Wie auf einem Büroprinter laufen die Druckköpfe die Rolle auf und ab, nur ihr Weg ist ungleich weiter. Auf der über die Walze gezogenen Stoffbahn hinterlassen sie farbige Konturen, die sich mehr und mehr zu einem Großbild formen. Zwölf Meter breit - das sind sieben Meter mehr als bisher üblich - kann es werden und bis zu 60 Meter lang. Theoretisch ließe sich die Länge noch ganz erheblich strecken, erklärt Susi Andrae Schäfer, aber die Webereien lieferten nur bis zu dieser Grenze, darüber hinaus würden die aufgerollten Bahnen einfach zu schwer. Sie gehört wie weitere vier Mitglieder der Familie Schäfer zur den Inhabern des Unternehmens, das in Schweden entstand und dort in Täby bei Stockholm seinen Hauptsitz hat.

Ballen müssen geglättet werden

Technische Grenzen lassen sich überwinden, indem Bahnen vernäht werden. So lautet denn auch der Name des Printers "Infinitus", was aus dem Lateinischen kommt und soviel wie "grenzenlos" bedeutet. Machbar sind riesige 360-Grad-Panoramabilder, ebenso ganze Straßenzüge als Filmkulisse. Zu der mit dem Innovationspreis gewürdigten Lösung zählt aber nicht nur "Infinitus". Der könnte gar nicht drucken ohne die gleichzeitig entwickelte und ebenso breite Ausrichtanlage. Denn die Stoffbahnen werden als zusammengelegte Ballen angeliefert, nur so sind sie transportfähig. Das bedeutet aber, dass sie beim Auseinandernehmen viele Falten aufweisen. Auf der Ausrichtanlage wird der Stoff gespannt und geglättet, erst dann ist er bereit für das Bedrucken, erläutert der Ingenieur Holger Schulz.

Der Potsdamer Platz entstand hier

Seit Jahrzehnten widmen sich die Schäfers dem Trend zum Großbild. BigImage versorgt Filmstudios sowie Opern- und Schauspielhäuser mit Kulissen aus Stoff, bebilderte textile Bahnen für die Decken und Wände von Restaurants, produziert großflächige Motive für Industrie und Handel. Mit den breiten Formaten aus Potsdam und Täby werden auch Museen, Ausstellungen und Messestände dekoriert, Fernsehstudios ausgestattet. Die Drucke verschönern bei Modeschauen den Laufsteg-Hintergrund, Städtebauer demonstrieren ihren Bürgern mit Panorama-Ansichten, wie sie sich die Entwicklung einzelner Areale vorstellen. So wurde es zum Beispiel am Potsdamer Platz in Berlin gemacht, als der noch eine weitgehend leere Fläche war. Zu den industriellen Kunden von Big Image gehören Unternehmen wie Ikea, Telekom, Lufthansa, Apple und Volvo. Ein erheblicher Teil der Exporte geht in die USA.

Die meisten Drucke in Potsdam und alle in Täby erfolgen noch auf den fünf Meter breiten Printern. Für "Infinitus" sei die Vermarktung erst angelaufen, sagt Susi Andrae Schäfer. Dass die Neuheit im Brandenburgischen und nicht Schweden entwickelt und aufgebaut wurde, hat auch mit den Platzverhältnissen zu tun. Erst 2013 ist die deutsche BigImage von Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) in die Landeshauptstadt umgezogen, weil hier ganz in der Nähe der Filmstudios Babelsberg eine noch größere Produktionshalle zu haben war. Das schafft nun auch beim Umsatz Luft nach oben. Er lag laut Schäfer 2013 in Täby, wo das Unternehmen 35 Mitarbeiter beschäftigt, bei umgerechnet sechs Millionen Euro. In Potsdam erwirtschafteten 25 Mitarbeiter etwa die Hälfte. Aber die Produktion hier habe wegen der Marktnähe zu vielen europäischen Kunden ein erhebliches Potenzial, betont Frau Schäfer.

Rückkehr zu den Wurzeln

Für das Unternehmen bedeutete die Ansiedlung bei Berlin auch ein Stück Rückkehr zu den Wurzeln. Der heute 75-jährige Firmengründer Werner Schäfer ist in Berlin-Prenzlauer Berg aufgewachsen. 1961, kurz vor dem Mauerbau, erhielt der Fotograf ein Jobangebot in Schweden. Er verließ die DDR und begann ein neues Leben. Zwei Jahrzehnte später, er war längst als selbstständiger Industriefotograf tätig, führte ihn ein Auftrag nach Australien. Dort entdeckte er zum ersten Mal ein großes Bild auf Stoff. Die Technik begeisterte ihn. Er suchte den Kontakt zum Hersteller in England und übernahm mit seiner damaligen Firma Bildcentrum AB den Vertrieb großer Airbrush-Bilder in Skandinavien.

Druck- ersetzt Airbrush-Technik

1987 kaufte er seine erste eigene Airbrush-Anlage. Das war eine gebrauchte Maschine aus den USA, die aber, wie sich zeigte, seinen Qualitätsansprüchen nicht genügte. Mithilfe von Studenten der Technischen Hochschule Stockholm wurde die Anlage verbessert und von analoger auf digitale Funktionsweise umgestellt. Schäfers Firma hieß nun BigImage und konnte in der Bildauflösung immer höheren Anforderungen genügen. Mittlerweile wird das Airbrush-Verfahren, das Farbe aus feinen Düsen versprüht, durch Drucktechnik ersetzt.

Das Ende der DDR ermöglichte es Werner Schäfer, mit seinem Unternehmen auch an seinen Ursprung zurückzukehren. 1993 gründete er die deutsche BigImage zunächst als Vertriebsgesellschaft in Berlin, ab 1995 wurde in Stahnsdorf produziert, 2013 erfolgte der Umzug nach Potsdam. Inzwischen hat mit den drei Kindern die nächste Generation in der Firma Verantwortung übernommen, die übernächste steht in den Startlöchern. Das sei wichtig für ein Familienunternehmen, sagt Susi Andrae Schäfer. Und es ist auch gut für die Zukunft der Jobs in Täby und Potsdam.