Der Fortbestand der seit Jahren Verluste schreibenden Deutschen BA ist nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen nun massiv bedroht. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Fluggesellschaft ihr Geschäft aufgeben müsse, sagte Geschäftsführer Martin Wyatt gestern in München. Auf Grund der jüngsten Entwicklung sei es unwahrscheinlich, dass die britische Gesellschaft EasyJet ihre Kaufoption für die DBA ausübt.
Branchenexperten sehen in der Übernahme der Deutschen BA durch die Billiglinie EasyJet die möglicherweise einzige Chance zur Rettung der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, deren Muttergesellschaft jetzt noch die British Airways ist. Die Verhandlungen zwischen der DBA und der Pilotenvereinigung Cockpit über eine neue Tarifstruktur waren am späten Mittwochabend ergebnislos abgebrochen worden.
Wyatt sagte, er habe eine neue Runde für Montag vorgeschlagen. "Wir sind bereit zu weiteren Gesprächen. Aber es ist Sache der Pilotenvereinigung, an den Verhandlungstisch zurückzukehren", betonte der Geschäftsführer. Unterdessen signalisierten auch die Piloten der Deutschen BA Entgegenkommen. "Wir sind offen für weitere Gespräche", sagte Cockpit-Sprecher Georg Fongern gestern auf Nachfrage. Allerdings hätten die Piloten bereits am Vortag den von der Geschäftsführung vorgelegten Manteltarifvertrag und den Vergütungstarifvertrag akzeptiert. Daher stelle sich die Frage, worüber noch verhandelt werden solle.

Pilotenvereinigung misstrauisch
Fongern äußerte die Vermutung, dass die EasyJet angesichts der anhaltend schwachen Marktsituation in der Luftfahrt ihre Kaufoption gar nicht ausüben wolle und dafür in den Piloten ein Schuldiger gesucht werden solle. Möglich sei allerdings ebenso, dass EasyJet sich mit der Übernahme der Deutschen BA nur die Verkehrsrechte in Deutschland sichere, ansonsten die Gesellschaft jedoch drastisch verkleinere.
Wyatt sagte, die Pilotenvereinigung habe den angebotenen Manteltarifvertrag und den Vergütungstarifvertrag zwar akzeptiert, jedoch zugleich gefordert, dass EasyJet die Kaufoption bis Mittwoch um Mitternacht einlösen solle. Nunmehr werde EasyJet die Situation am heutigen Freitag auf einer Aufsichtsratssitzung beraten. Die britische Billigfluggesellschaft will bis Ende März über die Ausübung ihrer Kaufoption für die defizitäre deutsche Tochter von British Airways entscheiden.

Lage unübersichtlich
Allerdings macht EasyJet zur Voraussetzung für die Übernahme, dass die Deutsche BA ihre Kosten auf das Niveau im Billigflugbereich senkt. Dazu gehören eine veränderte Tarifstruktur für die Piloten und flexiblere Arbeitszeiten. Die Gesellschaft hat rund 800 Beschäftigte, darunter 200 Piloten. Wyatt räumte ein, dass die Lage derzeit recht unübersichtlich ist. Falls die EasyJet ihre Kaufoption nicht ausübt, blieben als Alternativen nur die Suche nach einem neuen Käufer, das Erreichen der Gewinnzone aus eigener Kraft oder die Stilllegung der Airline. Alle diese Möglichkeiten seien jedoch überaus schwierig zu realisieren, sagte Wyatt.