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| 15:09 Uhr

Bilanz des Außenhandelsverbandes
Deutsche Exporte weiter im Aufwind

International gefragt: Produkte aus Deutschland – hier eine Wasserkraftturbine – finden reißenden Absatz.
International gefragt: Produkte aus Deutschland – hier eine Wasserkraftturbine – finden reißenden Absatz. FOTO: Stefan Puchner / dpa
Berlin. Die weltweite Konjunkturerholung treibt die Nachfrage nach „Made in Germany“ an. Die deutschen Ausfuhren steigen. Der Außenhandelsverband warnt trotzdem vor Euphorie. Von Stefan Vetter

Noch zu Jahresbeginn hatte der Außenhandelsverband (BGA) vor negativen Folgen für die deutschen Exporte durch die Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump gewarnt. Doch die Befürchtungen waren offenbar überzogen. Für 2018 erwartet der BGA jetzt einen neuen Rekord bei den deutschen Ausfuhren.

Demnach rechnen die Experten für das kommende Jahr mit einem Exportwachstum von fünf Prozent. Der Umfang aller Waren und Dienstleistungen, die außer Landes gehen, würde damit einem neuen Rekordwert von 1,34 Billionen Euro erreichen. Bei den Importen erwartet man gar einen Zuwachs um sieben Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Schon im laufenden Jahr ging es zum großen Teil steil bergauf. So nahmen etwa die deutschen Ausfuhren nach China in den ersten neun Monaten um mehr als 14 Prozent zu und nach Russland um fast 22 Prozent. Innerhalb der EU gab es größere Sprünge bei den Exporten nach Frankreich (plus 3,9 Prozent), Italien (6,6) und Spanien (6,9 Prozent). Nur Großbritannien bildete eine negative Ausnahme – wegen des Brexit sackten die deutschen Ausfuhren bis September um 3,3 Prozent ab.

Die gesamte Entwicklung ist umso erstaunlicher, als der vormalige Außenhandels-Verbandschef Anton Börner noch im Februar massive Verwerfungen im Welthandel wegen der protektionistischen Wirtschaftspolitik der USA befürchtet hatte. Präsident Trump, sei ein „von sich absolut überzeugter und machtbesessener Familienunternehmer ohne Bindung zur sozialen Marktwirtschaft“, schimpfte Börner damals vor Journalisten. Für Verunsicherung hatten seinerzeit auch Drohungen aus Washington gesorgt, Strafzölle etwa für BMW-Autos zu verhängen.

Börners Amtsnachfolger Holger Bingmann wollte am Dienstag allerdings keine Entwarnung geben. Es sei weiterhin „bedenklich“, wenn die US-Politik auf eine Schwächung der Welthandelsorganisation WTO ziele. Zugleich mahnte er die deutsche Politik, sich nicht von den guten Zahlen blenden zu lassen. Der gegenwärtige technologische Aufbruch erfordere „ein massives Umdenken bei uns Unternehmern wie auch in der Politik, um unsere Wohlfahrtsgewinne zu sichern“, so Bingmann. Dabei stehe die hohe wirtschaftliche Dynamik „aktuell im krassen Gegensatz zu dem politischen Stillstand hierzulande“, erklärte der Verbandschef mit Blick auf die weiter ausstehende Regierungsbildung in Berlin.

Eine besondere politische Herausforderung sieht Bingmann in der künftigen Gestaltung von Steuern und Abgaben. Nach seiner Einschätzung halten Export-Unternehmen die Steuern sowie die aus der Energiewende resultierenden Belastungen inzwischen für maßgeblicher als die Personalkosten, um weiter im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Eine „Fortentwicklung“ des Unternehmenssteuerrechts sei daher überfällig, sagte Bingmann. Auch die Senkung des Solidaritätszuschlags würde die Betriebe nach seiner Einschätzung deutlich wettbewerbsfähiger machen.