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| 13:23 Uhr

Innogy soll zerlegt werden
Die Gewinner und Verlierer des RWE-Eon-Megadeals

FOTO: dpa, rwe vfd tmk wst
Eon will Innogy kaufen und wird zum größten Netz- und Vertriebskonzern. RWE bekommt das Ökostromgeschäft und wird zum größten Anbieter von Kohle- und Ökostrom. Eine Analyse zu den Folgen für Aktionäre, Mitarbeiter und Unternehmen. Antje Höning

Mit einem Paukenschlag haben die Energiekonzerne in der Nacht zu Sonntag Mitarbeiter und Aktionäre überrascht: Eon und RWE wollen die RWE-Tochter Innogy zerlegen und unter sich aufteilen: Eon wird damit zum Konzern für Netze und Vertrieb, RWE zum führenden Erzeuger von Kohle- und Ökostrom. Das sind die Gewinner und Verlierer des Deals.

Gewinner RWE: Aus der strategischen Sicht von RWE macht der Deal Sinn: RWE-Chef Rolf Martin Schmitz wird das Klumpenrisiko los, das die 77-Prozent-Beteiligung an Innogy bislang bedeutet hat. Zudem wird RWE damit zu DEM großen Erzeuger in Deutschland: RWE hat bereits den größten Kraftwerkspark bei Braun- und Steinkohle. Da RWE im Zuge des Deals das Ökostrom-Geschäft von Innogy zurücknimmt und auch noch das Ökostromgeschäft von Eon bekommt, wird der Konzern nun auch bei den Erneuerbaren eine Größe. Ausgerechnet RWE wird der große deutsche Grünstrom-Anbieter. Bei Innogy allein war das Ökostrom-Geschäft zu klein und kam auch nicht voran. Zudem wird RWE größter Einzelaktionär bei Eon, man bekommt 16 Prozent der Eon-Aktien. Das sichert den RWE-Gewinn ab.

Gewinner Eon: Aus Sicht von Eon ist der Deal attraktiv. Schon jetzt kommen 65 Prozent des Eon-Gewinns aus den Netzen, künftig werden es 80 Prozent sein. Das Netz ist der sicherste Gewinnbringer der Stromkonzerne, es bringt stabile und planbare, wenn auch nicht maximale Renditen. Solche Unternehmen sind an der Börse derzeit beliebt. Die Kartellbehörden werden kaum einschreiten, da der Staat ohnehin das Netzgeschäft reguliert und die Vergütung für die Durchleitung von Strom festlegt. Eon-Chef Johannes Teyssen kann sich wieder als Freund der Aktionäre behaupten und bekommt die Krone zurück, den wertvollsten deutschen Energiekonzern zu führen.

Verlierer Innogy: Der junge Innogy-Konzern verschwindet damit nach nur wenigen Jahren wieder von der Bühne. RWE hatte in Innogy seine Geschäfte Netze, Ökostrom, Vertrieb 2016 an die Börse gebracht. Innogy war zeitweise der wertvollste deutsche Energiekonzern. Doch Innogy-Chef Peter Terium hatte kein Konzept, verfolgte vor allem esoterische Ideen - und musste vor Weihnachten gehen. Nun wird der junge Konzern Geschichte. Das Ganze erwischt den Konzern zudem in einer Phase großer Schwäche. Personalvorstand Uwe Tigges führt den Konzern interimsmäßig, Finanzvorstand Bernhard Günther liegt seit der schweren Säure-Attacke im Krankenhaus.

Verlierer Mitarbeiter: Schon jetzt hat Innogy einen großen Personalüberhang, weil Terium es nicht geschafft hatte, den Konzern sozialverträglich schlank zu machen. Nun dürfte es weiteren Stellenabbau geben. Wenn das Netz- und Vertriebsgeschäft nun von Eon gesteuert wird, werden zahlreiche Stellen mindestens in der Verwaltung wegfallen. Innogys Overhead-Funktionen wie Vorstand, Kommunikation, Strategie werden ohnehin überflüssig. Die Gewerkschaften sind sprachlos und müssen nun durch ordentliche Sozialpläne besänftigt werden.

Verlierer Kommunen: Die Kommunen aus dem Ruhrgebiet halten knapp 25 Prozent an RWE. Als Aktionäre dürfen sie sich freuen. Denn nun hat RWE eine neue Perspektive, Doch aus der Sicht als Standort für Zentralen und Mitarbeiter bekommen die Kommunen ein Problem. Der drohende Kahlschlag dürfte insbesondere Dortmund und Essen treffen. In Essen haben alle drei Konzerne ihren Sitz, in Dortmund sitzen zudem wichtige Vertriebsabteilungen.

Verlierer Stromkunden: Für die Stromkunden ist es immer schlecht, wenn ein Wettbewerber aus dem Markt ausscheidet. Bisher waren Innogy und Eon erbitterte Konkurrenten. Es ist zwar noch offen, ob die Marke "Innogy" bleibt, doch in jedem Fall gehört sie künftig zu Eon. Immerhin ist der Wettbewerb auf dem Strommarkt mittlerweile so groß, dass Eon (mit Innogy) auf nicht mehr als 25 Prozent Marktmacht in Deutschland kommt. Gefahr droht für die Stromkunden auch dadurch, dass nun der Druck auf den Staat weiter wächst, etwas für die noch größere RWE zu tun. RWE fordert seit langem Geld allein für die Bereitstellung von Kraftwerken.