Gute Köche handeln nach dem Spruch "Die Augen essen mit". Autokonzerne wissen: Zuerst fahren die Kunden nur mit den Augen. Deshalb genügt es ihnen nicht, mit technischen Details zu werben oder allein auf das Design der Fahrzeuge zu setzen. Denn das hebt sich selten so stark von Konkurrenz-Modellen ab, dass sich der Verkauf zum Selbstläufer entwickelt. Um mögliche Käufer zu beeindrucken, werden Autos in Szene gesetzt. Auf Messen und Ausstellungen gibt es dafür auf der Basis einer umfassenden Vorplanung sogar so etwas wie eine Regie.

Monatelange Arbeit für die Show

Wolfgang Nothnagel, geschäftsführender Gesellschafter von Filmtec, und seine Mitarbeiter sind als Regisseure verantwortlich für den technischen Ablauf von VW-Pressekonferenzen, Messen und Ausstellungen. Sie sorgen für gut funktionierenden Ton, raffinierte Leuchteffekte, die richtige filmische, fotografische und textliche Ergänzung zu den Ausführungen der Konzern-Manager sowie das effektvolle Vorführen der Fahrzeuge. Ihre Arbeit zur Vorbereitung von Autoshows beginnt aber schon Monate vorher.

So war Nothnagel gerade in Schanghai, wo Volkswagen im April nächsten Jahres wieder zu einer "VW Group Night" einlädt. Es ist nicht die erste in dieser chinesischen Großstadt, in der mehr als 20 Millionen Menschen leben. Aber wegen der schlechten Verkehrsverhältnisse soll die Schau diesmal näher am Zentrum stattfinden. Deshalb mussten andere Hallen besichtigt und auf ihre Tauglichkeit geprüft werden. "Es ging dabei nicht nur um die Größe der Fläche", erläutert Nothnagel. "Wichtig für unsere Aufbauten ist ebenso, welche Belastungen Böden und Decken vertragen." Kein Autospektakel ohne genaue Kenntnis der Statik.

Statik, Strom, Logistik

Weil die Angaben dazu in manchen Ländern nicht so präzise sind wie in Deutschland, "stellen wir mit Hilfe von Statikern oft eigene Berechnungen an oder ziehen sogar den Architekten, der das Gebäude konzipiert hat, hinzu". Als Nächstes zu klären war, wie der im Megawatt-Bereich liegende Strombedarf gedeckt werden kann. In Schanghai geht das nur mit zusätzlichen Diesel-Aggregaten. Mit entscheidend ist auch die Frage der Logistik. "Wie bekommen wir all die Autos und die technischen Anlagen in eine Halle rein und wieder raus? Da geht es um 20 bis 30 Lkw-Ladungen."

Beim Aufbau der Ausstellung kooperiert Filmtec mit dem jeweiligen Architektenbüro, das für Bühnenbild und Messestand-Gestaltung verantwortlich zeichnet. Pro Jahr realisiert das 1966 in der Nähe von Frankfurt/Main gegründete Ingenieurbüro 30 bis 40 Veranstaltungen für Volkswagen, "und das seit 15 Jahren", wie Nothnagel betont. 2011 hat er die Mehrheit der Anteile an dem Unternehmen übernommen und 2012 den Firmensitz ins Brandenburgische verlegt, "um näher am Hauptkunden zu sein".

Zwei-Länder-Ehe im Kleinen

Warum er nicht gleich in die VW-Hochburg Wolfsburg gegangen ist? "Dort kriegen Sie kein qualifiziertes Personal", erwidert Nothnagel. Er spielt auf die Nähe zur Beuth-Hochschule an, die in Berlin Veranstaltungstechniker ausbildet. Im Berliner Ortsteil Wannsee besitzt die Firma ebenfalls Büroräume und praktiziert so ihre eigene kleine Zwei-Länder-Ehe. Michendorf bietet einen günstigen Gewerbesteuer-Hebesatz, Berlin Fachkräfte. Seit 2011 hat das Ingenieurbüro die Zahl der fest angestellten Beschäftigten von vier auf acht verdoppelt. Hinzu kommen rund 30 freie Mitarbeiter. Auch der Umsatz verdoppelte sich binnen drei Jahren von 1,5 auf drei Millionen Euro. Erreicht wurde dies, weil Filmtec nicht mehr nur beratend tätig ist, sondern auf Wunsch von VW auch die Verantwortung für die technische Realisierung der Messen und Ausstellungen übernahm.

Nothnagel hat seit einem Jahr freie Stellen ausgeschrieben und kann sie trotz der Nähe zu Beuth nicht besetzen. Das wäre auch etwas für Medientechnik-Absolventen der BTU Cottbus-Senftenberg. Interessenten müssten sich aber auf eine rege Reisetätigkeit einstellen. "Das ist ein Aspekt, der manche abschreckt."

In diesem Jahr gehörten beispielsweise neben deutschen Städten New York, Peking, Paris, Moskau, Detroit und Genf zu den Orten, an denen der Volkswagen-Konzern seine Autos präsentierte. Der Verband für Direkte Wirtschaftskommunikation hat die Filmtec Anfang November für ihre technischen Installationen mit einer Gold- und einer Silbermedaille geehrt.

Wenn Nothnagel VW als Hauptkunden nennt, so muss er gleichzeitig einräumen, dass es der einzige Kunde ist. Die Arbeit für den Konzern nimmt das Ingenieurbüro voll in Anspruch, es bleibt keine Zeit für andere Aufgaben. Nothnagel möchte das Unternehmen breiter aufstellen, zum Beispiel alte Kontakte zum Software-Konzern SAP aktivieren und auch im Bereich von Festinstallationen tätig werden, die Räume oder Hallen für einen langen Zeitraum prägen. Aber auch dazu braucht er mehr Fachkräfte.

"Schießkino für Polizisten"

Mit dem Ingenieurbüro Poolmedia, ebenfalls ansässig in Michendorf, realisiert er bereits ein ganz anderes Geschäftsfeld, das "Schießkino für Polizisten". Das ist ein Schießstand, bei dem auf bewegte Bilder geschossen wird. In Baden-Württemberg hat die Polizei an 46 Standorten derartige Anlagen aufgebaut. Nach Dänemark und Luxemburg wurden Software und Beamer dafür ebenfalls schon verkauft.