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| 02:51 Uhr

Dicke Luft in Lausitzer Siag-Werken

Dernbach/Massen/Ruhland. Obwohl das Massener Siag-Werk laut Gewerkschaft 2011 einen Millionengewinn erwirtschaftet hat, bangen dort 170 Mitarbeiter um ihre Stellen. Siag in Ruhland gehört dagegen nicht mehr zum zahlungsunfähigen Konzern. Heidrun Seidel, Dieter Babbe und Siegfried Denzel

Voraussichtlich am Montag wird der zahlungsunfähige Windkraft-Zulieferer Siag Schaaf Industrie AG Insolvenz beantragen; das kündigte ein Unternehmenssprecher am Freitag am Firmensitz in Dernbach (Rheinland-Pfalz) an. Damit bangen rund 1800 Beschäftigte an elf Standorten in Europa, Nordafrika, Asien und Nordamerika um ihre Arbeitsplätze; zu ihnen gehören auch 170 Frauen und Männer im Werk Massen bei Finsterwalde (Elbe-Elster-Kreis).

Am Freitag war noch unklar, welche Auswirkungen die Insolvenz auf den Lausitz-Standort haben wird. Geschäftsführer Wolfgang Jungnickel war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen; Mitarbeiter vermuteten, dass er zum Unternehmenssitz nach Dernbach im Westerwald gerufen worden ist. Bekannt ist, dass die Siag-Firmengruppe seit Längerem unter finanziellen Problemen leidet. Ende Februar hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass mindestens die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt sei. Verzögerungen bei der Abwicklung von Projekten seien die Ursache. Damals sagte ein Sprecher, das Unternehmen verfüge über "erhebliche Reserven", sodass der Bestand nicht gefährdet sei.

Offensichtlich entsprach das nicht den Tatsachen. Vorstandschef Rüdiger Schaaf "hat sich finanziell völlig verhoben", vermutet Steffen Schmidt, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Südbrandenburg. Das Unternehmen habe vor drei Jahren riesige Summen investiert, ein Werk in den USA übernommen und eine Joint-Venture-Firma in Ägypten gegründet. "Das Genick gebrochen hat Siag letztlich aber die Schiffswerft Nordseewerke, die 2010 zu großen Teilen von Thyssen-Krupp übernommen wurde", schätzt Schmidt ein. "Hier hat man sich beim Bau von Windanlagen in der Nordsee überhoben."

Im Massener Werk werden vor allem Windtürme fürs Land produziert. Während im Gesamtkonzern offenbar Verluste in zweistelliger Millionenhöhe entstanden sind, hat das Werk in Massen laut Schmidt im Vorjahr einen Gewinn von 1,7 Millionen Euro erwirtschaftet. "Der Betrieb hat reichlich Aufträge wenigstens bis Sommer." Auch Betriebsratsvorsitzender Lemjan Allos ist optimistisch, dass die Produktion im Massener Werk weitergeht: "Wir haben genug Arbeit."

Unterdessen beeilt sich die Führung der Siag Stahlbau Ruhland GmbH & Co. KG mit dem Hinweis, dass die Siag-Pleite den Firmenstandort im Landkreis Oberspreewald-Lausitz nicht betrifft - und die 160 Mitarbeiter aufatmen können. "Wir sind, seit im Juni 2011 die Geschäftsanteile der Siag an private Gesellschafter verkauft wurden, ein autarkes Unternehmen", betont Manfred Seidl, Leiter Vertrieb, Kalkulation und Bauabrechnung. Die Pleitemeldung des Konzerns habe aber aufgrund der noch bestehenden Abkürzung Siag im Firmennamen für Verunsicherung bei den Geschäftspartnern gesorgt, berichtet Seidl. "Seit Donnerstagabend klingelt pausenlos das Telefon."

Zum Thema:
Die Lausitzer Stahlbauer kamen Ende der 90er-Jahre unter das Dach der nun zahlungsunfähigen Siag-Unternehmensgruppe. Nach Firmenangaben wurde der Betrieb in Ruhland bereits 1921 gegründet. Die Lausitzer Stahlbau Ruhland GmbH wurde 1996 von Siag übernommen und im Sommer vergangenen Jahres wieder verkauft. Derzeit arbeitet das Unternehmen am Bau eines Atomkraftwerks in Finnland.Die Klotz Anlagenbau GmbH in der Finsterwalder Nachbargemeinde Massen wurde 1997 von den Westerwäldern übernommen und firmiert seitdem als Siag Anlagenbau Finsterwalde GmbH.