Unter den nach Marktkapitalisierung 25 größten Banken weltweit gebe es inzwischen kein einziges deutsches Institut mehr. Selbst die US-Subprime-Krise, von der die deutschen privaten Banken nicht so stark wie andere Institute betroffen sind, führe hier nicht zu grundlegenden Änderungen. Der Zusammenschluss von Dresdner Bank und Commerzbank wird weitere Übernahmen nach sich ziehen. Dabei würden auch die Grenzen von privaten, genossenschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Instituten irgendwann überwunden: "Der Prozess der Veränderung hat an Tempo gewonnen", sagte Manfred Weber, der geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes deutscher Banken.

Schlüssel liegt bei Bundesländern
Ihm sei bewusst, dass da noch viel Wunsch der Vater des Gedankens ist, ergänzte Weber. Der Schlüssel liege vor allem bei den Bundesländern. Bei den öffentlich-rechtlichen Landesbanken gebe es schon erste private Beteiligungen. Und die Landesregierungen sähen es wohl gerne, wenn weitere Landesbank-Anteile von privaten Banken übernommen würden. Nur bei den Sparkassen ließen sie nicht mit sich reden. Deshalb müsse sich die Bundesregierung einschalten: "Wenn die Frage eines wettbewerbsfähigen Bankensystems eine wichtige Frage ist, und davon bin ich zutiefst überzeugt, dann ist es auch ein Thema für die Bundespolitik", sagte Weber. Die Bundesregierung könne zwar keine Landesgesetze ändern. "Aber sie kann das Thema diskutieren." Der Bund habe ja auch die Bildungspolitik, ebenfalls Ländersache, auf die Agenda seines Handelns gesetzt.
Weber warnte zwar mehrfach davor, nach der Finanzkrise die Branche durch zu enge staatliche Kontrollen einzuschränken. Es werde immer wieder eine Krise geben, jede sei anders: die Asien-, Neue Markt- und jetzt die Subprime-Krise hätten alle unterschiedliche Hintergründe gehabt. Weber gestand aber zu, "dass Selbstregulierung allein nicht ausreicht." Die Banken müssten ihre Vergütungsstrukturen ändern, damit Händler nicht verführt werden, "ein immer größeres Rad zu drehen."

USA sollten auf „Basel II setzen“
Dennoch sei "staatliche Regulierung ein Teil der Lösung", betonte Weber, bezog das aber vor allem auf Amerika. Dort müssten die Vorschriften zur Prüfung der Kreditwürdigkeit verschärft werden. Kreditvermittler müssten besser beaufsichtigt werden. Zudem solle Amerika endlich die Vorschriften von "Basel II" anwenden. In diesem europäischen Vertragswerk haben sich Banken verpflichtet, risikoreichere Kredite mit mehr Eigenkapital zu unterlegen. Weber forderte eine europäische Bankenaufsicht. Nationale Einrichtungen genügten nicht. Sie müssten qualifiziertes Personal beschäftigen und auch bezahlen können, dürften daran nicht durch Tarifverträge für den öffentlichen Dienst behindert werden. Die Aufsicht müsse nicht jeden Kredit kontrollieren. Sie müsse das Risikomanagement der Banken beurteilen.
Im Bankenverband sind derzeit rund 220 private Banken zusammengeschlossen. (Eig. Ber./mib/dpa)

Hintergrund Der deutsche Bankenmarkt
 Mit rund 40 000 Kunden je Kreditinstitut ist das deutsche Bankenwesen laut dem jüngsten Bericht des Rates der europäischen Wirtschaftsweisen im internationalen Vergleich zu kleinteilig : Es gibt zu viele Institute und zu wenig Kunden. Im europäischen Mittel kommen 54 000 Kunden auf eine Sparkasse oder Bank, in Spanien beispielsweise sind es sogar 125 000.
Der Europäischen Zentralbank zufolge schrumpfte in Deutschland bis Ende 2006 die Anzahl der Banken und Sparkassen um rund zwei Fünftel von knapp 3400 auf etwa 2000 Institute . In Frankreich verringerte sich die Zahl im gleichen Zeitraum um etwa ein Drittel von rund 1250 auf 820. (AFP/B.M.)