirtschaft in Brandenburg muss weiter gestärkt werden, weil der Außenhandel eine wichtige Rolle für die Bewältigung des regionalen Strukturwandels spielt“, sagte Tolle am Montag in Berlin. Dafür brauchten die Unternehmen verlässliche politische Rahmenbedingungen und starke Partner bei der Erschließung neuer Märkte.

Tolle setzt nach der Einigung der Kohlekommission  auch beim jetzt anstehenden Gesetzgebungsverfahren auf „Verlässlichkeit“. Für ihn bildet dabei der schnelle Ausbau der Lausitzer Infrastruktur die entscheidende Grundlage für die Wirtschaftsentwicklung in der Lausitz. Ohne schnelle Verkehrsverbindungen auf Straßen und Schiene sei die Region im Nachteil.

Wenn es um die Ausweisung von Sonderwirtschaftszonen geht, ist Tolle zurückhaltend. Für kleine und mittlere Unternehmen gebe es umfangreiche Fördermöglichkeiten in der Lausitz. Angriffspunkt sind für Marcus Tolle eher Investitionen von Großunternehmen. Sie können im Augenblick nur in sehr geringem Umfang mit finanziellen Anreizen nach Südbrandenburg gelockt werden. Da hat die EU enge Grenzen gezogen.

Letztlich dürfte es aber bei einem Braunkohleausstieg und dem damit notwendigen Strukturwandel ohne das Engagement auch großindustrieller Player für die Lausitz schwieriger werden, zu neuen wirtschaftlichen Horizonten aufzubrechen. Schon zeigt beispielsweise die Entwicklung rund um das BASF-Werk in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz), welch große Eigendynamik großindustrielle Kerne entwickeln können.