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"Die klare Industrieausrichtung in der Lausitz ist augenfällig"

Steffen Kammradt ist Sprecher der Geschäftsführung der neuen Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH.
Steffen Kammradt ist Sprecher der Geschäftsführung der neuen Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH. FOTO: Heike Lehmann
Cottbus. Nach 16 Jahren wird aus der Zukunftsagentur wieder die Brandenburger Wirtschaftsförderung. Geschäftsführer setzt auf Potenziale der Lausitz mit Sachsen. Christian Taubert

Steffen Kammradt beginnt seinen Redaktionsbesuch bei der RUNDSCHAU mit einer kleinen Anekdote: Im April dieses Jahres wurde die bisherige Zukunftsagentur in die Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH umfirmiert. Abgekürzt kam nur WFBB infrage. Der neue Name musste überall neu vermerkt werden. Die Domäne wfbb.de war für die aber bereits von der WF-Big-Band aus Thüringen als Internetadresse belegt, schildert der Geschäftsführer der alten und neuen Gesellschaft. Es habe nur eine Lösung gegeben, den Thüringern die Domäne abzukaufen. Die Einigung sei letztlich unproblematisch verlaufen.

Das kann der 50-jährige Sprecher der Geschäftsführung insgesamt vom Prozess der Umwandlung (oder Rückführung) von der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) zum neuen Namen auch sagen. Vor 16 Jahren war aus drei Landesgesellschaften - der Wirtschaftsförderung, der Technologie- und Innovationsagentur und der Energie sparagentur - die ZAB gegründet worden. "Uns fragt jetzt niemand mehr, was wir eigentlich tun", sagt Kammradt.

Beim Blick auf die Zahlen der zurückliegenden 16 Jahre erübrigt sich die Frage ohnehin: Denn 2016 eingerechnet, hat Brandenburgs Wirtschaftsförderung - die ZAB - seit ihrer Gründung 2001 insgesamt 6294 Unternehmensprojekte betreut. Damit sind 51 761 Arbeitsplätze und ein Investitionsvolumen von annähernd zehn Milliarden Euro verbunden. In Cottbus fügt Steffen Kammradt natürlich die Bilanz für die brandenburgische Lausitz hinzu: Hier seien es gut 1200 Projekte gewesen, die die Wirtschaftsförderer angepackt haben. Unter dem Strich stehen 10 245 geschaffene und gesicherte Arbeitsplätze und Investitionen von rund zwei Milliarden Euro.

Für Kammradt hängen diese Erfolge mit dem seit Jahren verfolgten "System Mutterhaus" zusammen. "Wir sind mit unseren Offerten in den USA, der Schweiz, China, den Niederlanden oder in Dänemark gewesen und haben in den Mutterhäusern auch der Lausitzer Unternehmen die Rahmenbedingungen im Land Brandenburg erläutert", schildert der WFBB-Geschäftsführer.

Die Früchte dieses Konzepts seien jüngst unter anderem beim dänischen Windanlagenhersteller Vestas in Lauchhammer "geerntet" worden. Der hat sich aufgrund von Expertise, Know-how und Effizienz entschieden, hier mit dem Rotorblatt V136 den "Windflügel der Zukunft" zu bauen. "Wir unterstützen dort mit unserem gesamten Instrumentenkasten", verweist Kammradt auf zusätzlich 300 feste Arbeitsplätze und darauf, dass Brandenburg etwa die Qualifizierung der Belegschaft für diese Prozessinnovation fördert.

Auf den weiteren Strukturwandel in der Lausitz angesprochen, ist der Wirtschaftsförderer mit Landesblick deutlich optimistischer als regionale Verantwortungsträger. "Die klare Industrieausrichtung ist nirgendwo im Land so augenfällig wie in der Lausitz", sagt Kammradt. Und, Industrie sei in der Lausitz willkommen, verweist er auf Kompetenzen in den Bereichen Energie, Metall verarbeitende Industrie, Chemie/Kunststoffe, Ernährungswirtschaft und Tourismus. Hinzu würden hochmoderne Kraftwerke in Schwarze Pumpe und Boxberg mit einem Wirkungsgrad von 40 Prozent kommen.

"Auf dieser guten Basis lässt sich aufbauen", deutet Kammradt an, dass die angestrebte Kooperation mit der sächsischen Lausitz zu einer Gesamtregion mit einer Million Einwohnern führen werde. Damit sei die Lausitz zusammen mit den Hochschulen eine "gut vermarktbare Region".

Jetzt müsse die Lausitz noch konkret sagen, wohin sie genau wolle. Mit der vor der Gründung stehenden Wirtschaftsregion Lausitz GmbH und der Innovationsregion (iRL) der Wirtschaft sind aus Kammradts Sicht Erfolg versprechende Strukturen ersichtlich.

Die WFBB arbeitet bereits eng mit der iRL zusammen und will die Kooperation mit den Partnern in der Lausitz forcieren. Denn die unter den deutschen Wirtschaftsfördergesellschaften einmalig breite Angebotspalette - von Ansiedlungen über Bestandsentwicklung, Fachkräfte- und Innovationsförderung, Existenzgründung bis zur Außenwirtschaft und Energieberatung - müsse auch für den Strukturwandel in der Lausitz wirksam werden.