Das Gleisnetz der Deutschen Bahn ist durch Rückbau in den vergangenen sechs Jahren um etwa 5700 Kilometer auf jetzt 65 000 Kilometer eingeschmolzen worden. Die Kürzung entspricht ungefähr der dreifachen Länge aller Bahngleise im südöstlichen Brandenburg. Bei Weichen und Kreuzungen beträgt der Rückbau laut Bahnstatistiken deutschlandweit 22 400 Einheiten.

Weitere Sparpläne bis 2010
Und die Bahn nagt weiter an ihrem Netz: Nach Plänen des Vorstandes sollen bis 2010 weitere 5200 Kilometer Gleis sowie 22 800 Weichen und Kreuzungen eingespart, das heißt, zu Schrott und zu Geld gemacht werden.
Fahrweg-Sprecher Hans-Georg Zimmermann versucht gegenüber der RUNDSCHAU zu beschwichtigen: „Wir unternehmen keine großflächige Aktion zur Ausdünnung des Gleisnetzes oder zum Rückbau von Gleisen, Weichen und Kreuzungen. Wir legen auch keine Strecken still. Das, was wir machen, ist der Verzicht auf überflüssige Anlagen, auf denen kein Betrieb mehr stattfindet und die unwirtschaftlich sind. Wenn sie weiter vorgehalten werden, kosten sie viel Personal und Geld.“ Das betreffe ungenutzte Gleise und Weichen, wie es sie auf zahlreichen mittleren oder größeren Bahnhöfen in Cottbus, Hoyerswerda oder anderswo in Deutschland gibt.
Im Südosten Brandenburgs zwischen Berlin, Frankfurt (Oder), Cottbus und Elsterwerda liegen derzeit nach Bahnangaben noch rund 1700 Kilometer Gleis und 928 Kilometer Strecken.
Wie viele Gleise, Weichen und Kreuzungen in Sachsen und Brandenburg in der nächsten Zeit abgebaut werden, sagt die Deutsche Bahn nicht. Ihre Sprecher erklären lediglich, dass es sich „um einen kontinuierlichen Prozess“ handelt.
„Die haben schon ihre Gründe dafür“, mutmaßt Michael Klein von der Eisenbahnergewerkschaft transnet in Berlin. „Uns machen nicht so sehr die wirklich begründet überflüssigen Gleise Sorgen, die hohen Instandhaltungsaufwand erfordern. Vielmehr sind es die 22 800 Weichen und Kreuzungen, die geopfert werden sollen.“ Das könne zu ernsten Problemen im Eisenbahnbetrieb führen. „Durch den übertriebenen Abbau von Kreuzungen sind schon jetzt in Ballungsgebieten Gleiswechsel für Züge nicht mehr im notwendigen Maße möglich“, sagt Klein.
In ihrer Sorge ist sich die Gewerkschaft mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), dessen Mitgliedsunternehmen die Fahrwege der Deutschen Bahn für den Personen- und Güterverkehr nutzen, einig. Beide sehen in einem „rigorosen Abbauprogramm Gefahren für den flexiblen Betrieb“ der Bahn. Dem gesellschaftlichen Anliegen, die Bahn für die Kunden attraktiver zu machen und mehr Güterverkehr auf die Schiene zu bringen, würden wichtige Grundlagen entzogen.

Sorge um flexiblen Betrieb
Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) wird deutlicher: „Um den Preis des Börsenganges läuft das Unternehmen Gefahr, die Kapazitäten an Weichen und Kreuzungen auf Kante zu nähen und den Bedarf der Kunden vor allem im Güterverkehr nicht mehr erfüllen zu können“, er klärt der GDL-Chef für Brandenburg, Berlin und Sachsen, Hans- Joachim Kernchen. „Zwischen Cottbus und Berlin oder auch auf anderen Strecken ist es doch mitunter heute schon so, dass Güterzüge den Taktfahrplan der Regional-Züge durcheinander bringen. Wo kann denn noch ein langer Güterzug unterwegs auf die Seite fahren und ausweichen, wenn die Überholungen abgebaut sind“, fragt Kernchen.
Transnet und GDL wollen nun genau hinsehen, ob beim vorgesehenen Rückbauprogramm die „Proportionen von notwendigen Kapazitäten und Anforderungen an den Bahnverkehr der Zukunft“ stimmen. Sie schließen nicht aus, sich notfalls mit dem Bahn-Management anzulegen.

Hintergrund Gleise und Strecken der Bahn
 Die Angaben über Gleis- und Streckenlängen differieren. Das ist kein Widerspruch, denn zur Gleislänge der Bahn gehören nach offizieller Statistik sämtliche Gleise einschließlich der Bahn hofs- und Rangiergleise. Bei der Streckenlänge zählen lediglich die Gleise zwischen A und B.
Danach verfügt Brandenburg über rund 2500 Kilometer Strecke (ohne S-Bahn), aber über insgesamt doppelt so viele Kilometer Gleis. In Sachsen sind es ebenfalls etwa 2600 Kilometer Streckengleise und mindestens 5500 Kilometer gesamte Gleislänge.
Der Rückbau überflüssiger Gleise hat nach Angaben von Gisbert Gahle von der Brandenburg-Berliner Bahn nichts mit einer Stilllegung von Strecken zu tun. Eine Strecke könne nur vom Eisenbahnbundesamt (EBA) entwidmet werden; erst danach könne ein Abbau infrage kommen.
Wenn auf einer Strecke, wie zwischen Spremberg und Hoyerswerda oder Falkenberg und Riesa geschehen, der Reisezugverkehr abbestellt wurde, bleiben die Strecken trotzdem erhalten. Sie können für den Güterverkehr vorgehalten oder von anderen Eisenbahnunternehmen weiter betrieben werden.