Diese Woche erfuhren wir wieder, wie ungeheuer viel Kohle die Aldi-Brüder Theo und Karl beiseite gelegt haben, dass die Boehringers und von Baumbachs nur so in den Milliarden baden und auch die Tchibo-Familie Herz ein Herz für Euros hat. Aber wer sind die Ärmsten? Wenn laut Grundgesetz gleiches Recht für alle gilt, dann müssten auch sie genannt werden. Auch sie haben Anspruch auf Publizität. Es zeigt sich aber wieder einmal, dass Arme ihr Recht nur schwer durchsetzen können. Das liegt nicht an der Bosheit des Staates. Nein, es sind die Kriterien, die zwar Reichtum exakt beschreiben, Armut aber nicht. Beispiel Brücken-Paule aus Hamburg: Wenn der nachts im Freien pennt, müsste er eigentlich einer der Ärmsten sein. Rein rechnerisch ist er aber fast noch unterer Mittelstand. Denn Brücken-Paule hat keine Gläubiger. Dagegen ist die Masse des Volkes irgendwie verschuldet. Allein in den ersten elf Monaten 2002 erhöhte sich die Zahl der Pleite gegangenen Personen und Firmen um 12,9 Prozent auf 22 144, meldete das Statistische Bundesamt gestern. Gegen die Insolventen bestehen 58,5 Milliarden Euro Forderungen. Viele dieser Ärmsten fahren sogar noch ein dickes Auto. Deshalb sind sie so schwer zählbar für das Armen-Listing.
Es gibt auch moralische Armut. Nehmen wir den Ex-Mannesmann-Chef Esser, der wegen 30 Millionen Euro Abfindung angeklagt werden soll. Dagegen klagt er wegen Rufschädigung. Der Ärmste.