ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 07:07 Uhr

Berlin
Die Ängste der Daimler-Aktionäre

Berlin. Diesel-Skandal, CO2-Grenzwerte, ein neuer Großaktionär aus China - beim Autobauer gibt es viele Problemfelder.

Trotz Rekordzahlen machen sich viele Aktionäre des Autobauers Daimler Sorgen. Diesel-Skandal, Kartell-Vorwürfe, geplanter Konzernumbau und die Herausforderungen der Elektromobilität - stundenlang mussten Vorstand und Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung Fragen der Anteilseigner zu den Dauerthemen beantworten. Die Aktionäre fürchten hohe Strafzahlungen im Zusammenhang mit dem Diesel-Abgasskandal sowie für den Fall, dass Mercedes die in Zukunft geltenden CO2-Ziele der EU nicht einhalten kann.

Viel Redebedarf hatten die Aktionäre auch zum Einstieg von Li Shufu, Gründer des chinesischen Autokonzerns Geely. Der Milliardär hatte Anfang Februar knapp zehn Prozent der Daimler-Anteile gekauft und war auf einen Schlag größter Einzelaktionär geworden. Vorstandschef Dieter Zetsche und Finanzvorstand Bodo Uebber trugen wiederholt eine vorbereitete Sprachregelung vor, wonach sie Li in erster Linie als Aktionär betrachten. Zetsche hatte im Eingangsstatement betont, dass man Optionen für eine Zusammenarbeit ausloten werde. "Wir sind in China offen für alles, was im Einklang mit den Interessen unseres langjährigen Partners BAIC steht", betonte er. Auswirkungen auf den angedachten Konzernumbau habe der Einstieg Lis nicht, ergänzte Uebber. Einige Finanzanalysten und Aktionärsvertreter sehen das anders.

Kritik gab es auch an der unterdurchschnittlichen Entwicklung des Aktienkurses. "Es liegt ein Schleier auf den Automobilwerten und auch über unserer Daimler AG", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler. Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment verwies auf Sorgen am Kapitalmarkt, dass es angesichts der Bestwerte bei Absatz, Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr nicht mehr besser werden könne und nach den fetten auch wieder magere Jahre kämen. Vor allem vom Wachstum in China getrieben, hatte Daimler 2017 so viele Fahrzeuge wie noch nie verkauft. Bei einem Umsatz von 164,3 Milliarden Euro (plus sieben Prozent) hatte der Konzern einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 14,7 Milliarden Euro gemacht, etwa 14 Prozent mehr als im Jahr davor. Beim Überschuss (plus 23 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro) fiel der Zuwachs noch deutlicher aus.

Was die rechtlichen Risiken angeht, hielten sich Vorstandschef Zetsche und Finanzvorstand Uebber weitgehend zurück. Dafür warnte Zetsche die Aktionäre schon einmal vorsichtig vor den Folgen, die die massiven Investitionen in die Elektromobilität auf die Bilanz der kommenden Jahre haben könnten. "Mehr Elektroautos sind gut für die CO2-Bilanz. Aber nicht so gut für unsere Konzern-Bilanz - jedenfalls vorübergehend", sagte Zetsche. Der Wandel hin zu einer emissionsfreien Mobilität sei eine betriebswirtschaftliche Herausforderung: "Deshalb geben wir beim Thema Effizienz keinen Deut nach." Daimler will das erste vollelektrische Auto der Marke EQ 2019 produzieren, neun weitere Modelle sollen folgen. Zudem soll es bis 2022 in jedem Mercedes-Segment eine elektrifizierte Variante geben. Um die Investitionen stemmen zu können, hatte Zetsche in der Pkw-Sparte Mercedes-Benz im September 2017 ein Sparprogramm aufgelegt, das über die kommenden Jahre einen Spielraum von zusätzlichen vier Milliarden Euro liefern soll. Unter anderem sollen Produkte schneller auf den Markt kommen.

Zetsche betonte erneut die Bedeutung des Diesels für die Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes. "Ohne jeden Zweifel: Wir Automobilhersteller stehen in der Verantwortung, wenn es darum geht, individuelle Mobilität, Klimaschutz und Luftreinhaltung in Einklang zu bringen", sagte er. Fahrverbote lehnte er explizit ab. Zudem sprach er sich indirekt auch gegen die von vielen geforderte Hardware-Nachrüstung von Diesel-Autos aus. Daimler befürworte, "was technisch sinnvoll und finanziell verantwortbar" sei. Dafür seien die angekündigten Software-Updates für über drei Millionen Fahrzeuge eine "wirksame und vergleichsweise schnelle Lösung".

(dpa)