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| 02:44 Uhr

Die IHK meldet: Gute Stimmung in der südbrandenburgischen Wirtschaft – mit Abstrichen

Verhalten positive Stimmung im Baugewerbe – südbrandenburgische Unternehmen schätzen die aktuelle Geschäftslage ein.
Verhalten positive Stimmung im Baugewerbe – südbrandenburgische Unternehmen schätzen die aktuelle Geschäftslage ein. FOTO: dpa
Cottbus. Gute Geschäfte, neue Arbeitsplätze – die Konjunkturumfrage der IHK Cottbus zeichnet ein positives Bild von der regionalen Wirtschaft. Nur die Baubranche hinkt nach – und ein Mindestlohn könnte zum Problem werden. Daniel Schauff

Es sind zunächst einmal gute Nachrichten, die Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus am gestrigen Montag zu vermelden hat. "Die Konjunktur ist so wie das Wetter da draußen - wunderschön", sagt er. Die gewerbliche Wirtschaft in Südbrandenburg bleibt auf Wachstumskurs, neue Arbeitsplätze sollen bei rund einem Fünftel aller Betriebe entstehen - das ergibt die IHK-Konjunkturumfrage für das Frühjahr 2014. Alle Wirtschaftsbereiche profitieren demnach an der hohen Inlandsnachfrage, vor allem die Industrie. Immerhin 60 Prozent der befragten Industriebetriebe schätzen die aktuelle Geschäftslage als gut ein. Im Frühjahr 2013 hatten nur 35 Prozent der Industriebetriebe die Geschäftslage als gut bezeichnet. Die Umfrageergebnisse für die Industrie-Branche seien die besten seit Jahren, sagt Susanne Kwapulinski, Referentin Volkswirtschaft der IHK Cottbus. Auch klein- und mittelständische Unternehmen hätten ihre Geschäfte im In- und Ausland ausbauen können.

Auch im Handel und im Dienstleistungsgewerbe steigt die Stimmung - eine Verschlechterung der Wirtschaftslage im Vergleich zum Vorjahr sehen nur die wenigsten Betriebe. Sowohl die Konsumlaune der Verbraucher als auch die große Nachfrage der gewerblichen Wirtschaft sorgen für die positive Stimmung im Handel. Bei den Dienstleistungsbetrieben sind es nach Einschätzung der Kammer vor allem die unternehmensnahen Dienstleister, die vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren.

Sorgenkind Bau

Einziges Sorgenkind ist die Baubranche - und das trotz des niedrigen Bauzinses, der guten Kassenlage und des Booms im Wohnungsbau. "Überraschend" nennt Susanne Kwapulinski diese Entwicklung. Im Frühjahr 2013 hatten noch 35 Prozent der Baubetriebe ein positives Bild der Geschäftslage gezeichnet, heute sind es nur noch 28 Prozent. Immerhin aber erwarten 15 Prozent der Betriebe eine Besserung, 2013 hatten nur neun Prozent einen positiven Blick in die Zukunft gewagt. Im gewerblichen und im industriellen Hochbau sind die Umsätze laut IHK gestiegen. Die Ursache: steigende Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Grund für die verhaltene Stimmung aber sei die Nachfrage im öffentlichen Bau, die immer weiter zurückgehe.

8,50 Euro pro Stunde

Erstmals hat die IHK Cottbus bei einer Konjunkturumfrage auch das Thema Mindestlohn angesprochen und abgefragt, wie viele Beschäftigte in den jeweiligen Branchen derzeit mit weniger als 8,50 Euro pro Stunde bezahlt werden - und welche Auswirkung die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns auf die Beschäftigungszahlen hätte. Die Ergebnisse sind deutlich und - um Krügers Schönwetter-Gleichnis weiterzuführen - dämpfen die konjunkturelle Sommerstimmung mit ein paar Gewitterwolken.

Im Handel liegen laut Umfrageergebnissen 21 Prozent der Mitarbeiter unterhalb der 8,50-Euro-Grenze, in der Dienstleistungsbranche 18 Prozent. Bei Industrie und Bau sind es elf und zehn Prozent. Fast ein Fünftel der Handelsunternehmen und rund ein Sechstel der Bauunternehmen rechnen dementsprechend mit Personalrückgang bei Einführung des Mindestlohns. Bei Industrie und Bau sind es jeweils acht Prozent. Nur die wenigsten Unternehmen rechnen mit Personalzuwachs trotz gesetzlicher 8,50 Euro pro Stunde.

Die Arbeitskosten sind laut Krüger schon jetzt einer der Konjunkturdämpfer in der südbrandenburgischen Wirtschaft - neben Energiekosten, Fachkräftemangel, fehlendem Nachwuchs und der demografischen Entwicklung. Eine Erhöhung der Kosten könnte gerade in der Handelsbranche schwerwiegende Folgen haben. Schon jetzt müsse sich der Einzelhandel etwa gegen die Konkurrenz aus dem Internet behaupten. Mit steigenden Lohnkosten sei auch mit höheren Preisen zu rechnen, so Krüger. "Irgendwo wird die Zeche bezahlt werden müssen."

Zum Thema:
Die IHK Cottbus ist zuständig für die Stadt Cottbus und die Kreise Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße. In den Landkreisen hat sich die Einschätzung der Geschäftslage der Unternehmen im Vergleich zu 2013 verbessert, nur in Cottbus sind die Unternehmer skeptischer. Im Vergleich zu 2013 sind die wirtschaftlichen Erwartungen der Unternehmen überall positiver.