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| 14:32 Uhr

2017 fielen 140.000 Züge aus
Deutsche Bahn zählt deutlich mehr Zugausfälle

ICE-Züge der Deutschen Bahn (Archiv).
ICE-Züge der Deutschen Bahn (Archiv). FOTO: dpa
Berlin. In der Pünktlichkeitsstatistik der Bahn tauchen die Ausfälle nicht auf. Birgit Marschall

Bei der Deutschen Bahn sind im vergangenen Jahr deutlich mehr Züge ausgefallen als im Jahr davor. In der Pünktlichkeitsstatistik des Unternehmens tauchen die Ausfälle aber nicht auf.

Die Zahl der Zugausfälle bei der Deutschen Bahn ist 2017 auf 140.000 gestiegen - das waren über 20.000 mehr als im Vorjahr. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Demnach verließen fast 70 Prozent dieser Züge, knapp 97.000, ihren Startbahnhof, kamen aber nicht am Ziel an. Das waren 0,7 Prozent aller geplanten Verbindungen. Mehr als 40.000 oder 0,3 Prozent verließen nicht einmal den Startbahnhof.

Auch 2018 ist kaum mit weniger Ausfällen zu rechnen. Denn die Zahl der witterungsbedingten Weichenstörungen - etwa aufgrund von Schneefall - war in den ersten Monaten bereits auffallend hoch: Allein bis zum 23. April zählte die Bahn bereits 746 Weichenstörungen. 2017 waren es insgesamt 1155 gewesen. Für die Störungen werden regelmäßig Materialermüdung und zu geringe Investitionen verantwortlich gemacht.

Die Bundesregierung räumt in der Antwort auf die Anfrage ein, dass Zugausfälle nicht in die Pünktlichkeitsstatistik der Bahn einfließen. "Die DB AG hat mitgeteilt, dass der Anteil vollständig oder teilweise ausgefallener Züge innerhalb der Statistik von der Grundgesamtheit aller planmäßig verkehrender Züge abgezogen werde", schreibt das Verkehrsministerium.

Vermutet wird in der Branche, dass es für das Bahn-Management vorteilhafter sei, wenn ein Zug ausfällt, als ihn mit ein oder zwei Stunden Verspätung ankommen zu lassen. Das würde die Pünktlichkeitsstatistik verschlechtern. Die Bahn hat sich zum Ziel gesetzt, die Quote pünktlicher Züge jedes Jahr um einen Prozentpunkt zu steigern. Das Ziel von 81 Prozent für 2017 wurde aber klar verfehlt: Im Jahresdurchschnitt waren nur 78,5 Prozent der Fernzüge pünktlich. 2018 will die Bahn 82 Prozent erreichen.

"Es ist schon ein Hammer, dass ausfallende Züge nicht mehr in der Pünktlichkeitsstatistik auftauchen. Damit ist klar, dass die Zuverlässigkeit im Bahnverkehr noch schlechter ausfällt als ohnehin schon in der Statistik", sagte Grünen-Bahnpolitiker Matthias Gastel.